Wiggins fordert Evans - Klöden will angreifen

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Bradley Wiggins (r.) fordert Cadel Evans heraus

Lüttich - Alberto Contador gesperrt, Andy Schleck verletzt: Nach dem Aus für zwei Topstars deutet bei der 99. Tour vieles auf ein Duell zwischen Cadel Evans und Bradley Wiggins hin.

Lüttich (Belgien) (SID) - (SID) - Alberto Contador gesperrt, Andy Schleck verletzt: Nach dem Aus für zwei Topstars deutet bei der 99. Tour de France vieles auf ein Duell zwischen Titelverteidiger Cadel Evans (Australien) und dem britischen Herausforderer Bradley Wiggins hin. Für Spezialist Wiggins könnten die über 100 Zeitfahr-Kilometer von Vorteil sein. In den Kampf um das Gelbe Trikot könnte auch der deutsche Routinier Andreas Klöden eingreifen. - Die Favoriten auf den Tour-Sieg im Überblick:

Cadel Evans (Australien/BMC): Hat keine absolut herausragende Fähigkeit, bietet aber ein ausgeglichenes Gesamtpaket auf hohem Niveau. Kein Kletterspezialist, aufgrund seiner Zähigkeit in den Bergen nur schwer abzuhängen. Starker Zeitfahrer, aber nicht auf dem Niveau eines Bradley Wiggins. Mit 35 Jahren im Herbst seiner Karriere.

Bradley Wiggins (Großbritannien/Sky): 2011 schon stark, 2012 acht Kilogramm leichter und noch besser. Der Bahn-Olympiasieger von 2004 bis 2008 ist ein absoluter Weltklasse-Zeitfahrer, nahm jüngst bei der Dauphiné selbst Weltmeister Tony Martin im Kampf gegen die Uhr mehr als eine halbe Minute ab und gewann die Tour-Generalprobe. Mit 1,89 m Körpergröße kein idealer Kletterer, dennoch auch im Hochgebirge absolut konkurrenzfähig. Kann als erster Brite die Tour gewinnen.

Robert Gesink (Niederlande/Rabobank): 2010 bereits Fünfter, im Vorjahr in Folge von Verletzungen nur auf Platz 31. Hat sein Rad häufig nicht im Griff, neigt deshalb zu Stürzen, die ein besseres Abschneiden zunichte machen. Gesink gehört zu den besten Kletteren, im Zeitfahren hat er sich deutlich gesteigert.

Jürgen Van den Broeck (Belgien/Lotto): Der Kapitän des Teams um Sprinter André Greipel war der Pechvogel der Tour-2011, brach sich bei einem Sturz auf der neunten Etappe das Schulterblatt und schied aus. Überraschte 2010 mit Platz vier. Toller Kletterer, mittelmäßiger Zeitfahrer, auch wenn er 2001 Junioren-Weltmeister war. Hat in Landsmann Jelle Vanendert einen bärenstarken Helfer.

Andreas Klöden (Mittweida/RadioShack): Derzeit einziger deutscher Rundfahrer von Spitzenformat. Für den 37-Jährigen könnte es die letzte Chance sein, noch einmal vorne mitzumischen - 2004 und 2006 war er bereits Zweiter. Eleganter Rennfahrer, der sowohl als Kletterer als auch im Zeitfahren zur Spitze gehört. 2011 in glänzender Tour-Form, aber mit Sturzpech. Nach dem Aus von Andy Schleck Favorit auf die Kapitänsrolle bei RadioShack. Fraglich ist aber, wie sein Team angesichts der jüngsten Querelen funktioniert.

Denis Mentschow (Russland/Katjuscha): Kompletter Rundfahrer, der mit 34 aber langsam in die Jahre kommt. Vuelta-Sieger 2005 und 2007, Giro-Sieger 2009, Tour-Dritter 2008 und 2010. Zu unbeständig im Hochgebirge, als starkem Zeitfahrer kommt ihm aber das Streckenprofil 2012 entgegen. Mentschow hat dieses Jahr alles auf die Tour ausgerichtet.

Vincenzo Nibali (Italien/Liquigas): Der große Hoffnungsträger der Italiener. Der Vuelta-Sieger von 2010 und Tour-Siebte von 2009 gewann im Frühjahr die Fernfahrt Tirreno-Adriatico, verzichtete danach auf den Giro, um in Frankreich angreifen zu können. Ausgeglichen, aber kein Topfahrer, muss bei Liquigas mit Ivan Basso um die Kapitänsrolle kämpfen. Nibalis verlässt das Team zum Saisonende, kann bei der Tour Werbung für einen hochdotierten Vertrag machen.

Ryder Hesjedal (Kanada/Garmin): Hesjedal deutete 2010 mit Tour-Platz sechs sein Potenzial an, schaffte aber erst in der laufenden Saison mit 31 Jahren den großen Durchbruch und gewann als erster Kanadier den Giro. Im Zeitfahren besser als am Berg, sein Team ist nicht so stark wie BMC oder Sky. Fraglich ist zudem, ob Hesjedal die Belastung des Giro weggesteckt hat.

SID cl ma

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