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Die Ausdauer-Disziplinen im Mountainbiken

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Welche Ausdauerdisziplinen gibt es im Mountainbike-Bereich und was sind die Anforderungen?

Nachdem der letzte Artikel den Abfahrtdisziplinen gewidmet war, setzt sich dieser Artikel mit den Ausdauerdisziplinen auseinander. Zu den Ausdauerdisziplinen gehören Cross Country, Cross Country Eliminator, MTB-Marathon, Etappenrennen und Sonderwettbewerbe, z. B. 24-Stunden-Rennen (vgl. BDR, 2012).

Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte des Reglements gemäß der Wettkampfbestimmungen des Bundes Deutscher Radfahrer erwähnt, die die Disziplinen charakterisieren. Anschließend wird ein Anforderungsprofil der einzelnen Disziplinen erstellt. Da es zum Stellenwert der Fahrtechnik keine wissenschaftlichen Untersuchungen gibt, muss hier auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden.

 

Cross Country (XCO)

Ein Mountainbike Cross-Country-Rennen wird auf einem Rundkurs ausgetragen, der ca. 4-6 km lang ist. Diese Runde muss mehrfach befahren werden und darf nicht mehr als 15 % Asphaltanteil beinhalten (vgl. BDR, 2011, S. 10). Die Strecke beinhaltet Anstiege und Abfahrten unterschiedlicher Länge und Steigung und führt über Feld- und Waldwege. Heutzutage liegt die Renndauer bei den Herren bei ca. 2 Stunden, bei den Damen sind die Rennen ungefähr 15 Minuten kürzer. Cross-Country-Rennen werden mit einem Massenstart gestartet und Sieger ist der Fahrer, der die vorgegebene Anzahl an Runden am schnellsten zurückgelegt hat.

 

Cross Country Eliminator (XCE)

Der Cross Country Eliminator, auch MTB-Sprint genannt, ist die jüngste Disziplin, die sich jedoch großer Beliebtheit erfreut und sehr zuschauerfreundlich ist. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Saalfelden wurden erstmals die Titel des Weltmeisters in dieser Disziplin vergeben. Es handelt sich um ein Ausscheidungsrennen über mehrere Läufe. Die Runde ist zwischen 500 und 1.250 m lang und wird pro Lauf 1- bis 2-mal bewältigt, wobei eine maximale Renndauer von 3 Minuten nicht überschritten werden darf. Die Rennstrecke soll natürliche und künstliche Hindernisse enthalten, darf aber keine Laufpassagen aufweisen. Es fahren, abhängig vom Modus, 4 oder 6 Fahrer auf der gleichen Strecke gegeneinander. Vergleichbar mit dem Four Cross erreichen die beiden schnellsten Fahrer den nächsten Lauf, die anderen sind ausgeschieden (vgl. BDR, 2012, S. 13f).

 

MTB-Marathon (XCM)

Die Strecke eines MTB-Marathons hat grundsätzlich die Merkmale eines Cross Country-Rennens zu enthalten. Die Streckenlänge liegt bei der Langdistanz bei bis 120 km. Es werden bei den meisten Marathons jedoch auch kürzere Strecken von ca. 60 km und eine Einsteigerrunde von ca. 30 km angeboten. Die Distanz kann auf einem Rundkurs mehrfach befahren werden oder als einzelne Runde. Der Start erfolgt als Massenstart in Startblöcken, Sieger ist der Sportler, der die Distanz als Schnellster zurückgelegt hat (vgl. BDR, 2012, S. 18).

 

Etappenrennen

Ein Etappenrennen läuft über mindestens 3 und maximal 9 Tage, wobei pro Tag nur eine Etappe gefahren werden darf. Es können sowohl Einzelstarter als auch Teams starten. Zugelassen zur nächsten Etappe ist nur, wer die vorherige Etappe beendet hat. Das bekannteste Etappenrennen ist die Transalp. Ein Etappenrennen kann in verschiedenen Disziplinen ausgetragen werden (vgl. BDR, 2012, S. 25). Sieger ist der Fahrer/das Team mit der schnellsten Gesamtzeit aller Einzelergebnisse.

 

24-Stunden-Rennen

Der Trend zu immer extremeren sportlichen Herausforderungen hat sich im Mountainbiken in den 24-Stunden-Rennen niedergeschlagen. Da es sich hierbei um einen sog. Sonderwettbewerb handelt, kann der Veranstalter das Reglement frei bestimmen. In der Praxis hat sich eine Einteilung in Achter-, Vierer- und Zweierteams sowie Einzelstarter etabliert. Die Runde ist häufig fahrtechnisch wenig anspruchsvoll, weist aber eine größere Distanz auf als bei einem Cross Country-Rennen. Sieger in seiner Kategorie ist das Team bzw. der Starter, der die meisten Runden innerhalb von 24 Stunden zurückgelegt hat. Bei Rundengleichheit entscheidet die Zeit, in der die Distanz zurückgelegt wurde.

 

Anforderungsprofile der Ausdauerdisziplinen

Die Ausdauer ist in den o. g. Disziplinen die wichtigste Fähigkeit. Im XCE wird eine gute Grundlagenausdauer immer wichtiger, je länger die Wettkampfdauer ist. So holte sich ein XCO-Fahrer auch den Weltmeistertitel vor 2 Sprintspezialisten. Da von der Quali bis zum Finallauf 5 Läufe gefahren werden müssen, spielt die Ausdauer und Erholung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Aufgrund der kurzen Fahrtzeit und der vielen Antritte nach Richtungswechseln sollte der Sportler über ein hohes Maximalkraftniveau verfügen. Allerdings darf auch hier der Stellenwert der Fahrtechnik nicht unterschätzt werden. Aufgrund der kurzen Renndauer von maximal 3 Minuten pro Lauf werden Fehler oder Unsicherheiten gnadenlos bestraft. Wer an den Hindernissen (Treppen, Kurvenfahren, Sprünge) Zeit verliert, hat keine Chance auf das Erreichen der nächsten Runde.

Die konditionelle Anforderung an XCO-Fahrer sind seit der Untersuchung von Stapelfeldt et al. (2002) bekannt, sodass hier nicht weiter drauf eingegangen wird (s. Cross Country: Olympische Disziplin aber nur wenig bekannt).

Die Strecken stellen von Jahr zu Jahr einen immer höheren Anspruch an die Fahrtechnik der Sportler, sodass die Rennen nicht mehr nur bergauf, sondern immer häufiger auch bergab (vor-)entschieden werden. Zu sehen bpsw. beim Sieg Nino Schurters beim Worldcup in Pietermaritzburg (ZA) 2011.

XCM-Wettbewerbe weisen längere Anstiege und meistens weniger anspruchsvolle Abfahrten auf. Aufgrund der Länge der Wettbewerbe ist eine hohe Ausdauerleistungsfähigkeit zwingend notwendig. Trotz der geringeren fahrtechnischen Anforderung sollte auch im Breitensport die Fahrtechnik ausreichend und separat geübt werden. Gerade im Altersklassenbereich lässt sich u. U. viel Zeit in den Abfahrten herausfahren. Und selbst wenn Sie keine Zeit gutmachen können, da Ihr Vordermann keine Überholmöglichkeit zulässt, kommen Sie entspannter am Ende der Abfahrt an und haben Energie gespart, die Ihnen am Ende eines Marathons zu Gute kommen wird.

Bei Etappenrennen spielt die Ausdauer aufgrund der vielen Wettkampftage die Basis. Die Kraftfähigkeiten rücken dadurch im Vergleich zum Marathon noch weiter in den Hintergrund, dürfen aber trotzdem nicht unterschätzt werden. Die fahrtechnischen Anforderungen sind stark von der Veranstaltung abhängig. Während die Trans Germany in den letzten Jahren einen erschreckend hohen Asphaltanteil aufwies, sind bei Transalp, TransRockies oder Cape Epic auch fahrtechnisch anspruchsvolle Auf- und Abfahrten zu bewältigen.

 

Marc Schäfer

 

Quellenangaben: 

1. Bund Deutscher Radfahrer (BDR) (2012). Wettkampfbestimmung Mountainbike (MTB). Frankfurt.

2. Stapelfeldt, B./Schwirtz, A./ Schumacher, Y.O. (2002). Belastung und Beanspruchung in Mountainbike-Cross-Country-Wettkämpfen. Leistungssport, 32 (2), 21-28.

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