Koordinationstraining im Taekwondo mit Hyongs

Voraussetzung aller Bewegungen ist Koordination, ohne diese kann man keine sportliche Aktivität erlernen, kontrollieren oder korrigieren. Außerdem ist sie die Basis aller konditionellen und motorischen Grundeigenschaften des Menschen: Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und die Bewegung selbst.

Vahab Yektapour, Danträger im Taekwondo, zeigt eine Bewegung aus einer Hyong

Ist man mit einer guten koordinativen Fähigkeit ausgestattet, so ist es möglich, jeden Bewegungsablauf sicherer und exakter auszuführen. Eine gute Koordination sichert im Alltag situationsangemessenes Verhalten und bedingt so eine gute Lebensqualität. Durch eine gute Koordination werden komplizierte Fertigkeiten sicherer ausgeführt und neue Fähigkeiten schneller erlernt. Eine Umstellung auf ungewohnte Bedingungen fällt leichter, die Ermüdung setzt später ein und das Verletzungsrisiko wird vermindert. Auch überraschende Situationen können besser bewältigt werden, wie zum Beispiel Hindernisse im Straßenverkehr.

 

Komponenten der koordinativen Fähigkeiten

Dabei handelt es sich bei den koordinativen Fähigkeiten um spezielle Fähigkeitn, deren Niveau von der natürlichen Veranlagung und dem Trainingszustand des Einzelnen abhängen. Körperliche Anforderungen können in den verschiedenen Sportarten unterschiedlich dargestellt werden. Diese speziellen Fähigkeiten sind:

 

Orientierungsfähigkeit

Die Bestimmung und Veränderung der Lage und des Körpers in Raum und Zeit bezogen auf ein bestimmtes Aktionsfeld, d. h. die Fähigkeit zur räumlich-zeitlich orientierten Bewegungsregulation.

Reaktionsfähigkeit

Auf einen bestimmten Reiz wird schnell eine Bewegungshandlung vorgenommen.

Kienästhetische Differenzierungsfähigkeit

Diese bewegungswahrnehmende Fähigkeit ermöglicht es uns, die Lage und Bewegungsrichtung von Körperteilen zueinander und im Bezug zur Umwelt zu kontrollieren und zu steuern.

Kopplungsfähigkeit

Einzelne Bewegungen oder einzelne Bewegungsphasen werden untereinander und ausgerichtet auf ein Handlungsziel aufeinander abgestimmt.

Rhythmusfähigkeit

Diese wird besonders bei Bewegungen zu Musik gefordert, aber auch bei allen Bewegungsabläufen, um diese in ein flüssiges Ganzes umzusetzen.

Gleichgewichtsfähigkeit

Bei wechselnden Umweltbedingungen sorgt das Gleichgewicht für zweckmäßige Lösungen motorischer Aufgaben.

Antizipationsfähigkeit

Diese ermöglicht den Vorgriff auf die Zukunft, bzw. eine Vorausnahme des zukünftig Erforderlichen.

Umstellungsfähigkeit Diese mein, die eigenen Handlungen bei Situationsänderungen entsprechend anpassen zu können.
 

Was sind Hyongs?

Hyong ist das koreanische Wort für „Form“. Diese Formen sind ein wichtiger Bestandteil einer Taekwondo-Trainingsstunde. Es gibt im traditionellen Taekwondo 24 Hyongs, die für die 24 Stunden eines Tages stehen. Das Durchlaufen solcher Formen ist ein mögliche Trainingsmethode, mit der man die koordinativen Fähigkeiten verbessern kann.

Die Hyongs stellen einen festgelegter Kampf gegen einen imaginären Gegner dar. Die festgelegten Bewegungsabläufe sollen kraftvoll ausgeführt werden, damit die „Theorie der Kraft“ zum Ausdruck kommt. Hyongs kann man auch als ein Lexikon der Techniken betrachten. Eine Hyong soll die richtige Überlieferung von Taekwondo-Techniken, Taekwondo-Bewegungsprinzipien und wirksamen Zielpunkten gewährleisten. Sie dienen der Schulung des Gleichgewichts, der Atemtechnik, des Koordinationsvermögens sowie der Verbindung von Raum und Zeit.

 

Trainingsmethoden zum Üben von Hyongs

Im 1. Schritt geht es darum, entweder die Hyongs Bewegung für Bewegung aufzubauen, oder sie in Sequenzen zu zerlegen. Wird der Ablauf einer Hyong gut beherrscht, heißt es dann sie zu perfektionieren. Hier ein paar Tipps und Tricks dazu:

- eine Hyong sollte nicht immer am selben Ort und zur selben Zeit geübt werden, weil man sonst seine Orientierungsfähigkeit nicht optimal verbessern kann. Besonders schwierig ist es, wenn man in der Ausgangsposition schräg zu den Wänden steht. Mögliche Trainingsorte sind z. B. im Wald, auf Sand, im Wasser, auf Weichbodenmatten, auf einem Berg usw. …

- einzelne und bestimmte Sequenzen sollen hinsichtlich Kraft, Rhythmus, Deutlichkeit der Bewegung und Atemtechnik mehrmals hintereinander geübt werden, somit kann man eine oder mehrere Bewegungen verbessern und stabilisieren.

- mit verbundenen Augen kann man auch einen Form laufen, dazu sollte aber ein Trainingspartner assistieren, damit das Verletzungsrisiko geringer ist. Es wird ein Punkt markiert, an dem man beginnt und versucht am Ende der Form wieder an dem markierten Punkt anzukommen.

- der Partner stellt eine Frage und der Trainierende versucht, während er die Hyong läuft, die Frage zu beantworten. So kann man seine Differenzierungsfähigkeit schulen.

- Mit Grimassen und Späßen kann man versuchen, den Hyongläufer abzulenken. Der Hyongläufer darf seine Konzentration nicht verlieren, dadurch kann er seine Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit trainieren.

- auch Zeitlupentraining ist eine Trainingsmethode, mit der man die Techniken besser kontrollieren und korrigieren kann.

 

Fazit

Ein Taekwondo-Schüler sollte seine koordinativen Fähigkeiten immer weiter trainieren und verbessern (Was ist Koordinationstraining?). Die Entwicklung des koordinativen Systems eines Menschen wird besser, je größeren Anforderungen es ausgesetzt ist. Es ist zu empfehlen, mit dem Training bereits im jungen Alter zu beginnen. Auch danach ist es nicht unmöglich, ein hohes Niveau zu erreichen, es ist aber deutlich anstrengender und langwieriger. 

 

Vahab Yektapour

Rubriklistenbild: © Vahab Yektapour/trainingsworld

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