Pferdesport

Anforderungen an Reiter und Pferd im modernen Fünfkampf

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Das Springreiten im Modernen Fünfkampf stellt hohe Anforderungen an Reiter und Pferd.

Unsichere Reiter kommen im Springsport meist nicht besonders weit, da das Pferd häufiger verweigert und scheut. Es stellt sich die Frage, welche Anforderungen an Reiter und Pferd gestellt werden müssen - besonders im Modernen Fünfkampf.

Wie bei den Olympischen Spielen in London 2012 zu sehen war, ist Springreiten für die Fünfkämpfer alles andere als einfach. Das Turnier war von vielen Stürzen geprägt. Gründe dafür waren folgende: Pferd bzw. Reiter konnten die Distanz zum Hindernis nicht finden, Unsicherheit des Reiters, oder der Reiter konnte sich nicht auf die Bewegung des Pferdes einlassen, die das Pferd beim Sprung durchführt, d. h. der Reiter ging nicht mit der Bewegung des Tieres mit und störte den Bewegungsablauf des Pferdes.

 

Das Pferd im Modernen Fünfkampf

Allgemein gilt bei jedem Wettbewerb im Modernen Fünfkampf, dass den Athleten vom Veranstalter ein Springpferd zugelost wird. Der Athlet hat 20 Minuten Zeit, um sich mit seinem neune Partner vertraut zu machen. Die Schwierigkeit liegt darin, innerhalb dieser kurzen Zeitspanne das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen, damit das Pferd den Reiter ohne zu scheuen oder zu verweigern sicher über die Hindernisse bringen kann. Zudem muss der Reiter sein Können unter Beweis stellen, da beim Springreiten nicht nur das Pferd bewertet wird. Bei jedem Abwurf werden dem Fünfkämpfer 20 Punkte abgezogen. Eine Maximalpunktzahl von 1200 Zählern kann erreicht werden.

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Die zugelosten Pferde wurden alle für Minimum L-Springen ausgebildet und haben eine 2- bis 3-jährige Springausbildung hinter sich, die das Einreiten, Freispringen, Springgymnastik, Konditionstraining, Springen von Kombinationen, Springpferdeprüfungen der Klasse A, L und evtl. M und Dressurarbeit beinhaltet. Die dressurmäßige Arbeit des Pferdes zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausbildung.

Beim Springpferd ist die Ausbildung auf die speziellen Bedürfnisse des Parcoursreitens abgestimmt, und unterscheidet sich daher von der Arbeit mit dem reinen Dressurpferd. Im Parcours kommt es vor allem auf körperliche Gewandtheit und schnelle Reaktionsfähigkeit des Pferdes an, Fähigkeiten, die im Laufe der Ausbildung geschult werden. Insbesondere der Galoppwechsel wird immer wieder bei dem Springpferd trainiert, da es zu einem Zeitverlust kommt, wenn das Pferd nicht umspringt. Das Springpferd muss bei einem Richtungswechsel umspringen, d. h. wenn der Reiter die Gewichtshilfe und die Schenkelhilfe einsetzt. Bei sehr gut ausgebildeten Pferden kann der Richtungswechsel durch die Gewichtsverlagerung über dem Sprung den jeweiligen Galopp bei der Landung bestimmen. Dies ist entscheidend für einen Sieg im Stechen.

Das Springpferd wird zudem mit einer tieferen Halseinstellung geritten als das Dressurpferd, die Nase ist etwa in Höhe des Buggelenks. So wird die Arbeit über den Rücken und die Losgelassenheit gefördert.(4) Die Gymnastisierung wie z. B. Schulterherein, Schenkelweichen dient dazu, „die körperlichen Schwächen zu beheben, die Muskulatur gezielt aufzubauen, den Rücken geschmeidig zu machen und die Hinterhand zu aktivieren.“(1) Das Lockern, das Geschmeidig machen und Dehnen des gesamten Pferdes ist in jedem Reitsport von besonderer Wichtigkeit. Wird die Gymnastizierung falsch eingesetzt kann es zu Verspannungen und Unrittigkeit kommen.

 

Der Reiter im Modernen Fünfkampf

Der Fünfkämpfer benötigt für das Springreiten Mut, Konzentration, Ehrgeiz und Vertrauen zu sich und seinem Springpferd. Mut, weil er sich bei jedem Wettkampf mit einem anderen Pferd auseinandersetzen muss, sowie über die 12-15 Hindernisse von einer Höhe von bis zu 120 cm springen muss. Um den Parcour erfolgreich zu bestehen muss er sich auf sein Pferd sowie auf jedes nachfolgendes Hindernis konzentrieren. Der Ehrgeiz eines jeden Reiters ist die Null-Fehler-Ritt.

Doch bevor das Springreiten erlernt werden kann, muss der Athlet mit der Dressur vertraut sein, um dem Pferd mit kleinen Signalen wie z. B. der Gewichtshilfe, Schenkelhilfe und Zügelhilfe zu zeigen, was er von dem Vierbeiner möchte. Die Schenkelhilfe ist die einfachste Verständigung von Pferd und Reiter. Hierbei sind die Hilfen nicht als einzelne Kommandos zu verstehen, sondern als Einwirkungen, die im Zusammenspiel die Haltung und den Bewegungsablauf des Pferdes beeinflussen. Voraussetzung für eine korrekte Hilfengebung ist der sichere und stabiler Sitz des Reiters, d. h. nicht starr und verkrampft zu sitzen; es im Gegenteil ein ruhiges und flexibles Mitgehen der einzelnen Bewegung des Pferdes. Aus der Kombination der drei Hilfen können Paraden gegeben werden, die dem Pferd signalisieren, das Tempo zu verändern.

Die anfänglichen Übungen finden an der Longe statt, später im Reitunterricht oder auch im Einzelunterricht, um die Sattelfestigkeit zu verbessern. Wichtig ist das Erlernen des leichten Sitzes. Der Reiter kann sich in diesem Sitz der Pferdebewegung besser anpassen. Dadurch, dass der Reiter nicht mehr in den Sattel einsitzt, wird es dem Pferd erleichtert, seinen Rücken über dem Sprung aufzuwölben.

Nachdem die Dressur und der leichte Sitz erlernt worden sind, folgt das Springreiten. Der Athlet lernt hier, eine andere Haltung einzunehmen. Der eigentliche Schwerpunkt im Grundsitz liegt in der Linie von Schulter-Hüfte-Absatz und wird im Springreiten verschoben. Die Schulter weicht nach vorne ab, während die Hüfte gleich viel von der Linie nach hinten abweicht.(2) Der Blick ist wie in der Dressur geradeaus gerichtet und fixiert schon das nächste Hindernis; durch die Veränderung der Bügellänge (min. 2 Löcher kürzer) werden die Bewegungen mit dem Knie und Fußgelenk abgefedert.

Nicht nur die Sitzschulung im Reiten wird von dem Fünfkämpfer trainiert, sondern auch das Erlernen des Absprungpunktes vor den Hindernissen, was den Athleten häufig Probleme bereitet. Anfängliche Übungen sind das Reiten über Cavaletti, Stangen wie z. B. Taktstangen, oder auch die ungleichmäßige Verteilung von Stangen auf den Boden.(3) Dabei ist der Abstand sowie die Höhe der Stangen unterschiedlich. Nach dem Techniktraining folgen die ersten Sprünge. Dabei muss der Reiter auf folgende Punkte achten:

- Immer gerade auf die Mitte des Hindernisses zu reiten

- Blick auf die Bergspitze richten

- Nicht an den Zügeln festhalten (Schmerzt dem Pferd im Maul)

- Beine vor dem Sprung schließen

- Zügel über dem Sprung nachgeben, damit das Pferd sich strecken kann

- Sich von den Bewegungen des Pferdes mitnehmen lassen, nicht aktiv in die Bügel stehen

- Konzentration auf das nächste Hindernis (Frühzeitig dorthin schauen, wo der Reiter hinreiten will)

Autorin: Caroline Trautmann

Wichtige Neuigkeiten zum Thema Reiten und Piriformis-Syndrom:

Ischiasbeschwerden und das Piriformis-Syndrom bei Reitern

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Quellenangaben

1. http://www.klassischereitkunst.de/gymnastizierung.htm

2. Allen L., Dennis D., Harris S. (2010), Springreiten mit System: Das optimale Training mit 101 Gymnastikreihen, blv Verlag

3. Klimke I., Klime R. (2011), Cavaletti- Dressur und Springen, Kosmos

4. Meyners E. (2009), Übungsprogramm im Sattel: Losgelassenheit, Beweglichkeit undKoordination verbessern, Kosmos

5. Kreutzmann J. (2012), Hoch hinaus: Springreiten leicht gemacht, Cadmos

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