Studie

Steigerung der Aufschlagskraft beim Tennis

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Ein starker Aufschlag ist für Tennisspieler Gold wert

Ein guter Aufschlag ist im Tennis das A und O. Verschiedene Sportwissenschaftler versuchen seit Jahren die physischen Faktoren zu bestimmen, die Djokovic & Co so ungewöhnlich kraftvolle Aufschläge ermöglichen. Unter den Experten wird dabei viel über die Notwendigkeit einer optimalen Kombination von Kraft und Flexibilität in Hand- und Schultergelenk diskutiert. Ein allgemeingültiges Erfolgsrezept gibt es jedoch bis heute nicht.

Jetzt konnten neuere Forschungen an der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore, Maryland, Faktoren ausmachen, die für einen kräftigen Aufschlag von entscheidender Bedeutung sind. An der Johns Hopkins University wurden 40 turniererfahrene Tennisspieler getestet, die alle im National Tennis Rating Programm eine Qualifikationsnote von 5.0 oder besser aufwiesen. Die Spieler waren im Durchschnitt 33 Jahre alt (von 17–50), ungefähr 1,79 m groß (von 1,57–183 m) und hatten einen durchschnittlichen Körperfettanteil von 17 % (von 5–35 %). 36 der Spieler waren Rechtshänder, 4 von ihnen Linkshänder.

Die Sportler wurden auf Kraft sowie Flexibilität getestet und machten dann die Aufschläge auf einem Hallenplatz. Jeder Spieler wärmte sich mit 10–25 Übungsaufschlägen auf und hatte anschließend 6 Aufschlagversuche bei maximalem Kraftaufwand. Die Messungen der Ballgeschwindigkeit bei den Aufschlägen, die das Netz überquerten und im Aufschlagfeld landeten, wurden mit einer Radarpistole vorgenommen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass mehrere Faktoren für einen kräftigen Aufschlag von Bedeutung waren. So hatte das Alter einen reziproken Effekt auf die Ballgeschwindigkeit, was jedoch nicht weiter überraschte. Je älter der Sportler, desto schwächer sein Aufschlag. Die Flexibilität des Handgelenks war ebenfalls entscheidend. Es galt: je flexibler das Handgelenk, desto höher die Ballgeschwindigkeit. Flexible Handgelenke scheinen dem Tennisschläger unmittelbar vor dem Ballkontakt mehr „Schmiss“ zu geben und somit die Schnelligkeit zu erhöhen.

Auch die Schulterflexibilität war für einen schnellen Aufschlag wichtig. Spieler mit einer guten Schulterflexibilität bei hoch erhobenem Arm – oder bei nach innen gedrehtem Arm – hatten erheblich kräftigere Aufschläge als Spieler mit unflexiblen Schultern.

Natürlich waren auch die Kraftmessungen von großer Wichtigkeit. Interessanterweise erwies sich das „Ellenbogendehnungsdrehmoment“, d.h. die Fähigkeit der Oberarmmuskeln im Aufschlagarm Kraft einzusetzen, als bester Indikator für die Aufschlagschnelligkeit. Ebenfalls äußerst bedeutsam waren die Stärke der inneren Schulterdrehung (die eingesetzte Kraft, wenn der Arm nach innen zum Körper hingedreht ist) und – ganz besonders – das Verhältnis zwischen innerer Schulterdrehung und äußerer Drehungskraft. Spieler mit einem Verhältnis von 4:3 (zwischen Innenrotations- und Außenrotationskraft) hatten die kraftvollsten Aufschläge. Während einige Wissenschaftler die Ansicht vertraten, dass dieses Verhältnis das Verletzungsrisiko erhöhen könnte, konnten die Wissenschaftler der Johns Hopkins University keine Verletzungen bei den schnellen Aufschlägen feststellen. Die „Drehmomentunausgewogenheiten“ sind mit denen vergleichbar, die bei erstklassigen Baseballwerfern oder Wasserballspielern festgestellt wurden.

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Diese neue Studie ist deshalb von Bedeutung, weil sie die Faktoren ausmacht, die für einen schnellen Aufschlag wichtig sind und damit die Ausarbeitung eines Übungsprogramms ermöglicht, das die Aufschlagsstärke durch die Steigerung der spezifischen Kraft und Flexibilität unterstützt.

 

Owen Anderson

 

„Upper Extremity Physical Factors Affecting Tennis Serve Velocity“, The American Journal of Sports Medicine, 1994, Bd. 22 (6), S. 746–750

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