Triathlon Trainingscamp (Teil 6)

Radtraining in den Bergen

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Handzeichen im Radtraining in der Gruppe: Erhobene Hand bedeutet: Anhalten!

Der Artikelreihe nach bricht nun der 6. Tag Ihres Triathlon-Trainingslagers auf Teneriffa an - und bringt Ihnen ein Radtraining auf der "Chio-Runde". Dort gibt es einiges zu beachten.

Nach dem gestrigen Ruhetag beginnt im Triathon Trainingscamp ein neuer Belastungsblock im Ausdauertraining. Mit aufgefüllten Energiespeichern werden die ersten Berge erklommen. Außerdem lernen die Athleten, mit Handzeichen sicher in der Gruppe zu fahren. Um die Sportler ganz behutsam an immer länger werdenden Anstiege heranzuführen, bietet sich hier auf Teneriffa die sogenannte „Chio-Runde“ an.

Zum Einrollen geht es auf dieser Tour zunächst in nordwestlicher Richtung entlang der welligen Küstenstraße, bis die Klippen bei Los Gigantes erreicht sind. Die eindrucksvolle Kulisse der über 400 m senkrecht ins Meer abfallenden Felsen kann zu einem letzten Kaffestop genutzt werden, bevor der Anstieg über Tamaimo nach Chio in Angriff genommen wird. Auf dem etwa 10 km langen Abschnitt werden rund 700 Höhenmeter gesammelt. Damit eignet sich die verkehrsarme Serpentinenstraße mit herrlichen Ausblicken sehr gut, um jedem Athleten ein Gefühl für das Fahren längerer Anstiege zu vermitteln. Der Gruppenverband wird hier bewusst aufgelöst, damit jeder Sportler in seinem individuellen Pulsbereich für das Grundlagentraining fahren kann. Selbstverständlich warten alle, bis auch der letzte an der Passhöhe angekommen ist. Hier erwartet die Athleten eine gute Nachricht, denn bis zum Hotel geht es nun fast ausschließlich bergab. Wer am Berg überzockt hat, kann nun ohne größere Belastung ausrollen.

In dieser Phase ist es besonders wichtig, weiterhin konzentriert zu bleiben. Oft passieren Unfälle genau jetzt, bei der Rückkehr in die verkehrsreicheren Küstenorte. Deshalb wollen wir nun auf die wichtigsten Handzeichen im Gruppentraining eingehen:

 

Die Handzeichen beim Radfahren in der Gruppe

Vor einigen Wochen haben wir Ihnen bereits die Besonderheiten des Radfahrens in der Gruppe vorgestellt (Lesen Sie dazu auch: Das Radtraining in der Gruppe). Da in einem Trainingslager sehr oft in der Gruppenformation geradelt wird, sind die beim Gruppenfahren gebräuchlichen Handzeichen äußerst wichtig. Besonders auf den ersten oder letzten Kilometern der täglichen Radausfahrt, wenn es gilt, die verkehrsreichen Touristenorte an der Küste zu durchfahren, tragen die Handzeichen zur Sturz- und Pannenvermeidung bei.

Bedeutung und Anwendung von Handzeichen sollten daher alle Sportler in einer Trainingsgruppe kennen und im Ernstfall auch gebrauchen. Es ist wichtig, dass alle Zeichen von vorn nach hinten weitergegeben werden, damit auch der letzte Athlet in der Reihe gewarnt wird. Kommt es zu besonders brenzligen und unerwarteten Situationen, in welchen die Zeit nicht mehr ausreicht oder das Loslassen des Lenkers zum Anzeigen der Gefahr mit zusätzlichen Gefahren verbunden wäre, ist lautes Rufen am zweckmäßigsten.

 

Abbiegen, Anhalten und Abbremsen

Fingerzeig nach links bedeutet: Abbiegen nach links;

Fingerzeig nach rechts bedeutet: Abbiegen nach rechts.

 

Bei nach unten gerichteter Handfläche sollten sich die Hintermänner auf eine Verlangsamung des Tempos einstellen und bremsbereit sein.

Da wir besonders im Süden Kreisverkehre in allen Variationen vorfinden, sollte vor dem Einfahren in den Kreisverkehr bereits die Ausfahrt angezeigt worden sein. Das geht ganz einfach mit einem Fingerzeig in die entsprechende Richtung. Zu den grundlegenden Zeichen gehört ebenfalls, die Mitfahrer vor Verkehrssituationen zu warnen, die Anhalten oder zumindest ein Langsamer-werden erfordern.

 

Hindernis auf dem Straßenbelag

Der Fingerzeig kündigt ein Hindernis und dessen Position an.

Bereits kleinere Löcher werden für Rennradreifen zur Sturz- oder Pannenquelle. Schlaglöcher, Steine oder Scherben, die solche Reifendefekte hervorrufen können, werden beim Training allein meist ohne größere Beachtung umfahren. Im Gruppentraining müssen diese Hindernisse aber unbedingt durch Handzeichen angezeigt werden, denn nur die Fahrer in der Führungsposition können diese sehen. Ist ein gefährliches Objekt auf der Fahrspur erkannt, deuten die Fahrer mit dem Zeigefinger auf den Boden. Zeigt beispielsweise der in Führung links fahrende Sportler nach rechts unten, wird das Hindernis links umfahren. Der rechts in Führung fahrende Sportler zeigt dann entsprechend nach links unten und fährt rechts am Objekt vorbei.  

 

Hindernis am Straßenrand

(z. B. Parkendes Auto oder langsamerer Radfahrer)

Der Schwenk um den Körper herum signalisiert das Umfahren eines Hindernisses am Rand.

Manche Hindernisse sind so groß, dass die Gruppe dieses nicht durch Teilung links und rechts umfahren kann. Einem am Straßenrand parkenden Auto oder einem langsameren Radfahrer weicht die Gruppe geschlossen aus. Die Ausweichbewegung wird durch ein Handzeichen hinter dem Körper angezeigt. 

  

Schienen oder Bodenwellen

Querhindernisse werden am besten mit dem „Scheibenwischer“ angekündigt.

Querhindernisse sind besonders tückisch, wenn der Radfahrer unvorbereitet darüberfährt. Im Extremfall wird der Lenker verrissen und es kommt zum Sturz. Schienen sollten unbedingt gemieden werden, wenn Sie parallel oder im flachen Winkel zur Fahrtrichtung verlaufen.

 

Aus dem Sattel gehen

Sieht man selten, ist aber äußerst rücksichtsvoll: Das Ankündigen des Wiegetritts.

Besondere Rücksichtnahme beweisen Sie im Radtraining mit der Ankündigung des Wechsels in den Wiegetritt. Beim Wechsel in den Wiegetritt kommt es zu einer kurzzeitigen abrupten Vortriebsunterbrechung, die der Fahrer meist selbst gar nicht wahrnimmt. Für den Hintermann ist die Verlangsamung aber deutlich zu spüren, wenn er sich mit seinem Vorderrad direkt am plötzlich langsamer werdenden Vordermann befindet. Im ungünstigsten Fall kann es dann zur Kollision und zum Sturz kommen. Angezeigt wird die Absicht, aus dem Sattel zu gehen durch das abgebildete Handzeichen oder – ohne den Lenker loszulassen – durch beidseitiges Abspreizen der Finger. So gewarnt kann der Hintermann sein Vorderrad in eine versetzte Position bringen, damit es nicht zur Berührung kommen kann. Das Handzeichen muss übrigens nicht nach hinten weitergegeben werden.

 

Wechseln in Einer-Reihe

Beim Umfahren sehr breiter Hindernisse, geänderter Verkehrslage oder ausdrücklicher Anweisung durch Straßenschilder kann der kurzzeitige Wechsel in die Einer-Reihe notwendig werden. Der Wechsel muss mit einer Tempoerhöhung der Vorausfahrenden eingeleitet werden, damit die in linker Position Fahrenden hinter ihrem Nebenmann einscheren können. Mit einem nach oben gestreckten Finger wird der Wechsel in Einer-Reihe angekündigt, durch Hochstrecken von zwei Fingern wird das Zurückkehren zur Zweier-Reihe annonciert.

 

Führungswechsel

Zum Gruppentraining gehört ein kontinuierliches Abwechseln in der Führungsarbeit. Das Anzeigen des Wechsels ist zwar nicht „sicherheitsrelevant“, aber hilfreich, um den Hintermännern das plötzliche Ausscheren und die Temporeduktion an der Spitze anzukündigen.

 

Daniel Kilb

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