Ratgeber

Unterrichtstipps für neue Pilates-Trainer

+
So werden Sie ein guter Pilatestrainer

Das Unterrichten von Sport im Allgemeinen und Pilates im Besonderen kann recht herausfordernd sein - nicht nur körperlich, sondern auch mental. Denn es geht nicht nur um die Vermittlung und Anleitung von Übungen, sondern auch darum, einen guten Draht zum Kunden aufzubauen.

Während jeder Unterrichtsstunde heißt es, die richtigen Übungen in einer sinnvollen Reihenfolge auszuwählen, detaillierte Anleitungen und Korrekturen zu geben sowie Authentizität, Sicherheit und Motivation zu vermitteln.

Beim Pilates kommt noch eine weitere Hürde dazu: die Übungen sollen fließend ineinander übergehen, was eine gewisse Schnelligkeit bei der Anleitung und somit im Denken und Sprechen des Trainers erfordert. Ist der Trainer unsicher, wird der Unterricht zäh und der Übungsfluß ist unterbrochen. Darüber hinaus wird in spezialisierten Studios mit Pilates-Großgeräten wie Reformer, Cadillac oder Chair gearbeitet, bei denen Metall-Federn Widerstände bieten. Bei unsachgemäßer Handhabung dieser Geräte kann es zu schweren Unfällen und Verletzungen kommen.

 

In eine gute Ausbildung investieren

Nur eine qualifizierte und umfassende Ausbildung befähigt die Trainer, ein Pilates-Geräte-Workout effektiv und sicher anzubieten. Weiterhin ist klar, dass jede Menge Eigentraining notwendig ist, um die Übungen zu verinnerlichen, die richtigen Widerstände auf Anhieb zu wählen und den sicheren Umgang mit den Großgeräten beherrschen zu lernen.

 

Praxis-Unterricht vor dem Einstieg in den Trainerjob

Der Einstieg in das Unterrichten ist umso leichter, je weniger Teilnehmer in der Gruppe sind. Ideal ist das Einzeltraining, denn hier hat man nur einen Kunden, auf den man sich konzentrieren kann. Qualifizierte Ausbildungen beinhalten aus diesem Grund auch immer eine bestimmte Anzahl von sogenannten Praxis-Unterrichts-Stunden, bei denen der sich noch im Lernprozess befindende Trainer zum Zweck der Übung einen Freund oder eine Freundin unterrichten sollte. Dieses Learning by Doing ist sehr sinnvoll, denn schnell erkennt man seine eigenen Schwächen und Unsicherheiten. Fragen zur Atmung, zum Bewegungsablauf oder zu optimalen Übungsmodifikationen zeigen sich während dieser ersten Unterrichtsstunden und machen deutlich, mit welcher Materie man sich erneut beschäftigen sollte.

 

Sicherheit durch Information

Je mehr Sie über Ihren Kunden wissen, desto genauer können Sie das Trainingsprogramm auf ihn zuschneiden. Das gibt Ihnen Sicherheit bei der Programm-Konzeption.

 

Klären Sie folgende Fragen ab:

1. Hat Ihr Kunde bereits Pilates gemacht? Wenn ja, wo und wie lange?

2. Was macht Ihr Kunde beruflich?

Häufig spiegelt sich die tagtägliche, stundenlange Beschäftigung Ihres Kunden in seinem Körper und in seiner Haltung wieder.

3. Welche Sportarten betreibt Ihr Kunde?

Auch dies kann sich in seinem Körper und seiner Haltung wiederspiegeln. Und als Trainer können Sie Übungen für einen Ausgleich wählen oder Übungen, die Ihren Kunden in seiner Sportart voranbringen.

4. Welche Einschränkungen, Krankheitsbilder, Verletzungen oder Operationen hat/hatte Ihr Kunde?

Diese Information ist sehr wichtig für die richtige Übungsauswahl. Wenn Ihre Pilates-Ausbildung nicht ausreichend ist, um entsprechend der Antwort ein gutes Programm zu konzipieren, konsultieren Sie möglichst den Physiotherapeuten oder Arzt Ihres Kunden.

5. Welche Ziele hat Ihr Kunde? Möchte er seine Haltung verbessern? Möchte er einen schönen, straffen Körper? Oder eher seine Beweglichkeit verbessern?

 

Versuchen Sie sich immer genau an die Wünsche Ihres Kunden anzupassen und die entsprechenden Übungen auszuwählen. Auch im Pilates ist das Motto „Der Kunde ist König“.

 

Haltungsanalyse

Sofern Ihre Ausbildung Sie dazu befähigt, gibt Ihnen eine Haltungsanalyse wertvolle Informationen darüber, welche Segmente der Wirbelsäule von der Norm abweichen, welche Muskeln eher verkürzt oder verlängert sind und ob es muskuläre Dysbalancen rechts/links gibt.

 

Sicherheit durch Stundenstruktur

Ein roter Faden für jede Übungsstunde gibt Ihnen eine gute Struktur und dem Kunden ein gutes Lernumfeld.

Bei STOTT PILATES® folgt jede Unterrichts-Stunde dem gleichen Prinzip: Die ersten 5-10 Minuten dienen der Körperwahrnehmung. In dieser Zeit werden sehr einfache Bewegungen durchgeführt und die Prinzipien des Trainings angesprochen. So gibt es zu Beginn jeder Stunde immer eine Atemübung, eine Übung für die Beckenstellung, eine Übung für die Brustkorbstellung, eine Übung für die Schulterblatt-Stabilisierung und eine Übung für die Kopf- und Nackenstellung.

Erst dann beginnen die eigentlichen „Übungen“, die am Beginn der Stunde relativ einfach sind und im Verlauf immer schwieriger werden. So ist sichergestellt, dass die Kunden gut erwärmt und vor allem auch konzentriert sind, wenn die Übungen anspruchsvoller werden. Dabei gibt es bestimmte Kernübungen, die in jeder Stunde wieder vorkommen. Ziel ist es, dass die Kunden die Übungen erlernen, denn nur dann können sie diese intensiv „durchturnen“.

Wenn Sie als Trainer keine weiteren Anhaltspunkte darüber haben, welche Übungen optimal für den Kunden sind (wenn Sie beispielsweise in einem Fitnessstudio immer wieder unbekannte Personen unterrichten), dann führen Sie in jeder Pilatesstunde alle Wirbelsäulenbewegungen durch: Eine gute Mischung aus Flexion, Extension, Rotation und Lateral-Flexion tut jedem Teilnehmer gut.

 

Sicherheit durch Notizen

Machen Sie sich für jede Unterrichtsstunde Notizen darüber, was Sie unterrichtet haben. Dies ist vor allem wichtig, wenn Sie Einzelkunden unterrichten. So wissen Sie genau, was Ihr Kunde bereits erlernt hat, welche Modifikationen für ihn optimal sind und wie Sie die Trainingsprogression durchführen können.

 

Bleiben Sie zuversichtlich

Pilates zu unterrichten ist viel schwieriger, als man zunächst denkt. Aber mit jedem Kunden lernt man dazu und mit der Zeit, mit vielen Kunden, entwickelt sich eine umfassende Sicherheit beim Unterrichten. Seien Sie am Anfang Ihrer Unterrichts-Karriere nicht zu streng mit sich selber und haben Sie nicht den Anspruch an den Kunden, das dieser gleich alles richtig macht. Wenn Sie es schaffen, eine freundliche, sichere und motivierende Atmosphäre mit dem Kunden herzustellen, dann ist das schon die halbe Miete. Wenn hier und da mal die Anleitung oder Atmung nicht ganz „buchgerecht“ ist, dann ist das in diesem Moment nicht so tragisch. Erstickt ist noch keiner beim Pilates und bei Unsicherheiten bezüglich einer Übung schaut man nach der Stunde in seine Bücher und leitet bei der nächsten Stunde korrekt an.

 

Michaela Bimbi-Dresp

Auch interessant

Kommentare