Ausdauertraining

So trainieren Radprofis: Björn Thurau im Training

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Björn Thurau hat einen langen Weg hinter sich. Dieser war gepflastert mit Höhen und Tiefen. Wie er sich dennoch konstant weiter in die Spitze gearbeitet hat erläutert sein Trainer Dennis Sandig.

Nach frühen Erfahrungen als Profi beim Team Elk Haus musste Björn Thurau nach der Auflösung des Teams erst einmal einen Schritt zurück in die U23 Mannschaft „Team Bergstraße“ machen. Langsam hat er sich danach wieder in den Profiradsport gekämpft. Über das Team NSP gelang es ihm, bei einigen Rennen in Frankreich Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein Vertrag beim Team Europcar war der Lohn für das Durchhaltevermögen und die offensive Fahrweise. Gekrönt wurde Björn Thuraus Leistungen 2014 mit dem Gewinn des Berg-Trikots bei der Tour de Suisse. Seit diesem Jahr fährt der gebürtige Frankfurter nun für das deutsche Team „Bora-Argon18“. Thuraus Trainer Dennis Sandig gibt Ihnen einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Radprofis. 

Essentiell im Training: Dran bleiben!

Wie trainiert ein Radprofi wirklich? Sicher kennen Sie die verschiedenen Fahrertypen. Björn Thurau ist mit 26 Jahren schon ein recht erfahrener und reflektierter Radprofi. Allerdings ist es gar nicht so einfach ihn als Fahrertyp zu beschreiben und festzulegen. 2014 hat er bei den Frühjahrsklassikern recht ansprechende Rennen geliefert. Er fuhr aktiv an der Spitze und konnte ganz gut behaupten. Macht ihn das zum Klassikerfahrer? Rein von den Ergebnissen betrachtet sieht es etwas schwieriger aus. Er konnte das Bergtrikot bei der Tour de Suisse gewinnen. Macht ihn das zum Bergfahrer? Die Wirklichkeit ist wohl doch nicht so einfach, wie man sie gerne hätte. Es spielen immer auch die eigenen Ziele und Wünsche aber auch die körperlichen Voraussetzungen eine Rolle. Björn ist sehr groß und bringt von daher schon ein gewisses Gewicht mit. Für die persönlichen Ziele muss er daher Phasenweise sein Gewicht stark anpassen. 2 - 6 Kilo Gewichtsschwankungen sind im Verlauf einer Saison dabei normal. Mit Hilfe einer Ernährungsexpertin und den Informationen aus dem Leistungsmesser kann dabei die Gewichtsoptimierung sehr vorsichtig gesteuert werden. 

Leistungsdiagnostik: Messen für das Fine-Tuning

Isst ein Radsportler trotzt harten Trainings und hohen Wettkampfbelastungen zu wenig sind Leistungseinbußen und Infekte nur eine Frage der Zeit. Dank professioneller Hilfe kann die Ernährung auf den Körper hin abgestimmt werden. Wenn Sie beispielsweise Intervalltraining auf Ihrem Trainingsplan verfolgen, müssen die Kohlenhydratspeicher gefüllt sein. Wollen Sie hingegen eine Grundlagenausdauerfahrt mit dem Ziel den Fettstoffwechsel zu optimieren durchführen, spielt die Fettaufnahme in Ihrer Basisernährung eine sehr große Rolle. Dank der Auswertung von Ernährungsprotokollen und von Messdaten weiß Björn sehr genau über seine Ernährung bescheid. Das Messen des Ruheumsatzes gehört aus diesem Grund zu den wichtigen Bausteinen im Jahresplan vieler Radprofis und Jedermänner. Dabei wird in Ruhe gemessen, wie viel Sauerstoff der Körper ohne Belastung aufnehmen kann. Aus dem Ergebnis wird deutlich, wie viel Energie in Ruhe benötigt wird und ob der Körper auch ohne Belastung auf die Fette zugreifen kann. Das Einplanen von Fettstoffwechseltraining kann so optimiert werden. Ernährung und Training müssen für optimale Trainingsanpassungen eben Hand in Hand gehen. 

Training und Trainingsplanung sind Kommunikation!

Eine feste und langfristige Jahresplanung entspricht weder beim Radprofi noch beim Jedermann der Realität. Kurzfristige Dienstreisen oder private Termine bei Jedermännern und veränderte Planungen bei Radprofis sind eher die Normalität als die Ausnahme. Entsprechend wichtig ist der Austausch mit dem Trainer, um den veränderten Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Moderne Trainingsplattformen können dabei helfen, Sportler und Trainer miteinander zu verbinden - rund um den Erdball sind so Abstimmungen möglich. Auch wenn Björn in Fulda wohnt und seine Runden in der Röhn und im Vogelsberg dreht ist er so direkt miteinander verbunden. Auf der Trainingsplattform atleta.de kann er seine Vor- gaben zu Intervallen, Grundlagenausdauer und Bergprogrammen und auch Ernährungsempfehlungen einsehen. Gleichzeitig bekomme ich als sein Trainer von ihm Rückmeldung zum absolvierten Training. Dabei zählt in der Arbeit mit Björn und anderen Sportlern nicht nur der Leistungsmesser. Auch die „weichen“ Rückmeldungen geben wichtige Informationen, die helfen die nächsten Trainingseinheiten anzupassen. Wie hat sich Björn im Training gefühlt? Wie war der Schlaf und fühlt sich die Belastung gut an? Wer glaubt in der Arbeit mit Profis würde es nur um Leistungsmesser und Belastungsspitzen gehen irrt. Gerade beim Training im Winter geht es oftmals bei Profis entspannter zu, wie so mancher Freizeitsportler glaubt. Auch wenn Intervalle und „Sweet-Spot“ ganzjährig zum Einsatz kommen, fahren viele Profis im Winter insgesamt viel ruhiger und lockerer als so mancher Week-End-Warrior.

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