Hintergrund

Wettkampfsystem MTB Cross Country

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Das Wettkampf- und Fördersystem im MTB-CrossCountry

Die meisten Mountainbike-Rennen finden unbemerkt von der Öffentlichkeit statt. Daraus resultiert die Problematik, dass Eltern oft gar nicht wissen, wo sie ihre Kinder starten lassen können. Dieser Artikel soll helfen, das Wettkampf- und Fördersystem des Cross Country zu erläutern.

Das Mountainbike ist das Fahrradmodell, das am meisten verkauft wird. Nahezu jedes Kind, das ein Rad besitzt, besitzt ein Mountainbike. Mit dem Mountainbike kann man nun mal auch überall fahren, egal ob auf der Straße oder im Gelände. Dennoch gibt es nur wenige Kinder, die das Mountainbiken als Wettkampfsport ausüben. Ausgenommen ist hierbei Baden-Württemberg, das auch in den Nachwuchsserien auf große Teilnehmerfelder verweisen kann.

Aufgrund der Austragung im Wald finden die meisten Rennen unbemerkt von der Öffentlichkeit statt. Lediglich die großen Veranstaltungen mit internationalem Starterfeld, wie Worldcups oder die internationale MTB-Bundesliga, werden auch in den Austragungsorten so beworben, dass das breite Publikum darauf aufmerksam wird. Daraus resultiert die Problematik, dass Eltern, die keine Affinität zum MTB-Sport haben, gar nicht wissen, wo sie ihre Kinder starten lassen können. Dieser Artikel soll helfen, das Wettkampf- und Fördersystem zu erläutern.

In den Bundesländern, in denen die olympische Disziplin Cross Country aktiv betrieben wird, gibt es für den Nachwuchs Rennserien. Diese bestehen aus mehreren Einzelveranstaltungen, die sich zu einer Serie zusammengeschlossen haben und sich über das Sommerhalbjahr erstrecken. In Hessen ist das der MTB Hessencup, in Nordrhein-Westfalen der NRW-Cup, der Rheinland MTB-Cup in Rheinland-Pfalz, oder der Kids-Cup in Baden-Württemberg. Während die 3 erstgenannten Rennserien allen Altersklassen eine Startmöglichkeit bieten, richtet sich der Kids-Cup an den Nachwuchs von 8-14 Jahren. In der Regel gibt es bei diesen Rennserien bei jeder Einzelveranstaltung Punkte für das Tagesergebnis, woraus am Ende eine Gesamtwertung entsteht. Die Bundesnachwuchssichtung stellt auf Bundesebene die hochrangigste Serie für Sportler der Altersklassen U15 und U17 dar. 2012 wurden diese in Hausach (BaWü), Pracht (RLP), Gedern (HES) und Remchingen (BaWü) ausgetragen. Für die Gesamtwertung zählt auch das Ergebnis der Deutschen Meisterschaft.

 

Der Technikteil

In der Bundesnachwuchssichtung müssen die Sportler/innen samstags einen Technikteil absolvieren. Das Ziel ist es, in den jungen Jahren die Fahrtechnik des Radsports in den Vordergrund zu rücken. Es ist immer wieder zu beobachten, dass die Sportler/innen, die in den Nachwuchsklassen die Fahrtechnik vernachlässigt haben, auch im Cross Country-Rennen (bergab) erhebliche Nachteile haben. Des Weiteren haben dadurch auch körperlich langsamer entwickelte Kinder, die fahrtechnisch jedoch stark sind, eine Chance auf gute Platzierungen.

Der Technikteil besteht aus einem Trial, einem Slalom oder Sprintrennen.

- Ein Trial ist ein aus mehreren Abschnitten bestehender Parcours, der bewältigt werden muss, ohne dass sich der Fahrer/die Fahrerin abstützen oder den Fuß absetzen muss. Ist dies der Fall, gibt es für diese Sektion keinen Punkt. Der Fahrer mit den meisten Punkten gewinnt den Trial.

- Besteht die Technikdisziplin aus einem Slalom, müssen die Sportler eine Abfahrt im Einzelstart 2-mal auf Zeit fahren. Das Tagesergebnis ergibt sich aus Addition der Fahrtzeit beider Läufe.

- Im Sprintrennen treten 4 Fahrer gleichzeitig gegeneinander auf derselben Strecke an. Die beiden schnellsten Sportler erreichen die nächste Runde, die anderen beiden scheiden aus. Im Turniermodus geht es so bis zum Finallauf.

Auf Basis des Technikergebnisses vom Samstag wird die Startaufstellung am Sonntag beim Cross Country-Rennen vorgenommen.

(Grundlegende Anforderungen beim MTB Cross Country)

  

Die Landesserien

Das Ziel der Landesserien ist es, den jungen Altersklassen die Möglichkeit zu bieten, in den Cross Country-Sport hineinzuschnuppern, gleichzeitig aber den Spitzenfahrern der Altersklassen U15 und U17 die Möglichkeit zu geben, unter Wettkampfbedingungen zu trainieren. Gerade im MTB Hessencup wird dieses Ziel sehr intensiv verfolgt und gut umgesetzt. Dort müssen die Sportler bis einschließlich U17 bei jeder Veranstaltung morgens einen Technikteil absolvieren, anschließend folgt das Cross Country-Rennen. Natürlich ist auch die alleinige Teilnahme am Rennen möglich. Es zeigt sich jedoch immer wieder, dass die Sportler, die regelmäßig am MTB Hessencup teilgenommen haben, fahrtechnisch gut auf die Nachwuchssichtung vorbereitet sind. Inzwischen sind es nicht wenige Sportler, die den Sprung bis in den Nationalkader geschafft haben. Trotzdem bleibt die Rennserie weiterhin für Jedermann offen.

 

Landes- und Bundeskader

Die Landesserien dienen den jeweiligen Landestrainern als Sichtungsrennen für die Nominierung in den Landeskader. Über gute Platzierungen können sich die Sportler empfehlen und auf eine Förderung durch den Landesverband hoffen. Jedoch reicht die alleinige Teilnahme an der Landesserie ab spätestens U17 nicht mehr aus, um in den Landeskader berufen zu werden. Dort ist die regelmäßige Teilnahme an der Nachwuchssichtung notwendig. Die Kriterien zur Nominierung in den Landeskader sind jedoch nicht einheitlich. Auch für die Nominierung in den Bundeskader (ab U17) gibt es keine festgelegten Platzierungen, die erreicht werden müssen. Allerdings ist hierzu die regelmäßige Teilnahme an der Nachwuchssichtung Pflicht. Die Landesserie ist für die Bundestrainer nicht von Bedeutung. Die Entscheidung treffen immer die Landes- bzw. Bundestrainer, die sie vom Präsidium des Landesverbands bzw. Bund Deutscher Radfahrer absegnen lassen müssen.

Ab der Altersklasse U19 werden die nationalen Rennen im Rahmen des internationalen MTB Bundesliga ausgetragen. Eine Technikprüfung ist dort nicht mehr als separate Disziplin vorhanden, sondern es wird ausschließlich das Cross-Country-Rennen gefahren. Die Rennen sind international besetzt, sodass man sich mit der Konkurrenz aus dem Ausland messen kann.

 

Teilnahme an Wettkämpfen

Grundsätzlich kann im Mountainbikesport jeder Sportler an jedem Rennen teilnehmen. Er muss sich lediglich anmelden. Bis einschließlich der Altersklasse U15 starten auch lizensierte und nicht-lizensierte Sportler im gleichen Rennen. Ab U17 ist dies nicht mehr möglich. An Landes- und Deutschen Meisterschaften kann nur teilnehmen, wer Mitglied in einem Radsportverein oder Verein mit angemeldeter Radsportabteilung und in Besitz einer gültigen Rennlizenz ist. Diese ist vergleichbar mit einem Spielerpass beim Fußball.

Empfehlenswert ist ein Start bei einem Rennen auf Landesebene. Dort ist die Konkurrenz am geringsten und der Sprössling wird den meisten Spaß haben. Trotzdem sollten Sie Ihren Nachwuchs auf die Anforderungen des Wettkampfes vorbereiten. Neben dem Ausdauertraining zählt insbesondere die Fahrtechnik zu den wichtigsten Elementen des Mountainbiketrainings.

Informationen zu den Rennen finden Sie auf den Homepages der Rennserien sowie des Bund Deutscher Radfahren.

 

Marc Schäfer

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