Tennis Training

Champions-Tiebreak – Lotterie oder gezieltes Training?

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Fällt der Champions Tiebreak im Tennis noch unter Fairplay oder gleicht die Regeländerung einer Lotterie?

Seit der Einführung des Champions-Tiebreak anstelle des ausgespielten dritten Satzes hat sich das Tennis verändert. Die Einen stehen dieser Veränderung positiv gegenüber, Andere kritisieren sie. Was hat sich wirklich verändert?

Seit der Einführung des Champions-Tiebreak anstatt des ausgespielten dritten Satzes hat sich das Tennis verändert. Viele Spieler bezeichnen diese Maßnahme als Wettbewerbsverzerrung und bringen den Champions-Tiebreak mit einer Lotterie in Verbindung. Andere Spieler wiederum sind froh, dass sie die körperlichen Strapazen eines dritten Satzes nicht mehr auf sich nehmen müssen. Entscheidet wirklich der Spieler mit etwas mehr Glück einen Champions-Tiebreak für sich oder steckt mehr dahinter?

Sicherlich hat die Entscheidung des DTB, den dritten Satz in Form eines Champions-Tiebreaks ausspielen zu lassen, viele Spieler im offenen Damen- und Herrentennis getroffen. Spielerinnen und Spieler, welche von der eigenen Fitness profitieren und diese in einem dritten Satz ausgespielt haben, fühlen sich benachteiligt. Jetzt heißt es im Prinzip nur noch „den ersten Satz gewinnen, im 2. Satz ausruhen und dann den Champions-Tiebreak erfolgreich über die Bühne bringen“ – 10 Punkte kann man schließlich gegen jeden machen.

Sicherlich ist es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass der Champions-Tiebreak auch etwas mit dem berühmten Kännchen Glück zu tun hat. Aber dies ist in jeder Situation gegeben, so dass es definitiv falsch ist, den Champions-Tiebreak mit einer Lotterie zu vergleichen. In der Regel setzen sich die Spieler durch, die mental die besseren Spieler sind. Viele Spieler fangen generell im Tiebreak an zu zittern, weil das Spiel relativ schnell zu Ende sein kann. 3 oder 4 Fehler oder schlecht gespielte Bälle in Folge und man liegt aussichtslos hinten. Der Champions-Tiebreak geht jedoch bis 10 und auch bei einem Rückstand von 5:0 ist noch nichts verloren.

 

Strategie für den Champions-Tiebreak

Der Champions-Tiebreak hat das Tennis im Allgemeinen verändert. Natürlich wird im entscheidenden Tiebreak nicht mehr so agiert, wie in einem ausgespielten dritten Satz. Der Champions-Tiebreak ist generell geprägt von Sicherheit – und mit dieser Sicherheit sollte auch strategisch gespielt werden. Das heißt nicht, dass nur der Ball reingespielt werden soll, jedoch ist jeder Fehler schmerzlich – zumindest schmerzlicher als in einem dritten Satz. 8 verlorene Punkt in Folge würden einen 2:0 Rückstand heißen, beim Champions-Tiebreak wäre es ein 8:0 Rückstand und somit eine fast sichere Niederlage.

Fokussieren Sie sich darauf, im entscheidenden Tiebreak sicher zu servieren und den Return zumindest irgendwie ins Feld zu spielen. Legen Sie sich für den Champions-Tiebreak eine Spielstrategie zurecht. Viele Spieler, besonders in den unteren Spielklassen, haben Gedanken wie „bloß keinen Fehler machen“ oder „jetzt geht die Lotterie los“. Diese Gedanken sollten in Ihrem Kopf nichts verloren haben – wenn Sie gewinnen wollen.

Akzeptieren Sie zunächst generell die Tatsache, dass es keinen 3. Satz mehr gibt, egal ob Sie ein läuferisches und konditionelles Wunder sind oder nicht. Als nächstes fokussieren Sie sich auf die ersten Punkte. Zeigen Sie Ihrem Gegner Präsenz und den Willen, dass Sie gewinnen wollen. 2-3 schnelle Punkte am Anfang und der Gegner hadert vielleicht mit sich selbst und Sie können entscheidend davon ziehen. Konzentrieren Sie sich des Weiteren im Champions-Tiebreak auf die Schwächen des Gegners und versuchen Sie, ihn dennoch einfach mal zu überraschen. Sie haben von der Vorteilseite in den ersten beiden Sätzen vorzugsweise nach außen über die Rückhand serviert? Dann ändern Sie das im Champions-Tiebreak und servieren Sie durch die Mitte – Ihr Gegner wird sicher sehr überrascht sein.

 

Mentalen Druck im Training simulieren

Generell empfiehlt es sich, im Training Wettkampfbedingungen zu simulieren, in diesem Falle also Champions-Tiebreaks zu spielen. Zu 100 % lassen sich diese Bedingungen aber eben nicht simulieren, weil jeder Spieler im Training anders spielt als im Match.

Versuchen Sie sich dennoch, im Training für den jeweiligen Tiebreak Ziele zu stecken, die nicht „Ich will gewinnen“ lauten. Stecken Sie sich Ziele wie „keine unforced Errors“ oder „keine Doppelfehler“. Versuchen Sie sich immer mehr Ziele zu setzen und diese dann auch spielerisch umzusetzen.

Für den mentalen Druck empfiehlt es sich immer, um irgendetwas zu spielen. Sei es um die Cola oder das Abziehen des Platzes nach dem Training. Spielen Sie unter diesen Bedingungen entweder einen normalen Champions-Tiebreak oder aber nur bis 3. Bei der letzten Variante lässt sich der mentale Druck besser simulieren, weil jeder Punkt quasi ein Matchball ist. Setzen Sie sich auch hierbei Ziele, die Sie fokussiert umsetzen. Wichtig ist, sich auch bei einem 2:0 Rückstand nicht aufzugeben. Halten Sie sich vor Augen, dass es „nur“ 2 Punkte sind, die Sie jederzeit wieder wettmachen können – auch ein Champions-Tiebreak ist bei einem Stand von 7:9 noch lange nicht verloren.

Das Wichtigste, egal welche Punktevariante Sie wählen, ist, dass Sie sich konzentrieren und fokussieren. Sollten Sie den 1. Punkt zum Beispiel durch einen Doppelfehler abgeben, haken Sie diesen Punktverlust ab. Je mehr Gedanken Sie sich darüber machen, umso negativer wirkt sich dies auf Ihr Spiel aus. Denken Sie von Punkt zu Punkt und denken Sie über kurzzeitige Misserfolge nicht weiter nach.

 

Fazit

Durch die Einführung des Champions-Tiebreaks hat sich das Tennis zwar verändert, aber es handelt sich hierbei keinesfalls um Lotterie. Jeder Spieler hat mal Glück, aber nicht konstant über 10 Punkte hinweg. Am Ende gewinnt der bessere Spieler, nur ist die Frage: Worin war derjenige besser? Spielerisch oder mental?

In der Regel entscheiden die Spieler den Champions-Tiebreak für sich, die mental besser sind. Auch spielerisch überlegene Tennisspieler können an mentalem Druck zerbrechen und so den entscheidenden Tiebreak aus der Hand geben. Versuchen Sie daher, im Training den Champions-Tiebreak und den mentalen Druck zu simulieren, so dass Sie für den Ernstfall gewappnet sind und später nicht nach Ausreden (wie zum Beispiel Lotterie) suchen müssen.

 

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Markus Czerner

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