Tanztraining - Cheerleading

Ein Tag mit dem Telekom Baskets Danceteam (Teil 2)- Valeria Sladkova

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Valeria Sladkova berichtet vom Leben als Cheerleaderin

Valeria Sladkova ist schon seit vier Jahren Tänzerin beim Baskets Danceteam. Ihr Ehrgeiz machte Sportexperte Ramy Azrak bei seinem Besuch der Cheerleadingtruppe neugierig, und so unterhielt er sich näher mit ihr.

Lesen Sie auch Teil 1 des Artikels: Ein Tag mit dem Telekom Baskets Danceteam (Teil 1)

Die 21-jährige Valeria Sladkova ist trotz Erkältung beim Training und schaut sich die Schrittkombinationen ihrer Teamkolleginnen genau an. Mir fällt besonders ihr konzentrierter Blick auf. Sie hört ihrer Trainerin Nora genau zu und mich erstaunt, dass sie einzelne neue Schritte, eingepackt in Jeans, Pullover und einem dicken Schal, am Rande der Sporthalle für sich übt. Ihr Ehrgeiz macht mich neugierig.

 

Ramy im Gespräch mit Valeria

Valeria studiert Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften in Bonn. Genauso wie ihre Teamkolleginnen achtet sie auf ihre Ernährung. „Da wir meistens freizügige Klamotten tragen, können wir uns keine Plauze erlauben.“ Einen Ernährungsplan hat sie nicht. „Ich vermeide Fastfood und esse an einem Spieltag keine große Menge an Kohlenhydraten.“

Valeria ist im Jahr 2008 durch eine Freundin, die leider nicht mehr im Team ist, zum Cheerleading gekommen und bis heute immer noch mit vollem Elan dabei. Stress, wöchentlich neue Schritte erlernen zu müssen und sich zu motivieren hat Valeria nicht. „Es macht sehr viel Spaß, hart zu trainieren und sein Können auch vor Publikum zu präsentieren. Außerdem ist das kein gewöhnlicher Sport. Ich tanze seit meinem dritten Lebensjahr. Unsere Choreographien sind ein toller Mix aus Ballett, Jazz, HipHop, Showdance und Turnen.“

 

Der Auftrittstag

Auf einen Spieltag bereitet sich Valeria mental vor. „Da die Spiele meistens abends sind, erledige ich tagsüber ein paar Dinge oder lerne für die Uni. Am Nachmittag fange ich dann mit einer mentalen Vorbereitung an. Häufig gehe ich dann gedanklich die Schritte nochmal durch. Und bei einem neuen Tanz, bei dem ich noch unsicher bin, wiederhole ich die Schritte zuhause.“ Ein neuer Tanz wird in einer Trainingseinheit vorgestellt und bei der nächsten Trainingseinheit wiederholt und trainiert. Dann müssen die Tänzerinnen diesen Tanz beherrschen und beim nächsten Heimpspiel wird er dann aufgeführt.

Am Morgen eines Heimspiels packt Valeria Kostüme und Schminke in ihre Tasche und macht sich vor Ort fertig. Manche Mädels machen das anders, weil genügend Zeit vor dem Spiel ist. Zweieinhalb Stunden vor dem Spiel haben die Mädels dann eine Stellprobe. Da die Halle 90 Minuten vor Spielbeginn öffnet, müssen die letzten Details so früh vor dem Spiel nochmal wiederholt werden. Die Stellprobe dauert eine halbe bis 1 Stunde, bei der alle 10 möglichen Tänze, die bei maximaler Anzahl von Auszeiten vorkommen können, mehrmals durchgegangen werden. „Das Wichtigste ist, dass die Reihen stimmen. Wir haben eine bestimmte Aufstellung und jeder von uns hat eine bestimmte Position. Das kann man in unsere Trainingshalle nicht so gut sehen. Im Telekom Dome orientieren wir uns an bestimmten Linien. Die meisten Zuschauer schauen von oben auf uns und würden direkt erkennen, wenn die Reihen unsymmetrisch sind“, erklärt mir Valeria.

Eine Stunde vor Spielbeginn haben die Tänzerinnen dann nochmal die Möglichkeit, sich zu schminken oder nachzuschminken. Allgemein ist die Optik sehr wichtig. Neben den Kostümen sind die Tänzerinnen immer einheitlich geschminkt. „Die Augen werden stark betont, Rouge und magenta-farbener Lippenstift werden aufgetragen, die Haare werden entweder geglättet oder gelockt und immer offen getragen“, erklärt mir Valeria und ergänzt lachend: "In vielen Tänzen müssen wir Haare schmeißen, was sehr cool aussieht.“

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn geht es dann gemeinsam in einen Vorraum, wo sich jeder im Team circa 20 Minuten individuell warmmacht und dehnt. „Im Anschluss versammeln wir uns und rufen einen Teamschrei aus und stellen uns in einer Einlaufreihe auf.“

Nachdem die Basketball-Spieler mit dem Einwerfen fertig sind und in den Katakomben verschwinden, beginnt der erste Auftritt des Danceteams mit dem Intro in der verdunkelten Halle. „Wir stellen uns in die Position und warten bis die Vorstellung der Gegner beendet ist und dann beginnt unser erster Tanz, der mit einer spektakulären Hebung endet.“ Dieser wechselt maximal 1-mal pro Saison. Im Anschluss reihen wir uns in eine Einlaufgasse für die Spieler, die bei der Spielervorstellung an uns vorbeilaufen. Dann geht das Licht an und kurze Zeit später beginnt auch schon das Spiel. Die Tänzerinnen stehen dann in einem Mundloch, also in einer der vier Ecken hinter dem Spielfeld. Manchmal verteilen sich die Tänzerinnen auch auf ein zweites Mundloch. „Das hängt vom Tanz ab, der präsentiert wird. Wenn der Tanz auf unterschiedlichen Seiten anfängt, dann ist es praktischer, in 2 Mundlöchern verteilt zu stehen, damit wir schneller auf der Tanzfläche unsere Positionen einnehmen können“, erklärt mir Valeria. Während des Spiels stehen die Tänzerinnen hintereinander, symmetrisch geordnet und feuern ihr Team an und animieren die Zuschauer, Stimmung zu machen. Die Bewegungen im Spiel, bei einem Spielerwechsel und vor einem Freiwurf gibt die vorderste Tänzerin vor. Ich frage Valeria, woher sie wüßte, welcher Tanz als nächstes vorgeführt werden soll. Sie verrät mir, dass ein „Pfuschzettel“ im Mundloch ausliegt. „Wir gucken da immer drauf. Da steht dann zum Beispiel "1. Timeout Lied XY" oder "Halbzeit-Präsentation Fanshop".“ Welche Tänzerin welche Aufgabe hat, wird dabei vorher festgelegt.

 

Wie werde ich eigentlich Cheerleader?

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann sich jederzeit persönlich oder per E-Mail bei Nora Fischer vorstellen. In der Regel kommen die meisten Tänzerinnen durch das 1-mal im Jahr angesetzte öffentliche Casting zum Team. Dieses findet immer im Frühjahr statt, da die Saison im Oktober anfängt und die angenommenen Mädchen sich in den Sommerferien gezielt vorbereiten können. Grundsätzlich müssen Interessierte Tanzerfahrung mitbringen. Es ist immer gut, wenn die Mädchen vorher Ballett oder Hip Hop getanzt haben oder Videoclip-Erfahrungen haben. Außerdem sollten sie eine gewisse Gelenkigkeit mitbringen und natürlich ist es von Vorteil, wenn sie gewisse Specials wie Akrobatik vorweisen können. Genauso wie Valeria tanzen auch die anderen Cheerleader unentgeltlich aus Spaß an der Freud. „Die Tänzerinnen dürfen in der Baskets-Sportfabrik frei trainieren und erhalten bei größeren Auftritten eine kleine Aufwandsentschädigung“, verrät mir Valerias Trainerin Nora.

Alle Infos unter http://www.telekom-baskets-bonn.de/team/danceteam.html

 

Ramy Azrak

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