DFB wusste seit April 2011 von Kempters Vorstrafe

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DFB-Präsident Theo Zwanziger

Koblenz - Laut DFB-Präsident Theo Zwanziger wusste der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erst seit April von der Vorbestrafung von Ex-FIFA-Schiedsrichter Michael Kempter wegen Steuerhinterziehung.

Koblenz (SID) - Laut DFB-Präsident Theo Zwanziger wusste der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erst seit diesem Frühjahr von der Vorbestrafung von Ex-FIFA-Schiedsrichter Michael Kempter wegen Steuerhinterziehung. "Von dem Vorgang der Steuerhinterziehung wissen wir beim DFB seit April dieses Jahres. Zu einem Zeitpunkt also, an dem gar keine Entscheidung darüber anstand, ob Herr Kempter, der im April 2010 sein bislang letztes Spiel gepfiffen hat, zu einem möglichen späteren Zeitpunkt noch mal zum Einsatz kommt", sagte Zwanziger im Interview mit der Rhein-Zeitung, "im Moment ist dieser Vorgang für uns irrelevant. Er wird aber sicher bei der abschließenden Persönlichkeitsbeurteilung von Kempter eine Rolle spielen."

Kempter gehört auch jetzt zu den Verdächtigen unter den 20 Unparteiischen, gegen die Ermittlungen wegen möglicher Steuerhinterziehung laufen. Im Jahr 2009 war der Referee wegen Steuerhinterziehung in mehreren Fällen zu einer Geldstrafe in Höhe von 23.750 Euro verurteilt worden. Am vergangenen Montag hatte es eine Razzia der Steuerfahndung in den Räumlichkeiten des DFB in Frankfurt/Main gegeben. Hintergrund der Maßnahme war nach Angaben der Steuerbeamten "der Verdacht, dass in der Vergangenheit Schiedsrichter ihre Einnahmen möglicherweise nicht ordnungsgemäß versteuert haben". Gegen den Verband gibt es keinerlei Vorwürfe.

Der DFB-Chef machte nochmals klar, dass eine Schutzsperre für die betreffenden Referees im schwebenden Verfahren kein probates Mittel sei: "Nein, weil es zunächst einmal private Vorgänge sind. Zudem sind Verdacht und Beweis noch lange nicht das Gleiche. Ich gehe davon aus, dass bei den allermeisten Fällen eher wenig oder überhaupt nichts herauskommen wird."

Ihn belaste dieser Vorgang weniger. Zwanziger: "Wir warten ab, bis uns die Finanzämter ihre Entscheidungen übermitteln - wenn wir die bekommen. Es gibt ja so etwas wie ein Steuergeheimnis. Ich gehe aber davon aus, dass die Schiedsrichter selbst ein Interesse daran haben, uns über diese Angelegenheit zu informieren."

Der DFB-Präsident schließt indes nicht aus, dass in der Sex-Affäre Manfred Amerell/Michael Kempter möglicherweise noch weitere unliebsame Dinge durch Amerell an die Öffentlichkeit dringen: "Nach allem, was bislang geschehen ist, kann ich das beim besten Willen nicht ausschließen."

Die offensichtlichen Rachegelüste von Amerell, der beim DFB seine Ämter aufgegeben hatte, "regen mich auch gar nicht auf", so Zwanziger. Die habe er erwartet, "und als Mensch tut er mir nur noch leid. Deswegen hat der DFB ja auch schon vor einigen Monaten ein Mediationsverfahren eingeleitet. Wir haben in Professor Wolfgang Huber einen Theologen eingeschaltet, weil wir die menschliche Verquickung in dieser Causa sehen".

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