Zwanziger: Rafati "außer Lebensgefahr"

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Babak Rafatis Zustand soll stabil sein

Köln - Schiedsrichter Babak Rafati ist nach seinem Selbstmordversuch anscheinend in stabilem Zustand. Das teilte DFB-Präsident Theo Zwanziger auf einer Pressekonferenz mit.

Köln (SID) - Schock für den deutschen Fußball: Der renommierte Schiedsrichter Babak Rafati hat kurz vor seinem geplanten Einsatz beim Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 im Kölner Hyatt-Hotel einen Selbstmordversuch unternommen. Präsident Theo Zwanziger vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bezeichnete den Zustand des mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefundenen Bankkaufmanns Rafati wenige Stunden nach dem Drama als "stabil" und bestätigte die Diagnose "außer Lebensgefahr".

Gefasst, aber spürbar bewegt schilderte Zwanziger die dramatischen Geschehnisse in der Kölner Nobelherberge: "Nachdem Babak nicht beim Frühstück gewesen und danach nicht wie sonst pünktlich zur Besprechung der Spielleitung gekommen war, ließen seine Assistenten die Tür zu seinem Zimmer öffnen. Sie fanden Babak in der Badewanne, und es war da auch viel Blut. So viel kann ich sagen, weitere Einzelheiten möge man mir bitte ersparen", sagte der Verbandsboss. Zwanziger war vor dem Frauen-Länderspiel in Wiesbaden von Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel informiert worden und daraufhin nach Köln geeilt. "Man muss sagen, dass die drei Assistenten Babak das Leben gerettet haben", sagte er.

Zwanziger erläuterte weiter, dass der 41 Jahre alte Rafati womöglich in den nächsten Tagen die Intensivstation einer Kölner Klinik wieder verlassen können wird. "Klar ist aber auch, dass er dann weiter intensiver Behandlung bedarf", sagte der DFB-Präsident mit Blick auf die offenbar angeschlagene Psyche des Referees und forderte wie schon nach dem Selbstmord des früheren Nationaltorwarts Robert Enke vor zwei Jahren ein Umdenken im Leistungssport: "Man fragt sich, warum ein so junger Mensch nur noch die Ausweglosigkeit vor sich sieht. Ich kann es mir nur so erklären, dass unsere Schiedsrichter einem unheimlich großen Druck ausgesetzt sind und wir es nicht schaffen, das in die richtige Balance zu bringen."

Rafati hatte vor sechs Jahren beim Spiel des 1. FC Köln gegen den FSV Mainz 05 sein Bundesliga-Debüt gegeben. Die Neuauflage dieses Spiels sollte der iranischstämmige Hannoveraner am Samstagnachmittag leiten. Die Begegnung wurde angesichts der dramatischen Entwicklung abgesagt. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest - die Partie wurde aus dem Spielkalender für diese Woche gestrichen.

Rafati ist seit 1997 DFB-Schiedsrichter, 2000 leitete er sein erstes Zweitligaspiel, fünf Jahre später sein erstes von bislang 84 Bundesligaspielen. Seit 2008 war er FIFA-Schiedsrichter, wurde allerdings im September 2011 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht mehr für internationale Einsätze nominiert. Von den Bundesliga-Profis wurde er häufig kritisiert und im Fachmagazin kicker sogar mehrmals zum schlechtesten Referee der Bundesliga gewählt.

Rafati pfeift für den Bezirksligisten Niedersachsen Döhren, der mit Entsetzen auf die Botschaft reagierte. "Ich bin tief betroffen von dieser Nachricht", sagte der Erste Vereinsvorsitzende Herbert Ruppel dem SID: "Babak Rafati hat berufliche und private Angelegenheiten stets strikt getrennt. Ich kenne ihn nur als zugänglichen und sachlichen Menschen. Depressive Verhaltensverweisen sind mir von ihm nicht bekannt." Rafati war am Vorabend angereist und wie üblich von einem Schiedsrichterbetreuer in Empfang genommen worden und hatte die letzten Stunden des Tages laut Zwanziger "ganz normal" mit seinen Assistenten verbracht.

Nach Rafatis Selbstmordversuch waren zunächst Kölns Sportdirektor Volker Finke und der Mainzer Manager Christian Heidel vor die Presse getreten. Beide sprachen noch von einem "Unfall" und waren sich einig, dass die Begegnung zurecht abgesagt wurde. Zunächst sei noch versucht worden, ein Ersatz-Schiedsrichtergespann zu finden.

Auch in anderen Bundesliga-Stadien löste die Nachricht aus Köln Entsetzen aus. Alle Spiele wurden jedoch plangemäß um 15.30 Uhr angepfiffen. "Ich kenne ihn sehr gut, er ist Hannoveraner. Die Nachricht hat mich sehr geschockt", sagte Mirko Slomka, Trainer von Hannover 96, bei Sky. Schalke-Coach Huub Stevens erklärte: "Es ist kaum zu glauben, dass so etwas passiert. Dafür finde ich kaum Worte. Die Gesundheit ist immer das Allerwichtigste. Da ist Fußball nur Nebensache. Ich kann mir vorstellen, dass nach solch einer Nachricht niemand spielen will."

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