Buchtipp

„SHOE DOG“ - aus dem Leben des Nike-Gründers Phil Knight

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„SHOE DOG“ - Die offizielle Biografie von Phil Knight, dem Gründer von Nike

In seiner Biografie beschreibt der legendäre Nike-Gründer Phil Knight „en detail“, höchst unterhaltsam und auf liebevolle Weise seine Geschichte. Stillstand, Niederlagen und Anfeindungen, aber auch Erfolge, Innovationen und enge Freundschaften, schildert Phil Knight spannend und abwechslungsreich zugleich. Wusstet Ihr, dass Nike ursprünglich nichts anderes war als ein 24-jähriger College-Absolvent, der aus seinem Kofferraum heraus Schuhe verkauft hat und im ersten Jahr einen Umsatz von 8000 Dollar erzielte?

Nun die etwas andere Buchrezension: Wir hier in der Trainingsworld-Redaktion haben uns mal überlegt, welche Fragen wir u.a. dem Nike-Gründer Phil Knight stellen würden, und haben uns die Antworten aus seiner Biografie geholt!

TW: Phil Knight, mit einem Master der besten Hochschulen der USA in der Hand, was geht einem jungen Menschen durch den Kopf?

„Es hatte Zeiten gegeben, da hatte ich mir vorgestellt, ein bedeutender Schriftsteller, Journalist oder Politiker zu werden. Aber der größte Traum war immer geblieben, ein großer Sportler zu werden. Leider hatte mich das Schicksal zwar gut werden lassen, aber eben nicht gut genug. Mit 24 Jahren hatte ich mich damit abgefunden. Ich war an der Universität von Oregon Langstrecke gelaufen und hatte mich gut geschlagen, immerhin war ich in drei von vier Jahren im Auswahlteam. Aber das war es dann auch. Während ich nun alle sechs Minuten eine Meile abhakte und die Sonnenstrahlen durch die Kiefern brachen, fragte ich mich: Gibt es nicht einen Weg, sich so zu fühlen wie ein Spitzensportler, ohne einer zu sein? Die ganze Zeit zu spielen statt zu arbeiten? Sozusagen das Arbeiten so zu genießen, dass es im Grunde dasselbe wäre?“

TW: Wie kam es dann überhaupt zu der Idee, eine Laufschuhfirma zu gründen?

„Es war einer meiner letzten Kurse, ein Seminar über Unternehmertum. Ich hatte für ein Referat Nachforschungen über Schuhe angestellt und das Referat hatte sich von einer Allerweltsaufgabe zu einer wahren Obsession ausgewachsen. Als Läufer wusste ich einiges über Laufschuhe. Von meinem Interesse für die Wirtschaft wusste ich, dass es japanischen Kameraherstellern gelungen war, große Teile eines Markts zu erobern, der zuvor von Deutschen beherrscht worden war. Das, so argumentierte ich in meinem Referat, könnte mit japanischen Laufschuhen ebenfalls gelingen. Die Idee fand ich zunächst interessant, sie inspirierte mich zunehmend und schließlich war ich von ihr besessen. Das schien doch so einleuchtend, so simpel und von enormem Potenzial. Während meiner restlichen Zeit in Stanford, bei jedem Lauf am frühen Morgen sinnierte ich darüber, nach Japan zu gehen, dort eine Schuhfabrik zu finden und ihnen meine Verrückte Idee zu verkaufen. Ich hoffte, dass sie größeren Enthusiasmus zeigen würden als meine Kameraden, und dass sie mit dem schüchternen, blassen, spindeldürren Jungen aus dem verschlafenen Oregon eine Partnerschaft eingehen würden.“

TW: Einer Ihrer ersten Jobs war u.a. der eines Wertpapierverkäufers?

„Ja, als ich damals die Stellenanzeigen durchging, wurde ich schneller fündig als gedacht. Ich sah eine kleine, schwarz umrandete Anzeige. Gesucht: Wertpapierverkäufer. Ich rechnete mir aus, dass ich mit dem Verkauf von Wertpapieren sicherlich mehr Glück haben würde. Schließlich hatte ich einen MBA. Ich stellte einige Nachforschungen an und fand heraus, dass dieser Job zwei Vorteile bot. Erstens handelte es sich um Investors Overseas Services, eine Firma, die von Bernard "Bernie" Cornfeld geleitet wurde, einem der bekanntesten Geschäftsmänner der 1960er. Zweitens befand sich das Büro in der obersten Etage eines wunderschön an der Strandpromenade gelegenen Hochhauses. Sechs Meter breite Fenster mit Blick auf das türkisfarbene Meer. Beide Prämissen sprachen mich an und ließen mich beim Vorstellungsgespräch mein Bestes geben. Cornfelds außergewöhnlicher Erfolg und der atemberaubende Blick aufs Meer ließen an den meisten Tagen den Umstand vergessen, dass das Büro eigentlich der reinste Hexenkessel war. Cornfeld war berüchtigt dafür, seine Angestellten zu fragen, ob sie wirklich richtig reich werden wollten. Jeden Tag bewiesen ein Dutzend wolfshungriger junger Männer, dass sie dies wirklich wollten. Mit Freude und Hingabe stürzten sie sich bei der Telefonakquise auf die Apparate und kämpften verbissen darum, einen persönlichen Termin zu vereinbaren. Ich war nicht gerade ein gewandter Redner. Eigentlich gar kein Redner. Aber ich hatte ein paar Telefonnummern und kannte das Produkt, die Dreyfus Fonds. Außerdem sagte ich stets die Wahrheit. Die Leute wussten das zu schätzen. Schnell gelang es mir, ein paar Termine zu vereinbaren und ein paar Verkäufe abzuschließen. Innerhalb einer Woche hatte ich an Kommissionen so viel verdient, dass ich meinen Teil der Miete für ein halbes Jahr im Voraus zahlen konnte und noch genügend Geld für Surfbrettwachs übrig hatte."

TW: Und wie waren Ihre ersten Erlebnisse in Japan?

„Ich fuhr erstmal zur falschen Adresse. Ich meldete mich in den Verkaufsräumen von Onitsuka, einem japanischen Sportschuhhersteller, wurde jedoch in der Fabrik von Onitsuka erwartet – am anderen Ende der Stadt. Ich schnappte mir ein Taxi und kam eine halbe Stunde zu spät, völlig aufgewühlt. In der Lobby nahmen mich vier Manager in Empfang, die sich nichts anmerken ließen. Sie verbeugten sich. Ich verbeugte mich. Einer trat hervor. Er sagte, sein Name sei Ken Miyazaki und er würde mir gerne das ganze Gelände zeigen. Die erste Schuhfabrik, die ich jemals gesehen hatte. Ich fand alles daran interessant. Sogar irgendwie musikalisch. Jedes Mal, wenn ein Schuh geformt war, fiel mit einem silbrigen Laut ein Metallleisten zu Boden, ein melodisches Kling-klong. Alle paar Sekunden, KLING-klong, KLING-klong, ein Schusterkonzert. Den Managern schien das auch zu gefallen. Sie lächelten mich und sich gegenseitig an. „Nun, meine Herren", zitierte ich aus meinem Referat an Stanford "der amerikanischeSchuhmarkt ist riesig. Und weitestgehend unerschlossen. Wenn Onitsuka auf diesen Markt vordringen kann, wenn Onitsuka seine Tiger in die amerikanischen Läden bringt und Adidas, die von den meisten amerikanischen Sportlern getragen werden, vom Preis her unterbietet, könnte dies ein enorm profitables Geschäft sein."

TW: Was war das für ein Gefühl, als die ersten Schuhe in den USA eintrafen?

"Die Benachrichtigung kam irgendwann so gegen Weihnachten, also muss es in der ersten Woche des Jahres 1964 gewesen sein, als ich zu dem Lagerhaus am Ufer fuhr. Ich erinnere mich nicht genau. Ich weiß, dass es frühmorgens war. Ich sehe mich, wie ich schon da war, bevor die Angestellten die Türen aufschlossen. Ich gab ihnen den Abholschein und sie gingen nach hinten ins Lager, dann kamen sie wieder mit einem großen Karton, der mit japanischen Schriftzeichen bedeckt war. Ich raste nach Hause, eilte in den Keller hinunter und riss den Karton auf. Zwölf Paar Schuhe, cremefarben, mit blauen Streifen an der Seite. Himmel, sie waren wunderschön. Sie waren mehr als wunderschön. Weder in Florenz noch in Paris hatte ich etwas gesehen, das diese Schuhe übertraf. Ich wollte sie auf einem Marmorsockel ausstellen oder in Gold einrahmen. Ich hielt sie hoch, gegen das Licht, streichelte sie wie heilige Objekte, so wie ein Schriftsteller liebevoll einen Schwung neuer Schreibhefte in die Hand nimmt oder ein Baseballspieler seinen neuen Schläger. Dann schickte ich meinem alten Leichtathletiktrainer von der Oregon University, Bill Bowerman, zwei Paar."

TW: Wie ging es dann weiter?

"Ich holte Bill Bowerman mit ins Boot. Nachdem alle rechtlichen Papiere unterzeichnet waren, hatte ich eine legale und bindende Partnerschaft mit dem allmächtigen Bowerman. Noch am selben Tag schrieb ich an Onitsuka und bat darum, den Vertrieb der Tiger-Schuhe im Westen der USA exklusiv übernehmen zu können. Sie möchten mir doch so schnell wie möglich 300 Paar zuschicken. Bei einem Preis von 3,33 Dollar pro Paar kam ich auf Schuhe im Wert von knapp 1000 Dollar . In diesem Frühjahr tat ich nichts anderes, als vom Kofferraum meines Valiant aus Schuhe zu verkaufen. Meine Verkaufsstrategie war simpel und, wie ich fand, ziemlich brillant. Nachdem mich einige Sportartikelläden abgelehnt hatten ("Junge, wenn diese Welt etwas nicht braucht, ist es noch einen Laufschuh!"), fuhr ich zu diversen Leichtathletikwettkämpfen im gesamten Nordwesten der USA. Zwischen den Läufen plauderte ich mit den Trainern, den Läufern und den Fans und zeigte ihnen meine Ware. Die Reaktion war immer gleich – ich konnte die Bestellungen gar nicht schnell genug aufschreiben. Am 4. Juli 1964 hatte ich meine erste Ladung verkauft. Ich schrieb an Onitsuka und bestellte weitere 900 Paar."

Wenn Ihr wissen wollt, mit welchen niederschmetternden Rückschlägen, skrupellosen Konkurrenten und zahllosen Zweiflern Phil Night zu kämpfen hatte, wie er knapp einer Katastrophe entging und wie er es mit einem bunt zusammengewürfelten Haufen von Aussteigern schließlich doch geschafft hat Nike zu einer Marke zu machen, die vollkommen neue Maßstäbe setzte, dann holt Euch seine Biografie, die Ihr hier bestellen könnt:

Shoe Dog - Die offizielle Biografie des NIKE-Gründers

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