Triathlon Trainings-Camp Teil 3

Der erste Trainingstag im Trainingslager

+
So könnte Ihr erster Tag in einem Trainingscamp für Triathleten wie dem T3 auf Teneriffa aussehen.

Der erste Trainingstag in unserem Trainingscamp auf Teneriffa steht an. Wir stellen Ihnen heute zunächst die Insel und das T3-Trainingszentrum vor, um dann zur ersten Radausfahrt zu starten.

Radtraining auf Teneriffa

Unter deutschen Radfahrern und Triathleten gilt Teneriffa noch immer als Geheimtipp. Ungläubig staunen die Mallorca-Fans, wie Radausfahrten im Grundlagenbereich auf einer Insel durchführbar sind, die quasi keine Touren ohne beträchtliche Höhenmeterleistungen zulässt. Tatsächlich sind auf Teneriffa lange flache „Roller-Touren“ kaum möglich. Stattdessen warten viele wellige und einige sehr bergige Touren auf die Athleten. Wer sich beispielsweise zum Teide, dem mit 3718m höchsten Berg Spaniens aufmacht, darf sich bis zum Erreichen der Passhöhe bei rund 2400m auf eine mindestens dreistünde Kletterpartie einstellen. Die im Mittel sechsprozentige Steigung auf guten und ruhigen Straßen sorgt aber dafür, dass jeder Athlet diese Prüfung gut bewältigt und seine individuellen Trainingsbereiche ganz problemlos ansteuern kann. Ganz sicher geht, wer eine Kompaktkurbel oder ein Ritzel mit 27 Zähnen montiert hat.

Neben den eindrucksvollen Landschaften und verkehrsarmen Bergtouren hat der Süden Teneriffas quasi eine Schönwettergarantie zu bieten. Selten werden hier Temperaturen unter 20 Grad gemessen, Wind und Regen beeinträchtigen nur an sehr wenigen Tagen den Trainingsspaß.

 

Das „ T3“

Das T3-Trainingszentrum liegt im Süden Teneriffas, nur rund 20 Minuten vom Flughafen entfernt. Etwas abgelegen vom sehr belebten Play de las Americas, können sich die Sportler hier in Ruhe auf Training und Regeneration konzentrieren.

In dem sehr modernen Trainingszentrum bereiten sich vor allem Schwimmer auf ihre Saisonziele vor und schätzen die Abwechslung vom monotonen Hallentraining. Im 25- und 50m-Pool des T3-Trainingszentrums stehen von morgens bis abends Schwimmbahnen zum freien oder angeleiteten Training zur Verfügung. Tartanbahn, Kraftraum und Rasenflächen werden für die Einheiten an Land genutzt. Highlight der Anlage ist ein Strömungskanal, welcher zur Analyse und Korrektur der Schwimmtechnik genutzt werden kann. (Lesen Sie auch: Worauf kommt es bei einem Trainingscamp an?)

  

Die passende Radrunde für´s Einrollen

http://www.gpsies.com/map.do;jsessionid=96F8B92FA73680A7B2963D8C32C76BA8?fileId=cjficortgeykgvvg

Zum Start des Trainingslagers bleibt der Pool vorerst unbeachtet, denn alle Sportler fiebern der ersten Radausfahrt entgegen. Auch die Berge werden einstweilen links liegen gelassen. Um Intensität und Dauer in einem angemessenen Rahmen zu halten, bietet sich eine Tour entlang der Küste nach El Médano an.

Auf dieser Route warten keine größeren Hürden. Auch das hektische Treiben im verkehrsreichen Playa de las Americas lassen wir schnell hinter uns und biegen bei Las Chafiras Richtung Küste ab. Ab hier schlängelt sich eine kleine Landstraße mit leicht welligem Profil bis zum sogenannten „Surferparadies“ El Médano. Natürlich darf der obligatorische „Café con leche“ an der Strandpromenade nicht fehlen, bevor die Rückfahrt in entgegengesetzter Richtung angetreten wird.

Am Ende des Tages kann so eine Trainingsstrecke von 55km (~600 Höhenmeter) in den Trainingstagebüchern fürs Ausdauertraining vermerkt werden. Spätestens jetzt fragen sich die ersten Sportler, ob nicht auch eine längere Runde möglich gewesen wäre. Was ist also der Sinn solch einer Auftaktrunde?

 

Der 1. Belastungsblock in einem Trainingslager ist tückisch

Im ersten – meist dreitägigen – Trainingsblock eines Trainingscamps lauern die größten Gefahren. Hier sind alle Athleten motiviert und noch ausgeruht, jeder möchte die nun im Überfluss zur Verfügung stehende Trainingszeit maximal auskosten. Das warme Wetter und die Gruppendynamik tragen zusätzlich dazu bei, dass in den ersten Tagen dann viel zu intensiv und zu umfangreich trainiert wird. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass der Körper mit der Umstellung von Winterwetter auf Sommer, dem Reisestress und selbst der (wenn auch geringen) Zeitumstellung durchaus überfordert sein kann. Einige erfahrene Trainer empfehlen deshalb sogar, bei Trainingslagern auf den Kanaren, gleich zu Beginn einen zusätzlichen Ruhetag einzuschieben.

 

Umfang dem zurückliegenden Training anpassen

Die erste Ausfahrt auf der Insel wird daher ganz bewusst äußerst locker angegangen. Alle Sportler haben dank des frostigen und schneereichen deutschen Winters wenig auf dem Rennrad trainieren können. Die meisten haben versucht, ihre Radform so gut es geht, mit Langlauf, Spinning, Rollentraining oder Mountainbiken auf einem bestimmten Grundniveau zu stabilisieren. Trotzdem stellt das nun fast tägliche anstehende Radtraining über mehrere Stunden eine enorme Belastungssteigerung dar. Dabei ist nicht nur die einzelne Trainingseinheit problematisch. Wer im Heimtraining bei der sonntäglichen Ausfahrt mit den Trainingskollegen überzieht, stellt am folgenden Montag einfach das Rad in die Ecke, Zeit für längere Touren steht an Werktagen ja meist ohnehin nicht zur Verfügung. Im Trainingslager ist aber jeden Tag „Sonntag“. Das Training wird am Folgetag fortgesetzt, meist sogar mit gesteigertem Umfang. Die Wahl einer eher konservativen Einstiegsbelastung ist also sehr wichtig, damit der Körper nicht schon nach wenigen Tagen rebelliert.

 

Wie hoch sollten Trainingsumfang und -intensität sein?

Einsteiger sollten besonders bei der ersten Radausfahrt stets auf den Trainingspuls achten und gegebenenfalls eine Radgruppe wählen, die mit einer geringeren Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs ist, wenn der Puls zu oft aus dem Grundlagenbereich driftet. Bei der Wahl der vorteilhaftesten Einstiegsbelastung gibt es aber kein einheitliches Erfolgsrezept. Athleten, die schon einige Trainingslager absolviert haben, profitieren hier von ihrer Erfahrung. Einsteigern sei geraten, im ersten Block ganz bewusst mit angelegter Handbremse zu trainieren. Das heißt konkret: im ersten Trainingsblock wird nicht gelaufen, Schwimmtraining wird nur zur Technikschulung eingebunden, Vorrang hat das Radtraining. In Letzterem kann sogar ganz bewusst eine Radgruppe gewählt werden, deren Tempoziel genau eine Leistungsstufe unter dem individuell eigentlich passenden angesiedelt ist. Dominiert das Gefühl, zu wenig zu trainieren, ist die Belastung genau richtig. Die zunehmende Ermüdung wird im Laufe des Camps schnell dazu beitragen, dass solche Empfindungen in den Hintergrund rücken.

 

Im nächsten Beitrag lesen Sie, welche Inhalte im ersten Schwimmtraining dominieren und wie die Einheiten im Wasser optimal mit dem umfangreichen Radtraining kombiniert werden können.

 

Daniel Kilb

Auch interessant

Kommentare