Sportverletzungen im Schwimmsport

Schwimmen wird als eine ideale Trainingsmaßnahme angesehen, da sie als verletzungsfrei gilt. Körperliche Probleme tauchen nur bei richtigem Wettkampftraining auf, das mit intensivem Training außerhalb des Wassers kombiniert wird. Übertraining oder mikrotraumatische Verletzungen wie beispielsweise eine Schwimmschulter oder eine Verletzung im Knie aufgrund von Brustschwimmen sind die Folge.

Diese beiden Begriffe sind nur allgemeine Bezeichnungen für eine Vielzahl von Verletzungen, die in der Schulter oder dem Knie wegen der zu eintönigen Natur des Wettkampfschwimmens auftreten. Diese Belastungen können geschätzt werden wenn man sich ein Schwimmtraining mit 200–300 Bahnen pro Einheit 8-mal pro Woche 8 Monate lang im Jahr vorstellt – diese Arme kreisen sicherlich viele Male. Deswegen sind eine effiziente Technik (mit regelmäßigen Untersuchungen) und sogar eine Diät notwendig um die Wettkampfkarriere eines Schwimmers so verletzungsfrei wie möglich zu halten.
Die Schwimmschulter ist vielleicht eher als eine schmerzhafte Tendinitis der Rotatorenmanschette oder als Schulter Impingement Syndrom bekannt. Bei Schwimmern können Schmerzen in der Rotatorenmanschette der Schulter bei folgenden Bewegungen auftreten:

  • Heranziehen der Arme zu den Schultern (wenn der ausgestreckte Arm seitwärts in die Vertikale weg von der Körpermitte angehoben wird)
  • Wenn diese Bewegung blockiert wird
  • Bewegung des Armes in der Schulter (wenn der ausgestreckte Arm nach vorne angehoben wird)
  • Wenn diese Bewegung nach links oder rechts blockiert wird
  • Schmerzen treten im Gelenkbogen bei 80-110 Grad auf. Wenn gegen die blockierte Bewegung wenig Kraft aufgewendet werden kann könnte dies ein Riss in der Rotatorenmanschette sein. Die Ursache: Überbeanspruchung einer der 4 Schultermuskeln, geringe Blutversorgung oder schwache Schwimmeffizienz und -technik. Diese Art von Verletzungen gehen oft mit dem Schulter Impingement Syndrom einher. Die Behandlung umfasst Ruhe und Messung der Biomechanik des Schwimmers, um irgendwelche Fehler, die zu der Verletzung beitragen, zu erkennen. Es ist genauso wichtig die Landbedingungen und das Krafttraining unter die Lupe zu nehmen, um mögliche Verletzungsfaktoren zu identifizieren.


    Das Acromioclavikular-Gelenk (in dem sich das Schlüsselbein und das Schulterblatt treffen) kann degenerative Arthritisveränderungen entwickeln, insbesondere durch Schäden bei einem Krafttraining unter Ermüdung. Die wiederholten Schwimmbewegungen können auch das Gelenk beanspruchen. Dieses Problem wird gewöhnlich konservativ durch Schonen behandelt. Wenn es jedoch zu unbefriedigenden Ergebnissen führt, müssen nicht-steroide entzündungshemmende Medikamente, lokale Wärme- und Kältewechselbehandlungen und gelegentlich auch Injektionen von Cortison angewendet werden.
    Eine Arthritis des Schultergelenks (wo der Humeruskopf und die Schulterblattpfanne zusammentreffen) kann in den Altersklassen der Senioren auftreten, jedoch ist sie seltener bei den jüngeren Schwimmern vorzufinden. Trotz allem kann eine entzündende Arthritis (rheumatisch) auch bei jüngeren Athleten vorkommen. Sie zerstört die Gelenkoberflächen. Schwere arthritische Schäden des Schultergelenks können prothetischen Gelenkersatz oder eine Gelenksfusion zur Folge haben.

     

    Woher die Kräfte kommen

    Die Vortriebskraft eines Schwimmers geht vom Oberkörper aus, wobei die Beine als Stabilisatoren dienen und für wenig Vortrieb sorgen. Das Schultergelenk muss wiederholte Mikroverletzungen aushalten und ist meist Opfer des Überlastungssyndroms. Dennoch entwickeln nicht alle Schwimmer, die unter ähnlichen Bedingungen trainieren deutlich hemmende Schulterprobleme – die meisten entkommen irgendwelchen Krankheitsauswirkungen. Die Adduktoren und inneren Rotatoren (Subscaplaris, supraspinatus und teres major) sind die stärksten Schwimmermuskeln. In einer instabilen Schulter werden die äußeren Rotatoren gebraucht, um zusätzliche Arbeit zu leisten. Sie sollen den humoralen Kopf während der Druck- und Schwungphase des Freistilschlags bei der äußeren Übersetzung einschränken. Dies kann zu Überlastung, Müdigkeit und sekundären Entzündungen führen und ist für die Schmerzen bei Menschen mit vorderer Schultersubluxation oder Dislokation verantwortlich.
    Das Stärken der Rotatorenmanschette sorgt für die beste Stabilisation des Gelenks und vermindert die Chance zur Hypermobilität. Langhanteldrücken, Seitheben von Kurzhanteln (bei Außenrotation), Medizinballübungen, seitliches nach unten Ziehen von Gewichten und Übungen an der Rudermaschine sind einige Beispiele dafür.
    Ich als Wettkampfschwimmer habe Erfahrungen mit Verletzungen im Sternoclavikulargelenk (Brustbein-Schlüsselbeingelenk). Seit 4 bis 5 Jahren verdränge ich diese dumpfen Schmerzen, die ich besonders dann spüre, wenn mein Schultergürtel zurückgezogen ist, z. B. während meiner Übungen wie Liegestütz, Bankdrücken, Rudermaschine und während all meiner Schwimmzüge. Die Bänder, die das Gelenk unterstützen und stärken sollen scheinen jegliche Form der Stabilität verloren zu haben, da der Schulterkopf eigentlich aus dessen Pfanne springt (und dann wieder verzögert zurück). Das Problem wird erst nach 1–2 Stunden kontinuierlichen Wiederholungsbewegungen im Wasser schmerzhaft. Der Schmerz ist recht dumpf. Wenn ich mich anschließend dehne, fühle ich mich wohler, da dadurch wahrscheinlich der Druck und das Unbehagen um das Sternoclavikulargelenk verschwindet.

     

    Die Sache mit dem Knie beim Brustbeinschlag

    Bei der Suche nach Forschungsergebnissen für diesen Artikel sind mir einige geniale Beiträge zu Knieverletzungen während des Brustschwimmens von McMaster in die Hände geraten. Er berichtete, dass die Ausrichtung der Kniemitte in Relation zur Hüftmitte die Entwicklung im medialen Seitenband (das das Knie an der Beininnenseite stabilisiert) zu Beginn des Brustbeinschlags beeinträchtigt. Die optimale Anfangsposition beim Brustbeinschlag ist gegeben wenn Hüft- und Kniemitte zueinander ausgerichtet sind. Wenn die Kniemitte zu weit oder zu nah an der Hüftmitte liegt, kommt es zu einer erhöhten Reizung am medialen Seitenband des Gelenks. Wird über die elastischen Grenzen der Bänder hinausgegangen, so kommt es zu Schäden und Verletzungen. Bei jungen Schwimmern könnte diese Art von Belastung die Wachstumsfugen des Oberschenkels und des Schienbeins öffnen, sowie Mikroverletzungen verursachen, die zu Entzündungen führen und darüber hinaus das Training schwer beeinträchtigen. Wenn Sie ein Trainer sind, sollten Sie sich vergewissern, wie der Brustbeinschlag ihrer Schützlinge genau aussieht.

    Letztlich merkte McMaster an, dass das Risiko einer seitlich gleitenden Patella (Kniescheibe) während des Brustschlags hoch ist. Dies wird gravierender wenn die Seite des Patellasehnenansatzes am Tibiakopf in einer extrem rotierten Position liegt. Dies wird klinisch als Q Winkel gemessen. Schwächen des vastus medialis (der innere Oberschenkelmuskel, der zum Quadrizeps gehört) können für das Verrutschen der Kniescheibe verantwortlich sein.
    Wenn eine Dislokation festgestellt wurde, so ist eine Operation in den meisten Fällen sicher. Als weitere Nebenfaktoren kann man schwache Abduktoren und eine verminderte Beweglichkeit der Oberschenkelbeuger, Adduktoren und des iliotibialen Bandes nennen. Besonders die Kniescheibe fühlt sich beim Abtasten zart an. Behandlungen sollten mit Röntgenaufnahmen (um den Verlauf der Patella und der Sehnen zu bestimmen) und durch gezielte Entzündungshemmung ergänzt werden. Wenn Sie für Schwimmer ein Konditionstraining auf dem Land planen möchten, dann kann ich Ihnen nur empfehlen, dass Sie besonders bei Brustschwimmern eine Vielzahl von Quadrizepsübungen wie z. B. Kniebeugen, Beinpresse, Rad fahren, Ausfallschritte und Beinstreckung sowie Beinheben für Abduktoren und Adduktoren einbauen und ein qualitativ hochwertiges Dehnprogramm anschließen.

    Die faserknorpeligen Kniemenisken (mondförmige Strukturen, die die Knochenenden schützen) können während kombinierten Beugen und Drehbewegungen verletzt werden. Da das Knie unter einer Last gebeugt wird, kann sich der Meniskus zwischen den Gelenkoberflächen einklemmen. Es entstehen Scherkräfte, die einen Riss verursachen würden. Das Zeichen einer solchen Verletzung wird mit einem poppenden und knirschenden Geräusch begleitet und einem Stauchen, das eventuell das Knie blockieren könnte. Leider können Meniskusrisse überhaupt nicht gut heilen und müssen orthoskopisch operiert werden. Bei Profischwimmern kann eine generative Arthritis oder die Reibung an der Knieoberfläche auch zu einem Meniskusriss führen, was kein seltener Fall wäre.


    Matt Coulson

     

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