Radtraining

Irrglaube im Radtraining: Grundlagenausdauer lässt sich besser über Leistung steuern

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Welche Leistungsmesser sind im Radsport sinnvoll?

Seit einigen Jahren verbeiten sich auch im Freizeitsport immer mehr mobile Leistungsmesser. Trainer und Experten nehmen an, dass sich das Training effektiver über die gemessene Leistung als über eine Pulsuhr gesteuert werden kann, da der Puls unterschiedlichen Einflussgrößen unterliegt.

Triathleten und Radsportler trainieren einen Großteil ihres Trainings im Grundlagenausdauerbereich. Bei diesem niedrigintensiven Trainingsbereich werden bei ambitionierten Sportlern Trainingseinheiten von 3 - 6 Stunden in einem Bereich trainiert, der als Grundlagenausdauerbereich 1 bezeichnet wird. Jahrelang wurde das Training auf dem Rad über Pulsuhren gesteuert. Seit einigen Jahren verbeiten sich auch im Freizeitsport immer mehr mobile Leistungsmesser. Trainer und Experten nehmen an, dass sich das Training effektiver über die gemessene Leistung steuern lässt, da der Puls unterschiedlichen Einflussgrößen unterliegt.

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Was ist der Grundlagenausdauerbereich

Beim Grundlagenausdauertraining liegt eine geringe Belastungsintensität vor. Werden die Trainingsbereiche über eine Leistungsdiagnostik bestimmt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, um diese Zone festzulegen. Bei einer Spiroergometrie gilt die 1. Ventilatorische Schwelle als Obergrenze für den Grundlagenausdauerbereich. Ab diesem Punkt wird messbar mehr Luft ventiliert, um im Körper einen Liter Sauerstoff verfügbar zu machen. Im Ergebnis erhält man einen Pulsbereich und eine Leistungszone, innerhalb der die Energiebereitstellung im Schwerpunkt aerob erfolgt. Bei Trainingseinheiten auf dem Rad sind insbesondere die langfristigen Anpassungen, wie das Optimieren der aeroben Energiebereitstellung, und physiologischen Veränderungen, wie eine gesteigerte Kapilarisierung, die Folge.

 

Leistung messen?

Derzeit bieten verschiedene Anbieter Systeme an, mit deren Hilfe die Leistung gemessen werden kann. Im Prinzip werden über Dehnmessstreifen und elektrische Signale Drehmomente bestimmt. Im Ergebnis zeigen Fahrradcomputer am Lenker an, mit welcher Leistung das Fahrrad beschleunigt wird. Da die Trainingsbereiche sowohl über die getretene Leistung im Labor als auch über eine zugeordnete Herzfrequenz erfasst werden, kann anhand der aktuell getretenen Leistung eine Trainingszone ermittelt werden.

 

Die Herzfrequenz driftet

Wenn Sie eine längere Radausfahrt machen, verändert sich die Herzfrequenz ermüdungsbedingt. Das bedeutet, dass Sie am Ende einer Ausfahrt möglicherweise bei derselben Herzfrequenz eine geringere Geschwindigkeit fahren. Einige Trainingsexperten führen an, dass aus diesem Grund das Training der Ausdauer besser über einen Leistungsmesser gesteuert werden sollte. Als Argument wird angeführt, dass 100 Watt auch am Ende einer Trainingseinheit 100 Watt seien. Allerdings unterliegt diese Annahme einem schwerwiegenden Denkfehler, denn der „Pulsdrift“ ist ein Zeichen für Ermüdung. Dass Sie am Ende einer langen Radausfahrt also langsamer fahren als am Anfang, kann druchaus gewollt ein.

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Leistung und Herzfrequenz sind nicht identisch!

In einem Experiment zeigten sich die Probleme zwischen Herzfrequenz und leistungsbasierter Trainingssteuerung. Bei einem Radsportler wurde anhand einer Leistungsdiagnostik die anaerobe Schwelle bestimmt. In 2 folgenden Versuchsreihen wurde einmal die Herzfrequenz als Steuerungsinstrument herangezogen und einmal die Leistung. Ziel war es bei einer Ausfahrt auf einer Bahn so lange wie möglich an der Schwelle zu fahren. Im Ergebnis lief die herzfrequenzbasierte Fahrt doppelt so lange wie die leistungsbasierte Fahrt. Auch die gemessenen Laktatwerte waren im Anschluss an die Leistungssteuerung wesentlich höher.

 

Fazit

Die Aussage, dass Leistungssteuerung beim Radfahren der Herzfrequenzssteuerung überlegen ist, ist falsch! Richtig ist, dass beim Radtraining kein „entweder - oder“ existiert. Wer sich einen Leistungsmesser leisten kann, sollte beide Parameter beachten.

Dennis Sandig

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