Wintersport

Grundprinzipien der Trainingsplanerstellung für das alpine Skitraining

+

Hierbei handelt sich um die Prinzipien der Überlastung, der Spezifität, der individuellen Unterschiede und der Umkehrbarkeit. Von all diesen wird besonders das Prinzip der Spezifität am häufigsten ignoriert – durch alle Ebenen von Wettkämpfern hindurch und über ein breites Spektrum von Disziplinen hinweg.

Nur zur Erinnerung, dieses Prinzip kann wie folgt zusammengefasst werden: „spezifisches Training ruft spezifische Anpassungen hervor, die spezifische Trainingseffekte verursachen.“

Wenn es möglich ist zu kennzeichnen, welches Energiesystem des Körpers zu einer bestimmten Art der sportlichen Leistung beiträgt, dann sollte es verhältnismäßig leicht sein, spezifisch zu trainieren. Bei manchen Sportarten, wie bspw. dem Marathon, oder dem 100-m-Lauf, ist dies kein Problem. Aber bei vielen anderen, ist es nicht so einfach, festzustellen, welcher Prozentsatz der Energie von welchem metabolischen Verlauf abgeleitet wird. Alpinski ist ein solcher Sport, und dies mag der Grund sein, weshalb Skifahrer so häufig das Prinzip der Spezifität ignorieren, besonders bei ihrem Sommertraining.

 

Ist es ein „explosiver“ Sport?

Alpinski besteht aus 4 Disziplinen. Es gibt die „technischen Disziplinen“, also Slalom und Riesenslalom sowie die „Geschwindigkeitsdisziplinen“, d.h. Abfahrt und Super-G. Viele halten Alpinski für eine anaerobe Übung, da es – mit seinen sehr schnellen Bewegungen und wiederholten maximalen Kontraktionen – ein „explosiver“ Sport zu sein scheint. Jedoch ist Alpinski extrem trügerisch, und die biomechanische Analyse hat gezeigt, dass es eigentlich nicht wirklich ein explosiver Sport ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass es kein anaerober Sport ist.
Alpinskifahrer haben Stärken bei isometrischen und langsamen konzentrischen Muskelkontraktionen gezeigt. Wenn sie schnelle Kontraktionen durchführten, waren Skifahrer, verglichen mit Hochleistungsathleten wie Sprintern oder Springern, nicht so gut. Diese Art der Kraft ist vermutlich eine spezifische Anpassung zum Ski fahren und nicht das Resultat des sommerlichen Gewichtstrainings. Angesichts dieser Entdeckungen, überrascht es nicht, dass Muskelbiopsien gezeigt haben, dass Alpinskifahrer keinen Überschuss an schnellen Muskelfasern haben. Schnelle Muskelfasern produzieren mehr Kraft als langsame Muskelfasern bei Hochgeschwindigkeitskontraktionen, obgleich beide Arten die gleiche isometrische Kraft produzieren können. Ein anderes Kennzeichen schnell-zuckender Muskelfasern ist, dass sie schnell ermüden.

Die Muster der Muskeltätigkeit im Slalom und Riesenslalom erwiesen sich ähnlich. Agonistische und antagonistische Muskeln kontrahieren häufig gleichzeitig, was als „quasistatischer“ Bestandteil des Skifahrens bekannt ist. Es ist wahrscheinlich, dass in den Geschwindigkeitsdisziplinen, in denen es weniger Drehbewegungen über einen längeren Zeitabschnitt gibt, als in den technischen Disziplinen, der quasistatische Bestandteil sogar noch größer ist.

Da Ski fahren aus einer Reihe von Drehbewegungen besteht, die entweder durch sehr langsame oder isometrische Muskelkontraktionen über einen verhältnismäßig langen Zeitabschnitt (zumindest für eine anaerobe Übung) gesteuert werden, überrascht es nicht, dass die meisten Skifahrer mehr als 50 % langsam-zuckende Muskelfasern haben.

Dies bringt mit sich, dass selbst bei den längeren Geschwindigkeitsdisziplinen, ein größerer Beitrag vom anaeroben statt aeroben Mechanismus kommen muss. Ganz einfach deshalb, weil der Blutfluss zum aktiven Muskel während der statischen Kontraktionen gefährdet und die Sauerstoffaufnahme verringert ist. Die Tatsache, dass hohe Leistungen desselben Skifahrers sowohl in Geschwindigkeits- als auch in technischen Disziplinen erzielt werden, liefert reichlich anekdotischen Beweis dafür, dass ähnliche physiologische Grundlagen für alle alpinen Disziplinen benötigt werden.

 

Kein aerober Sport?

Die neue Forschung widerspricht der älteren Literatur zu Alpinski, die besagt, dass es hohe aerobe sowie anaerobe Leistung verlangt. Ein Grund, warum ältere Studien jetzt fehlerhaft erscheinen, ist, dass sie häufig auf den verzeichneten Pulsdaten beruhten, um den aeroben Beitrag einzuordnen. Was sie nicht in Betracht zogen, war der Einfluss der psychischen Faktoren. Zum Beispiel müssen Sie nur an einer schwarzen Piste stehen, oder sogar herunterfahren, um eine gesteigerte Pulsrate zu erhalten. Messungen zeigen, dass Elite-Alpinskifahrer zwar eine stärkere aerobe Potenz, als die allgemeine Bevölkerung, haben, diese jedoch nicht besonders eindrucksvoll ist. Bei Mitgliedern der italienischen Ski-Nationalmannschaft wurde eine maximale durchschnittliche aerobische Leistung von nur 52.4 ml.kg-1.min-1 ermittelt. Einige Alpinskifahrer haben mäßig hohe VO2max Daten, was aber vermutlich das Resultat ihres unspezifischen Skitrainings ist, statt eine Anforderung ihrer Disziplin zu sein. Möglicherweise wichtiger ist, dass eine Studie, die die physiologischen Änderungen nach einem spezifischen 3-monatigen Slalom-Training maß, keine bedeutende Änderung in der aeroben Leistung fand. Die anaerobe Leistung jedoch hat sich erheblich verbessert.

 

Ziehen Sie ins Gebirge!

Die vorherrschende Meinung besagt also, dass alle Elite-Alpinskifahrer ein sehr hohes Maß an anaerober Leistung besitzen und nur ein mäßiges aerobes Vermögen benötigen. Es wurde berechnet, dass 40 % der Energie im Slalom und im Riesenslalom aerob abgeleitet werden, dabei kommen 20 % vom ATP-PC System und 40 % vom Milchsäuresystem. Die Geschwindigkeitsdisziplinen könnten einen größeren Beitrag vom aeroben System übernehmen, da sie länger andauern, aber dies ist nur eine Vermutung.

Die physiologischen Anforderungen für die Geschwindigkeitsdisziplinen sicher aufzuzeichnen, ist, aufgrund der Knappheit der Publikationen, unmöglich. Es ist jedoch klar, dass die einzige Möglichkeit, alle alpinen Disziplinen effektiv zu trainieren ist, so viel wie möglich im Schnee zu trainieren. Frühere Empfehlungen, die das Laufen, Radfahren oder andere Ausdauersportarten als vorteilhaft preisen, scheinen jetzt veraltet, obwohl viele Skifahrer irrigerweise noch solche schneefreien Trainingsgewohnheiten pflegen.

Es hat sich gezeigt, dass spezifisches Slalomtraining keinen bedeutenden Effekt auf das VO2max hat. Folglich scheint es klar, dass ein allgemeines aerobes Konditionierungs-Trainingsprogramm für alpine Skifahrer reine Zeitverschwendung ist und keinen Vorteil für die Wettkampfleistung besitzt.. Der einzige mögliche Nutzen, um das aerobe System zu trainieren, wäre, dass ein leistungsfähigeres System eine schnellere Verbreitung des Laktats im Blut ermöglichen kann, und somit eine schnellere Erholung von wiederholten Phasen anaerober Übungen erfolgen kann. Dies ist irrelevant wenn zwischen den Trainingsrunden genügend Zeit zur Wiederherstellung zur Verfügung gestellt wird. Die meisten Skifahrer haben reichlich Gelegenheit zur Erholung, einfach aufgrund des Zeitbedarfs, den Berg wieder zu erklimmen.
Wenn ein Skifahrer darauf beharrt, dass ein Gewichtstrainingsprogramm vorteilhaft ist, sollten die Gewichte langsam konzentrisch und die Bewegungen exzentrisch sein, mit dem Hauptaugenmerk auf den exzentrischen Bewegungen. Jedoch zeigen die Muster der Muskelaktivierung beim Slalom, dass normales Gewichtstraining diese Bewegungen nicht nachzeichnet. Demnach ist der einzige Trainingseffekt, dass man seine Gewichthebefähigkeiten verbessert – nicht jedoch die des Skifahrens. Die Botschaft ist klar: Wenn Sie wirklich ein Top-Alpinskifahrer sein möchten, ziehen Sie ins Gebirge mit ganzjährig viel Schnee.

Auch interessant

Kommentare