Race around Austria 2011 - Herausforderung Großglockner und die Fahrt auf Platz 2

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Tag drei des Rennens wird ein ganz entscheidender Tag: Enorme Anstiege, z. B. das Gailtal in Osttirol bei voller Hitze, der Großglockner am späten Nachmittag, danach der Gerlospass in strömenden Regen, im weiteren Verlauf noch Kühtai und die Bielerhöhe – wem es bisher noch nicht extrem genug war, wird nun reichlich bedient.

Auch die Betreuer kämpfen mit den Bedingungen, ein Wohnmobil über den Großglockner zu steuern (und wieder hinunter) ist für einen nicht ganz so geübten Fahrer durchaus eine Herausforderung. Die Routine der vergangenen Tage hilft dem Team, in Stresssituationen reagiert der eine oder andere jedoch auch gereizt. Hier zeigt sich aber die Stärke des Teams: Alle stellen sich in den Dienst der Sache, persönliche Befindlichkeiten werden zurück gestellt.

Der Laptop zeigt die Position der Verfolger.

Die Fitness der Fahrer ist erstaunlich: Nicht nur, dass sie ohne Einbrüche ihre zweistündigen Intervalle herunterspulen, sie überlegen nunmehr, ob man noch ein wenig mehr Druck machen kann. Bei immer noch ca. 600-700km bis zum Ziel ein schwierige Entscheidung. Dann passiert es: In der Nacht von Tag 3 auf Tag 4 wird das bis dahin zweitplatzierte Team überholt. Zwischenzeitlich hatten diese mehr als zwei Stunden Vorsprung, nun ist das Team um Robert und Fritz „am Drücker“ – und wird schlagartig vom Verfolger zum Gejagten. Denn auch die anderen Teams fahren überwiegend mit Laptops in den Begleitfahrzeugen und sind über Internet und GPS genauestens über die Positionen der Mitkonkurrenten informiert.

Echtes Rennfeeling am letzten Tag

Aus dem ursprünglichen Vorhaben, „einfach nur anzukommen“, wird nach 3 Tagen und Nächten ein echtes Radrennen, denn alle Beteiligten wollen den zweiten Platz unbedingt bis ins Ziel in Schärding halten. Die Müdigkeit weicht dem Anspruch, noch einmal alles zu geben – die Fahrer schrauben ihr Stundenmittel auf den überwiegend flacheren letzten Teilstücken auf 30km/h und mehr, die Betreuer arbeiten fieberhaft an jedem Handgriff, die Wechsel gelingen in Rekordzeit. Ausruhen will sich keiner mehr, erstaunlich was der menschliche Körper durch ein bisschen „Extra-Motivation nach 3-4 Tagen mit insgesamt(!) ca. 4 8 Stunden richtigem Schlaf noch zu leisten vermag.“

Dennoch klappt nicht alles reibungslos: Zwei Navigationsfehler kosten wertvolle Zeit, der Umgangston wird rauher, und das nunmehr drittplatzierte Team sitzt uns mit schwankenden Abständen zwischen 15 und 45 Minuten förmlich im Nacken – auch sie geben nicht auf.

Roberts Gesäß ist von den Anstrengungen der letzten Tage so strapaziert, dass nur eine improvisierte Schaumstoffpolsterung auf dem Sattel einigermaßen schmerzfreies Fahren erlaubt. Doch solche „Nebensächlichkeiten“ interessieren nun niemanden mehr, es wird gefahren, was der Körper (und der Geist) hergibt.

Erst ca. 50km vor dem Ziel ist das Rennen um Platz 2 endgültig entschieden: Mehr als 45 Minuten Vorsprung sind von der Konkurrenz nicht mehr einzuholen, deren Tempo lässt nach. Glücksgefühle machen sich breit, es bleibt sogar genug Zeit für das eine oder andere Foto am Straßenrand. Die Betreuer sprechen telefonisch mit den in Schärding wartenden Familien die Zielankunft ab.

Die Familien warten schon im Ziel

Feier und Siegerehrung nach 2.200 km mit dem gesamten Team und Familien.

Die letzten Kilometer werden zu einer entspannten „Tour d’Honneuer“ und im Ziel, mittags gegen 13:30h nach 92 Stunden und 49 Minuten, kennt der Jubel keine Grenzen. Auch über den zweiten Platz kann man sich freuen wie Sieger und gemäß dem Sinn des „Race Around Austria“ wird jeder, der das Ziel überhaupt erreicht, gefeiert wie ein solcher.
Somit ist ein solches Ausdauerrennen nicht nur eine sportliche Herausforderung, erst das Erlebnis als Team aus Fahrern und Betreuern macht es zu etwas Besonderem. Interessant ist, wie man körperliche und mentale Grenzen erlebt und damit gemeinschaftlich umzugehen lernt – Erfahrungen, die auch in anderen Lebenssituationen sehr hilfreich sein können. Vielleicht ist das am Ende sogar der wertvollste Aspekt einer solchen Unternehmung…

Teil 1:

Race Around Austria 2011 – Der Start in Schärding und die ersten Nächte

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