Neid: "Wir reden im Moment von keinem Titel"

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Neid weist die Favoritenrolle für EM 2013 von sich

Frankfurt am Main - Bundestrainerin Silvia Neid wehrt sich nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM gegen die Favoritenrolle für die Frauenfußball-EM 2013 in Schweden.

Frankfurt (SID) - Bundestrainerin Silvia Neid wehrt nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM die Favoritenrolle für die Frauenfußball-Europameisterschaft 2013 in Schweden vehement ab. "Wir reden im Moment von keinem Titel. Wir müssen erst Mal schauen, dass wir uns neu aufstellen und sehen, dass wir bis 2013 eine schlagkräftige Mannschaft haben. Ob die dann um den Titel mitspielt, kann ich heute noch nicht sagen", sagte Neid im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die beiden europäischen WM-Halbfinalisten seien im Moment weiter als der amtierende Europameister: "Im Moment ist doch ganz klar Schweden Favorit und Frankreich. Wir nicht." Beide Teams waren erst in der Vorschlussrunde gescheitert: Schweden am späteren Weltmeister Japan, Frankreich an den USA.

Nach den Rücktritten von vier Nationalspielerinnen, darunter Rekordnationalspielerin Birgit Prinz, muss Neid nun das neue Gesicht der Mannschaft formen. "Eine Kerstin Garefrekes wird uns sicher fehlen. Ich glaube aber, dass wir relativ schnell wieder dahin kommen, dass wir gute Leistungen abrufen können", sagte die 47-Jährige. Junge Spielerinnen wie U20-Weltmeisterin Svenja Huth und Julia Simic stimmen Neid optimistisch, "eine schlagkräftige Truppe in die EM schicken können."

Die Ex-Nationalspielerin gestand 70 Tage nach dem Scheitern gegen Japan (0:1 n.V.) erneut Fehler ein: Sie habe die Mannschaft nicht ausreichend auf den immensen Druck vorbereitet und die Öffentlichkeit nicht davon überzeugen können, dass die WM kein Durchmarsch werde. Außerdem hätte sie die Spielerinnen stärker schützen müssen: "Das ist eine Lehre, dass die Mannschaft eine Möglichkeit haben muss, sich zurückziehen. Bei der WM war es so, dass wir überall, auch im Hotel, unter Beobachtung waren."

Die spielerische Auswertung der WM-Spiele fiel ambivalent aus. "Unser Abwehrverhalten fand ich super. Wir haben nur vier Gegentore bekommen, davon drei Standards", sagte Neid. In der Offensive sei die Mannschaft vor den eigenen Erwartungen erstarrt: "Wir haben Probleme bekommen, wenn wir den Ball erobert hatten. Da waren wir nicht leichtfüßig und spielfreudig genug, es fehlte die Lockerheit." Daher habe sie nun das Training verändert. "Unsere Trainingseinheiten gingen zuletzt mehr in Richtung Kombinationsspiel: mehr Sicherheit als Schnelligkeit."

Um den Konflikt mit der mittlerweile zurückgetretenen Prinz auszuräumen, ist Neid mittlerweile auf die Rekordnationalspielerin zugegangen. "Ich habe sie angerufen und einen Gesprächstermin mit ihr vereinbart", sagte Neid, "wir werden uns noch im September zusammensetzen. Da kann sie mir genau sagen, was sie hätte anders machen wollen."

Ex-Spielführerin Prinz, die nach zwei überwiegend schwachen Gruppenspielen von Neid auf die Bank verbannt wurde, hatte der Bundestrainerin nach der WM öffentlich mangelnde Kommunikation vorgeworfen. Die Entscheidung, die Spielführerin im laufenden Turnier zu degradieren, verteidigte Neid aber erneut vehement: "Wir haben alle gesehen, dass Birgit nicht ihre Leistung gebracht hat. Dann muss ich reagieren."

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