Triathlon

Schwimmen: „Hass-Disziplin“ für die meisten Triathleten

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Monika ist leidenschaftliche Schwimmerin - und damit eine Minderheit unter den Triathleten

Doch bei Monika ist das anders, sie ist Schwimmerin und damit in der Minderheit - zumal ihre "schwache" Disziplin das Rad ist. Woher das kommt und wie sie einen Triathlon und andere Triathleten erlebt, erzählt sie hier.

Doch bei mir ist das anders, ich bin Schwimmerin und damit in der Minderheit. Die meisten meiner Triathlon-Kollegen „hassen“ das Schwimmen und können nicht verstehen, dass ich gerne und mit Leidenschaft schwimme. Manchmal schwimme ich ja sogar 200 m Delfin in Wettkämpfen. Meine ungeliebte Triathlon-Disziplin ist das Radfahren und da lächeln die meisten wiederum nur milde.

Wenn ich vor dem Start oder in Trainingssituationen davon erzähle, dass ich „Schwimmerin“ bin und mir das Schwimmen nichts ausmacht, schauen viele ganz ehrfurchtsvoll. Da ich als Jugendliche Schwimmen als Leistungssport betrieben habe und seit 2009 wieder mit dem Schwimmen bei den „Masters“ (ab AK 25) begonnen habe, habe ich eine gute Wasserlage und eine gute Technik. An beidem wird im Techniktraining und auf Lehrgängen trotzdem weiter gefeilt, schließlich lernt man nie aus.

Für die meisten Triathleten ist Schwimmen die „Hass-Disziplin“ und sie sind froh, wenn es vorbei ist und sie endlich aufs Rad dürfen. Schwimmen fordert komplexe Bewegungsabläufe. Bei vielen Triathleten stehen zwar hohe Trainingsumfänge auf dem Programm, aber an der Technik wird wenig gearbeitet. Deshalb haben viele Triathleten noch hohes Verbesserungspotenzial beim Schwimmen. Leider fehlt oft die Freude daran, die sich oft erst spät einstellt, wenn man einigermaßen zügig im Wasser vorankommt. Das erfordert Fleiß und Ausdauer.

Die Startsituation (Massenstart) und das Haifisch-Gewusel auf den ersten Metern ist auch mir nicht ganz geheuer, ich versuche immer ganz schnell aus dem Gewühl raus zu schwimmen und Dank meiner Sprintfähigkeit klappt das meistens recht gut. Ich positioniere mich auch wenn möglich an der Seite, um gar nicht in das Rudel reinzukommen. Da halte ich es ähnlich wie beim Liftanstehen beim Skifahren oder Snowboarden: aktives Anstehen!

Ich bin immer froh, wenn ich bei einem Triathlon-Wettkampf aus dem Wasser bin und es heil überstanden habe. Als “Beckenschwimmer“ bin ich es gewöhnt, bei Schwimmwettkämpfen alleine auf der Bahn zu sein. Die Umstellung auf Freiwasserschwimmen klappt bei mir gut, das habe ich mehrfach ausprobiert. Ich habe ein kleines Handicap, was mich vor dem ersten Seeschwimmen immer beschäftigt. Mein Vater ist 1995 bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Schwimmen, im Meer ertrunken. Es kostet mich nach längeren Schwimmbadphasen immer wieder Überwindung, im See oder Meer zu schwimmen.

Ich weiß, dass dann für mich nach dem Schwimmen erst einmal eine harte Zeit auf mich zukommt. Ich bin oft unter den ersten aus dem Wasser und freue mich, wenn ich gut geschwommen bin. Diese Motivation brauche ich dann, um gut Radfahren zu können. Ich investiere nur ein Minimum an Trainingszeit ins Radfahren und versuche mit intelligentem Training möglichst viel rauszuholen. Der Wechsel vom Schwimmen auf das Rad fällt mir leicht, nur wenn meine Beine kalt sind fällt es mir schwer, warm zu werden.

Oft überholen mich die ersten schon kurz nach der Wechselzone und dann werde ich nach und nach von allen überholt. Je nach Profil der Strecke überhole ich hingegen nur wenige Radfahrer. Radfahren macht einen großen Teil des Wettkampfs aus und es ist besser, wenn man gut und schnell Radfahren kann! Aber meine schwächste Disziplin ist das Rad und damit muss ich mental zurechtkommen. Ich freue mich immer sehr, wenn ich in einer für mich guten Zeit die Radstrecke überstanden habe, aber von Spaß ist da bei mir keine Rede.

Ich beneide alle, die mit Leidenschaft gut und gerne Rad fahren und das Radfahren als starke Disziplin haben. Da ich auch nicht so viel Fahrpraxis habe wie die meisten, bin ich ein eher ängstlicher Fahrer und verliere in Kurven oder steilen Abfahrten. Von den Anstiegen ganz zu schweigen.

Auf den letzten Kilometern freue ich mich dann schon auf das Laufen, da kann ich dann oft noch einige Plätze gutmachen.

Glücklicherweise fällt mir der Wechsel vom Rad aufs Laufen leicht. Meine Beinmuskulatur macht den Wechsel der Disziplinen gut mit und ich freue mich, wenn es sich gut läuft. In der Regel überhole ich dann noch einige Athleten, das gibt mir mental wieder ein bisschen Aufwind. Im Zielsprint, wenn ich ihn noch schaffe, habe ich beim letzten Triathlon sogar noch 2 Frauen überholen können. Auf den letzten Metern beginne ich mich auf den Kuchen zu freuen, den es dann im Ziel als Belohnung gibt.

Beim Frankfurt City Triathlon bin ich in meiner AK mit der schnellsten Schwimmzeit angekommen, ich war 7 Minuten schneller als die Erstplatzierte, dann hat sie mir fast 12 Minuten auf dem Rad abgenommen und sie ist am Ende 6 Minuten schneller gelaufen. Am Ende war ich 5. in der AK (von 18) und 11 Minuten langsamer als die erste Frau. Von insgesamt 197 Frauen hatte ich die zwölftbeste Schwimmzeit, bin dann auf Rang 139 zurückgefallen und bis Rang 102 wieder nach vorne. Am Ende war ich auf Rang 77. (Meine erste Olympische Distanz: Der Frankfurt City Triathlon)

Beim Churfranken-Triathlon (Sprintdistanz) war es ähnlich. Von insgesamt 197 Finishern (männlich und weiblich) hatte ich die siebtbeste Schwimmzeit und war damit sogar schneller als der Gesamtsieger. Nach dem Schwimmen war ich also auf Rang 7, aber nach dem Rad auf Rang 158 und der erstplatzierte Mann war nach dem Radfahren dann auf Rang 1! Ich habe beim Laufen noch einmal 20 Plätze gut gemacht und war am Ende auf Rang 138 in der Gesamtwertung.

Die schnellste Frau (gesamt) war beim Schwimmen auf Rang 9, nach dem Rad auf Rang 16 und nach dem Lauf auf Rang 22. In meiner Altersklasse bin ich am Ende 2. geworden, darüber habe ich mich sehr gefreut. Aber auch hier, die Siegerin in meiner AK war langsamer beim Schwimmen, nicht ganz so stark auf dem Rad, aber eine sehr gute Läuferin.

Mein Fazit ist, dass ich als gute Schwimmerin, nicht so gute Radfahrerin und recht gute Läuferin beim Triathlon vielleicht nicht die besten Karten habe. Aber mit Motivation, mentaler Stärke und einem guten Lauf am Ende passt das Ergebnis schließlich doch. Gute Radfahrer und gute Läufer sind meist im Vorteil vor schnellen Schwimmern. Wenn man als Läufer auch noch einen Zielsprint hinlegen kann, hat man die besten Karten.

 

Monika Sturm-Constantin

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