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Becker-Djokovic: Auf dem Weg zur Nummer 1?

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Spielt Djokovic künftig mehr Serve-and-Volley?

Kurz vor Weihnachten war die Sensation perfekt: Boris Becker wird neuer Cheftrainer von Novak Djokovic. Die Pressestimmen waren mehr als nur kritisch: Was will ein Djokovic mit einem Becker? Viele hielten es für einen PR-Gag. Die Antwort ist jedoch ganz einfach: Rafael Nadal vom Tennisthron stürzen!

Nicht nur für die Tenniswelt kam diese Personalie überraschend sondern auch für jeden anderen, wo man sich zuletzt noch im TV ansehen konnte, wie Boris Becker sich mit Oliver Pocher teilweise blamierte.

Boris Becker kehrt in sein neues, altes Leben zurück und betreut Novak Djokovivc bei den Grand Slam Turnieren und den Masters-Turnieren auf der ATP-Tour. Nach vielen kritischen Stimmen bezüglich der Zusammenarbeit, muss man genauer hingucken, warum Novak Djokovic Boris Becker als Cheftrainer verpflichtet hat. Besonders, wo Becker so gut wie keine Trainererfahrung hat. Lediglich das deutsche Davis-Cup-Team betreute er von 1997 bis 1999. Becker wird sich definitiv nicht auf den Platz stellen und Bälle mit Djokovic schlagen. Auch an das Technik-Training wird Becker sich sicherlich nicht ran wagen.

Becker wird Djokovic mental noch stärker machen

Im Vordergrund der Zusammenarbeit wird der mentale Aspekt liegen. Djokovic ist sicherlich schon einer der mental stärksten Spieler auf der Tour, Becker wird ihn aber noch stärker machen. Becker hat als Profi viele Matches verloren, aber nie seine Nerven. Unvergessen die Davis-Cup-Schlacht gegen McEnroe in Hartford, wo Becker nach einem 0:2 Satzrückstand nach 6:21 Stunden Spielzeit in fünf Sätzen gewann. Ein Match das von Psychospielchen nur so gezeichnet war. Das ganze Publikum war gegen Becker, doch ihn interessierte es nicht. Becker war ein Spieler, der sich auf den Punkt konzentrieren konnte und alles um sich herum ausblenden konnte. Und genau hier wird die Zusammenarbeit zwischen Becker und Djokovic ansetzen.

Fokus für Djokovic liegt sicher auf Wimbledon – mehr Serve and Volley?

Sicherlich wird der Fokus von Djokovic auch auf Wimbledon liegen, dem Grand-Slam Turnier mit dem meisten Prestige. Auch hier kann Djokovic von der enormen Erfahrung Beckers profitieren. Becker war mit einer der stärksten Spieler auf Rasen und hat besonders das fast ausgestorbene Serve and Volley-Spiel wie kaum ein anderer zelebriert. Auch hier wird er sicher versuchen, das Spiel von Djokovic strategisch umzuändern, bzw. variabler zu machen. Das Serve and Volley-Spiel ist auf der Tour fast ausgestorben, egal auf welchem Bodenbelag gespielt wird. Auch auf Rasen dominieren harte und lange Grundlinienduelle. Becker wird das Spiel von Djokovic hier phasenweise umstellen, um so den Rhythmus des Gegners zu unterbrechen und diesen zwingen die eigene Matchstrategie über Board zu werfen. Zumindest auf Rasen wird Becker die taktischen Belange seines Schützlings umstellen.

Australian Open ein erstes Zeichen?

Die Australian Open waren für Djokovic sicherlich nicht zufriedenstellend. Auch hier wurde in der Presse die Zusammenarbeit in Frage gestellt. Die Niederlage gegen Stan Wawrinka war jedoch kein Zeichen, in das in irgendeiner Art und Weise hinein interpretiert werden kann. Djokovic hat gegen den Sieger der Australien Open verloren und das nicht einmal, weil er schlecht gespielt hat. Wawrinka hat ein unglaubliches Turnier gespielt und sich denkbar knapp gegen Djokoviv durchgesetzt. Ein Jahr zuvor war Wawrinka beim gleichen Turnier schon drauf und dran Djokovic zu schlagen. Die Niederlage war keinesfalls auf Defizite von Djokovic zurückzuführen. Er hat schlicht und einfach ein enorm knappes Match im fünften Satz verloren, gegen einen Gegner, der sich in einen absoluten Rausch gespielt hat. Auch unter Becker wird Djokovic nicht jedes Match gewinnen können und auch nicht ewig lange Siegesserien aufstellen können. Dafür ist die Leistungsdichte der Top-Ten-Spieler in den letzten 2 Jahren einfach zu eng zusammengerückt. 

Man kann also gespannt sein, wie der Rest des Jahres für den Djoker läuft. Auf Grund der Verletzungsserie von Rafael Nadal im letzten Jahr wird es bei vielen Turnieren der ersten Jahreshälfte schwer, für Djokovic Punkte in der Weltrangliste zu sammeln. Die Zusammenarbeit ist also nicht gescheitert, wenn am Ende des Jahres nicht Rang 1 in der Weltrangliste rausspringt. Djokovic wird sich Saisonziele gesetzt haben, die keiner kennt. Wenn er persönliche diese Ziele erreichen wird, dann wird die Zusammenarbeit Mit Becker für ihn auch ein voller Erfolg sein. Für mich persönlich wäre es keine Überraschung, wenn Djokovic als dominierender Spieler das Wimbledon-Turnier für sich entscheidet und am Ende des Jahres vielleicht doch in der Rangliste an Nadal vorbeiziehen wird.

Markus Czerner

 

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