Das Kniebike: Für schnelle Beschleunigung im Rennen konzipiert

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Das Kniebike ermöglicht schnelle Beschleunigung und Bergauffahren

Kniebiken bedeutet Arbeit. Wer zum ersten Mal in seinem Leben eine Tour mit einem Kniebike macht, wird diese mit Sicherheit nicht so schnell vergessen.

Die Erinnerungen an die hohen Geschwindigkeiten und die schnellen Beschleunigungen sowie die bezwungenen Steigungen werden sich nicht nur im Gedächtnis sondern auch in der Muskulatur für die kommenden Tage tief eingegraben haben.

Das Kniebike ist wie das Liegebike allein für den Renneinsatz konzipiert und bringt daher ebenfalls Einschränkungen hinsichtlich der Alltagstauglichkeit aber auch potentielle Sicherheitsrisiken mit sich.

Ausgeprägte Oberkörper und Rumpfmuskalatur erforderlich

In einem Kniebike kniet der Fahrer in einer dem Liegebike ähnlichen Konstruktion, wobei der größte Teil des Gewichts aber auf einem Sitz abgestützt wird. Dadurch ist es möglich bei jeder Pedalumdrehung den Oberkörper mit einzusetzen. Auf diese Weise lassen sich höhere Leistungen erzeugen, die das Beschleunigen nach Kurven und das Bergauffahren erleichtern. Voraussetzung dafür ist eine gut funktionierende und ausgeprägte Oberkörper- und Rumpfmuskulatur aber insbesondere die Möglichkeit zum Einsatz der hüftbeugenden sowie der hüftstreckenden Muskulatur. Letztlich bedeutet dies auch, dass die Athletinnen und Athleten im Kniebike eine größere muskuläre Funktion benötigen als Menschen die ein Liegebike nutzen wollen.

Trennung der Wettkampfklassen von Liege- und Kniebike

Bei profilierten Strecken und vor allem bei Rennen die im Schlussspurt entschieden werden sind Kniebiker dank der besseren Kraftübertragung häufig im Vorteil. Aus Gründen eines fairen Wettkampfs wurde deshalb im Nachgang zu den Paralympics 2008 in Peking eine Änderung der Wettkampfklassen vorgenommen. Vorher wurden die Rennen bei denen Knie- und Liegebiker in einer gemeinsam Klasse starteten, wesentlich von den Kniebikern dominiert. Seitdem gehen in allen bedeutsamen Rennen der UCI (Union Cycliste Internationale) und EHF (European Handcycling Federation) Kniebiker in ihrer eigenen Klasse (H4) an den Start. Bei den prestigeträchtigen Marathon-Veranstaltungen wie beispielsweise der HCT (Handbike Citymarathon Trophy) starten Liege- und Kniebiker teilweise allersdings nach wie vor zusammen.

Liegebikes auf flachen Strecken im Vorteil

Letztlich führt die veränderte Position nicht zwangsläufig zu einer schnelleren Endzeit. Auf flachen Kursen, die mit einer hohen Durchschnittsgeschwindigkeit bewältigt werden können, spielt die Aerodynamik eine entscheidende Rolle. Hier sind die flacheren Liegebiker sicherlich im Vorteil. Bei Geschwindigkeiten von 45 km/h und mehr fällt es den Kniebikern erfahrungsgemäß schwer den Windschatten der Liegebiker zu halten. Bei gemeinsamen Rennen, geht es für die Liegebiker aus diesem Grund oftmals darum, die spurtstarken Kniebiker in den Hochgeschwindigkeitspassagen abzuschütteln. Somit entstehen zum Teil taktische Allianzen der Athletinnen und Athleten untereinander. Auch systematische Teamarbeit, mit Helfern und Kapitänen, wie man sie von Radrennen wie z.B. der Tour de France bekannt sind, haben inzwischen in dem sich immer weiterentwickelnden Handbikesport teilweise Einzug gehalten.

Dr. Thomas Abel

Benjamin Herrera

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