Race Around Austria 2011 - So erlebte das Team Campana Hydro-Power das Extrem-Radrennen

Race Around Austria 2011 – Der Start in Schärding und die ersten Nächte

Es sollte ein Abenteuer werden, eine außergewöhnliche sportliche Herausforderung – und es wurde Beides: Robert Moormann und Fritz Eberlein mit Ihren sechs Betreuern nahmen Mitte August am härtesten Radrennen Europas, dem „Race Around Austria“ teil. 2.200km und 28.000 Höhenmeter nonstop rund um Österreich.

© Team Campana HYDRO POWER

Start des Teams Campana HYDRO POWER.

Nach intensiver Vorbereitung (Race Around Austria: Mit dem Rennrad rund um Österreich) war es am 12. August um 16:24 Uhr endlich soweit: In Schärding (Oberösterreich) fiel der Startschuss, Robert und Fritz rollten unter dem aufmunternden Applaus von einigen hundert Zuschauern von der Startrampe, noch ungewiss, was sie in den kommenden vier Tagen und Nächten erwartet.

Zweifel und Fragen vor dem Start

Nach einer guten und sorgfältigen Vorbereitung des gesamten Teams gehen Fritz Eberlein kurz vor dem Rennen noch einige Gedanken durch den Kopf: „Sind wir nicht doch verrückt, solch ein Rennen zu bestreiten?“ „War das Training der vergangenen 12 Monate wirklich richtig?“ „Was passiert, wenn das Team nicht ‚funktioniert‘, wenn Stress entsteht, wenn Pannen oder Erschöpfung uns zur Aufgabe zwingen? Können wir mit dem Druck umgehen?“

© Team Campana HYDRO POWERFahrt durch die Nacht

Aber die Motivation, dieses Abenteuer zu erleben ist größer, und so klappen Start und die ersten Kilometer reibungslos. Die Fahrer haben sich für Wechsel in 2-Stunden-Intervalle entschieden, und Fritz absolviert das erste Teilstück in ruhigem Tempo (ca. 24km/h) souverän. Bereits von Beginn an zeigt sich die Charakteristik der gesamten Strecke – es ist sehr hügelig, es geht auf und ab, kurze, aber „knackige“ Anstiege durch Weinberge entlang der nördlichen Grenze Österreichs.
Da der Start am späten Nachmittag erfolgte, befindet sich das Team binnen weniger Stunden bereits in der ersten (Vollmond-)Nacht. Eine außergewöhnliche Stimmung, aber auch eine besondere Herausforderung für die noch nicht optimal eingespielten Betreuer. Tagsüber auf fremdem Terrain mit Straßenkarten und zwei Fahrzeugen zu fahren (ein VW-Bus als Pace-Car direkt hinter dem aktiven Radfahrer, ein Wohnmobil für die weiteren Betreuer, die zwischenzeitlich Besorgungen machen) ist nicht immer leicht, nachts, mit eingeschränkter Sicht, wird es noch einmal schwieriger.

Die Aufregung hält in der ersten Nacht alle wach

Aber die Aufregung hält alle wach – selbst die, die eigentlich schlafen sollten, um fit für Ihren nächsten Einsatz hinter dem Steuer oder als Navigator zu sein. Als aber klar wird, dass Robert und Fritz wirklich gut trainiert sind – sie fahren ruhig den geplanten Schnitt von ca. 22km/h, eher noch etwas schneller – beruhigt sich alles etwas.

Dennoch bleiben Fragen: Halten die Fahrer die Belastung 4 Tage durch? Finden die Betreuer ausreichend Schlaf?

Von den sechs Begleitpersonen sind immer mindestens 3-4 im Einsatz, nur die anderen können einige Stunden ruhen. Hinzu kommt, dass die anderen 2er-Teams (fünf weitere sind gestartet) ein teilweise deutlich höheres Tempo anschlagen. Bereits nach 4 Stunden hat das Campana-Team auf einige Konkurrenten eine Dreiviertelstunde Rückstand. Läuft etwas falsch?

Der zweite Tag

© Team Campana HYDRO POWERFliegender Wechsel von Fritz (rechts)auf Robert, dahinter das Pace-Car.

Nach einer Nacht ohne Schlaf zeigen sich am Samstag erste Ermüdungserscheinungen. Das Navigieren und Gegenrechnen der gefahrenen Kilometer mit dem Routebook fällt schwerer. Dennoch, die meisten anderen Teams werden im Gegensatz zu Robert und Fritz eher langsamer, alles Notwendige ist immer schnell zur Hand und es wurden noch keine Zeitstrafen gegen das Campana-Team verhängt. Die Beruhigung, dass erst einmal alles funktioniert führt dazu, dass der Körper nun endlich schlafen will. Aber der normale Tagesrhythmus ist völlig aufgehoben, durch Arbeitseinsätze von 8-10 Stunden erfolgen die Ruhephasen für die Betreuer sehr unregelmäßig, mal ergeben sich Mittags 3 Stunden Pause, mal sind es mitten in der Nacht 2 oder 4 Stunden, oftmals im fahrenden Kfz, das die Serpentinen hinauf oder hinab braust.
Eine Erfahrung aus dieser Belastung wird bereits am zweiten Tag umgesetzt: Die „personalintensiven“ fliegenden Wechsel zwischen den beiden Fahrern, die nachts aus Sicherheitsgründen zwei Fahrzeuge erfordern und keinen wirklich zur Ruhe kommen lassen, werden auf „normale“ Wechsel mit kurzen Stopps umgestellt. So kann das Wohnmobil mit einem Teil der Betreuer unabhängig vom Pace-Car zu einem vereinbarten Treffpunkt vorfahren und dort einige Stunden warten.

Platz sechs nach 12 Stunden

Die beiden Radfahrer sind derweil weiter ruhig und konzentriert unterwegs – und nach wie vor schneller als geplant: Vom letzten, sechsten Platz nach 12 Stunden haben sie sich bis zur Mitte des zweiten Tages bereits auf Platz 3 der 2er-Wertung vorgearbeitet! Auch wenn die Muskeln mittlerweile ermüdet sind, haben sie sich an den zweistündigen Wechsel aus Radfahren und Ruhepause gewöhnt, selbst kurzzeitige Schlafphasen sind nun möglich.

Physiotherapeutin Catherine Stockman, die „nebenbei“ ebenfalls als Fahrerin oder Navigatorin eingespannt ist, massiert immer wieder die Beine und den Nacken der Radfahrer – auf einer 1x2-Meter-Liege im VW-Bus zwischen verschwitzten Radtrikots und Sportlern, die in vier Tagen nur 1-2 Mal duschen können, keine beneidenswerte Aufgabe…

Teil 2: Race around Austria 2011 - Herausforderung Großglockner und die Fahrt auf Platz 2

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