Radsport

Bike-Fitting – Die Grundlagen der optimalen Sitzposition

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Die best mögliche Position hilft Ihnen, Verletzungen und Langzeitschäden zu vermeiden.

Brennende Füße, schmerzender Rücken und Knie gehören oft ebenso zum Fahrradfahren, wie ein schmerzender Popo. Das Fahrrad mit seinen Bauteilen kann in einem gewissen Rahmen angepasst werden, um einige dieser Beschwerden schon vor dem Entstehen zu vermeiden.

Die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen Mensch und Technik wird
in kaum einer anderen Fortbewegungsart so deutlich wie dem Radfahren. Einerseits kann der Mensch mit dem Fahrrad unglaubliche Leistungen vollbringen. Er radelt auf die höchsten Berge, bestreitet wochenlange Wettkämpfe, wie die Tour de France oder fährt 180 km vom Schwimmen zur Laufstrecke beim Ironman. Allerdings kennen die meisten Radfahrer unter Ihnen sicher auch die Schattenseiten des Radelns.

Die optimale Sitzposition gibt es nicht

Trotz aller Wissenschaft und angesichts vieler verschiedener Theorien und Messtechniken nehme ich eines gleich vorweg: die optimale Sitzposition kann es nicht geben – schon allein die Tatsache, dass Komfort ganz unterschiedlich bewertet wird, macht dies deutlich. Auch die vielen unterschiedlichen Arten Fahrrad zu fahren deuten eher darauf hin, dass es viele verschiedene Ausprägungen der Sitzposition gibt und nicht „die eine optimale“ Möglichkeit auf dem Rad zu sitzen. So wie die Fahrräder unterscheiden sich auch die Menschen, die auf den Rädern sitzen. Zum einen kennen Sie sicher auch Menschen, die über eine größere Beweglichkeit verfügen, während andere eher steif und unbeweglich erscheinen. Ihre körperliche Athletik und die Ausprägung von Dysfunktionen in Beweglichkeit und Stabilität

haben also auch einen Einfluss auf Ihre Sitzposition. 

Dauerhafte Fehlbelastungen machen sich bemerkbar

Auch wenn der menschliche Körper unglaubliche Leistungen verbringen kann, ist er doch auch recht anfällig für Schäden oder Verletzungen. Kontinuierliche Fehlbelastungen machen sich häufig nicht direkt bemerkbar. Gleichwohl können Sie aufgrund falscher Belastungen auf dem Fahrrad, aber auch beim Laufen, langfristig gesundheitliche Probleme bekommen. Beim Radfahrer sind dabei sehr häufig die Knie oder der Rücken betroffen. Aber auch Verengungen im Bereich der großen Blutgefäße, die die Hüfte durchziehen, sind bekannte Folgen falscher Sitzpositionen und können aufwendige Operationen notwendig machen. Dazu kommt, dass schon kleinste orthopädische Fehlstellungen auf dem Rad einen Leistungsverlust verursachen können. Das optimale Umsetzen der Körperenergie auf das Fahrrad gelingt nur, wenn alle dynamischen stoffwechselaktiven Funktionsabläufe perfekt aufeinander abgestimmt sind. 

Stabilität und Mobilität als „Hauptproblem“ 

Sehr häufig zeigt sich in der Praxis, dass die Probleme fahrradfahrender Freizeitsportler kaum von den Problemen „inaktiver“ Normalbürger unterscheiden: Rückenschmerzen oder Schmerzen in den Knien und im Bereich der Füße zeigen sich gehäuft. Dabei fällt auf, dass nicht immer eine Anpassung der Sitzposition die Lösung für derartige Probleme zu sein scheint. Weist ein Sportler eine mangelnde Aktivierungsfähigkeit im Bereich der Hüftstrecker auf, müssen oftmals die unteren Rückenstrecker „kompensieren“ und sind dauerhaft unter „Feuer“. Derartige Probleme sind aufgrund sitzender Tätigkeit weit verbreitet und keineswegs über eine „Anpassung“ der Sitzposition zu lösen. Genau an dieser Stelle müssen wird jedoch eindringlich darauf hinweisen, dass das „auslösende“ Problem erkannt und durch eine Trainingsintervention gelöst werden muss. Dies ist ein Beispiel, warum gerade im Bike-Fitting Analysen funktioneller Zusammenhänge und Bewegungsmuster zum Pflichtprogramm hören müssen. Nur so kann es gelingen die objektive Ausgangssituation zu erkennen und entsprechend Trainingsstrategien zu entwickeln. 

Die richtigen Bewegungsmuster entwickeln

Da es darum geht, die dynamische Bewegung auf dem Fahrrad zu erkennen, müssen funktionelle Analysen auf jeden Fall „dynamisch“ erfolgen und sollten sich an den grundlegenden Bewegungsmustern orientieren. So kann der Einsatz des „Functional Movement Screen“ im Bereich des Bike-Fittings sehr wichtige Informationen zur Ausgangssituation und zur Lösung vorhandener Probleme dienen. Warum dies wichtig ist? Das isolierte Betrachten der Folgen falscher Bewegungsmuster hilft nur wenig beim Lösen der Frage nach der individuellen Sitzposition und der Radeinstellung. So können beispielsweise „Mess- drucksohlen“ zeigen, dass auf einem Bein eine größere Ausweichbewegung im Bewegungsablauf vorkommt. Der Druck kann so unterschiedlich verteilt sein. Ursache kann eine Asymmetrie in der Bewegungsaktivierung sein. Diese würde in einem „Functional Movement Screen“ erkannt und über „Corrective Exercises“ behoben werden können. Eine Messdrucksohle zeigt allein die Unter- schiede, ohne jedoch zur Erklärung dieses Phänomens Aufschluss geben zu können.

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