Das Schuhkauf-ABC: Nach dem Klettern zum Laufen? (Teil 5)

Die „NEWTON-Running“-Zugabe

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Du glaubst, du fliegst ... Der „Paradiesvogel“ war mit Abstand das leichteste Modell der getesteten Schuhe!

Im letzten Teil der Artikelserie, in der Profikletterer Jürgen Reis Sportschuhe testet, widmet er einer Zugabe, dem Newton Dinstance S.

Sie wollen bei Teil 1 der Artikelreihe starten? Das Schuhkauf-ABC: Nach dem Klettern zum Laufen?

 

Die von Kletterern oft hoch geschätzte „physikalische Größe Kraft“ wurde nach keinem Geringerem als dem englischen Wissenschaftler Isaac Newton benannt. NEWTON ist interessanterweise auch der Unternehmensname eines US-Laufsportherstellers, der in vielerlei Hinsicht, besonders für Sportkletterer, neue, innovative Wege des Laufsports offeriert. Danny Abshire, Erfinder der NEWTON Running Schuhe, ist ein Orthopäde aus Boulder, Colorado USA. Wohl nicht ganz zufällig also direkt aus dem Trainingsmekka zahlreicher Elitesportler. Ich beschloss, speziell aufgrund der im Klettersport immer öfter auftretenden Rücken- und allgemeinen Haltungsproblemen (Rundrücken, Hyperlordosenhaltung im Alltag, Schultern nach vorne etc.), aus gutem Grund noch ein Zusatzmodell in diese 5-teilige Testberichtkolumne aufzunehmen.

 

„Neutraler Lightweight Performance Trainer“ NEWTON DISTANCE S

Erinnern Sie sich noch an die ersten Zeilen bzw. das Zitat des Fitness-Experten Steve Maxwell in Teil 1 dieser 5-teiligen Kolumnenserie? Richtig: Klettern und Laufen sind in der menschlichen DNA fest verankert. Und ich garantiere: Als Kletterer und begeisterter (Ausgleichssport-)Läufer seit mittlerweile fast 2 Jahrzehnten: Noch nie machte der, auch in meinen Augen zweitwichtigste Sport auf diesem Planeten, mehr Spaß! „Der NEWTON DISTANCE S verführt seine Läufer zu Geschwindigkeit mit ganz viel Gefühl für den eigenen Körper. Der Schuh ist das pure Erlebnis von Schwerelosigkeit.“, so die auf den ersten Blick evtl. hochtrabend wirkenden Zeilen direkt vom amerikanischen Hersteller. Zugegeben: Auch ich war wieder einmal sehr skeptisch.

 

„Aktiv“ + flach + federleicht = Die Newton Running Zugabe!?

Doch meine Devise lautete: Erst ausgiebig testen und dann – falls notwendig – kritisieren. Die Kritik an diesem Schuh fällt, im Verhältnis zu meiner nachhaltigen Begeisterung, minimal aus.

newton distance S

Eines evtl. jedoch gleich vorweg, denn dies ist auch der Hauptunterschied dieses „Zugabe-Laufschuhs“ zu den 4 vorangegangenen Modellen dieser Kolumnenserie: Der NEWTON DISTANCE S ist nicht durch Verschmutzungsschutz (s. getestete Schuhe in Kolumnen 2+3), GORE-TEX, hohe Sohle (wie der SALOMON SYNAPSE in der vorangegangenen Kolumne) und Co. gegen widrige Umständen gewappnet. Zwar „gript“ die Sohle interessanterweise, so meine Erfahrung, selbst auf Glatteis erstaunlich gut, für Schlamm, Wasser und Schnee gibt es jedoch zweifellos geeignetere Modelle, als den „knallgelben paradiesvogelfarbenen Runner“. Schon allein um dieses sonnenfroh glänzende Outfit wäre es jammerschade – von den trockenen Läuferfüßen gar nicht zu sprechen...

Warum er jedoch als Zweitschuh, bzw. auch als Sommerlaufschuh, ein echter Geheimtipp für jeden Kletterer und Boulderer ist? Ich verspreche: Sie sind noch kein ambitionierter Ruhetagsläufer? Mit dem nur 249 Gramm (Gr. 43) federleichten Schuh, der auch im Laufschritt einfach nur pure Lauffreude vermittelt, gelingt Ihnen der Einstieg in den, vielleicht lange erhofften, Traumzustand des „Runners high“. Und zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits beim nächsten „Restday NEWTON Morning-Jog“! Und um die Suchtgefahr in Grenzen zu halten: Aufgepasst! Sie betreten, selbst als erfahrener Läufer, mit diesem Modell, evtl. völliges Neuland – im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Aufrechter, effizienter und leichter zu laufen

Denn die bereits erwähnten „hochtrabenden PR-Aussagen“ seitens NEWTON sollten sich tatsächlich als subjektiv gefühlt 100 %ig korrekt erweisen: Der DISTANCE S basiert, wie auch die anderen NEWTON-Modelle, mit seiner Action/Reaction Technologie™ auf dem Prinzip der Wechselwirkung. Die extrem flache Bauweise (die Sprengung bzw. die Höhendifferenz zwischen Vorfuß- und Fersenbereich liegt bei minimalistischen 2 mm!) und eine dynamische Dämpfung im Vor- und Rückfuß führen zu einem besonders aktiven Laufstil über den Mittelfuß.

Action/Reaction bedeutet im Laufpraxis-Klartext: Der (Kletter-Rund-)Rücken bzw. der gesamte Läufer wird erst einmal, wie von der Natur vorgesehen, aufgerichtet. Anschließend verspüren garantiert auch Sie bei jedem Schritt die reaktive Dämpfungseigenschaft, die durch einen dynamischen Abdruck besticht. Sie hat quasi die Wirkung eines Katapults und gibt den Großteil der Energie zurück, um sie in Vortrieb umzusetzen. Das Resultat ist eben ein „felsenfestes“ Gefühl von Leich-tigkeit, das überzeugt. So wurde bereits mein erster DISTANCE S-Morgenlauf zu einer speedigen Natural-Running Erfahrung allererster Güte. Aufpassen heißt’s jedoch beim (besser-nicht-im-Internet-)Kauf, den ich bereits in Teil 1 dieser Kolumnenserie erwähnte: Denn besonders die Größe dieses Spezialschuhs muss exakt Ihrer Fußgröße entsprechen. Nur, wenn der Mittelfuß genau über der spürbar verstärkten Dämpfeinheit sitzt, macht der DISTANCE S so richtig Spaß!

 

Das Fazit

Mit nicht einmal 25 Deka ein Ultraleichtgewicht für einen gefühlt vollwertig gedämpften Lauf-schuh jedoch auch kein Allround- bzw. auch kein idealer Zustiegs- und/oder Naturalwalkingschuh – trotz der traumhaften „immer-Sonnenschein-Optik“ :). Seine Stärke liegt in der vielfältigen (Running-)Einsetzbarkeit, selbst für athletischere, sprich mittelgewichtige Kletterer. Egal ob als Lauf-, HIIT- oder sogar als in meinen Augen perfekter Wettkampflaufschuh für Mittelstreckenläufe.

Auch der relativ hohe Preis (mit 169 Euro war der DISTANCE S das teuerste Modell im Testfeld) rechtfertigt sich – so die einstimmige Meinung in unserem Testteam – durch eine perfektionistisch-solide Machart und die durchdachte Passform. Als „Zugaben“ gesellen sich die sehr ausgeglichenen Stabilitäts- und Dämpfungseigenschaften, sowie ein poppig-exklusives Design dazu. Auch die vom Hersteller prognostizierten 1.600 km (!) bis zur „Endstation Laufschuh-Friedhof“ (Mülleimer) machen die Sache, im wahrsten Sinne des Wortes, zu einer Langfristinvestition. Bedenken Sie: Auch führende Qualitätshersteller „geben“ speziell ihren leichtgewichtigen Wettkampfschuhen teilweise nicht einmal 500 km.

Somit bleibt es bei einem „Double Thumbs up“ für die Amerikaner: Der NEWTON DISTANCE S vermittelt ohne Übertreibung „Natural-Speed-Running“ in Reinkultur.

Infos: www.newtonrunning.com

 

Ich wünsche Ihnen, als Abschluss dieser Kolumnenserie nun wie immer FUN FUN FUN und dieses mal (noch mehr) Spaß denn je beim Fliiiiegen bzw. bei Ihren federleichten NEWTON-Läufen!

Ihr Jürgen Reis

mit dem Team der www.juergenreis.com Redaktion

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