Interview Klaus Jost, Vorstand INTERSPORT Deutschland

"Der Laufmarkt ist in den letzten Jahren um die Hälfte gewachsen"

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Selber begeisterter Läufer könnte niemand besser über den Laufsport berichten als Intersport-Vorstand Klaus Jost

Besonders spannend für Laufsportler ist dieses Interview, das trainingsworld mit Klaus Jost, dem Vorstand von INTERSPORT Deutschland, über Trends und Tendenzen im Laufen führen durfte.

trainingsworld.com: In Deutschland gibt es rund 17 Mio. Jogger bzw. Laufsportler. Wie erklären Sie sich die Popularität dieser Sportart?

Klaus Jost (KJ): Zunächst einmal ist anzumerken, dass in den erhobenen Zahlen zum Laufmarkt sämtliche Läufergruppen zusammengefasst sind – das reicht vom Gelegenheitsläufer bis hin zum Marathoni, der mehrmals in der Woche trainiert. Gemeinsam haben all diese Gruppen, dass immer und überall gelaufen werden kann. Man benötigt keine spezielle Sportstätte, keinen Trainingspartner und kann auch auf Reisen oder nachts laufen. Zudem ist Laufen, was die Ausrüstung angeht, wesentlich günstiger als andere Sportarten. So werden bereits mit geringem Aufwand große Effekte erzielt.

 

trainingsworld.com: Wie wichtig ist diese Gruppe im Vergleich zu anderen Sportarten?

KJ: Grundsätzlich ist jeder Sportler wichtig, da er immer auch für seinen persönlichen Ausgleich und seine Gesundheit trainiert – egal mit welcher Sportart. Bei Läufern ist es aber häufig so, dass sie unterschiedliche Sportarten gleichzeitig ausüben und wir sie dadurch als Kunden für verschiedene Bereiche begeistern können.

 

trainingsworld.com: Wie kann man das Konsumverhalten der Laufsportler in Deutschland allgemein beschreiben?

KJ: Allgemein kann man davon ausgehen, dass Laufsportler in der Regel bewusster leben. Sie sind aktiv, weil sie etwas für ihre Gesundheit, für ihre Fitness und ihr körperliches Wohlbefinden tun möchten. Dieses Bewusstsein schlägt sich dann oft auch im Konsumverhalten nieder, denn mit der falschen Ernährung macht man jeden Trainingseffekt zunichte.

 

trainingsworld.com: Liegt für die Sportartikelindustrie der Fokus eher auf Männern oder auf Frauen – und gibt es Unterschiede im Kaufverhalten?

KJ: Früher war die Sportartikelindustrie eher männlich geprägt. Dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahren bzw. Jahrzehnten jedoch gedreht. Der Fokus liegt inzwischen klar auf beiden Zielgruppen, wobei sich die Sportartikelbranche darauf eingestellt hat, dass Frauen grundsätzlich anders einkaufen als Männer. Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass bei Männern das Augenmerk eher auf der Funktion liegt und eher rational eingekauft wird, wohingegen Frauen beim Kauf emotionaler handeln und die modische Komponente stimmen muss.

 

trainingsworld.com: Wie müssen typische „Männer-Produkte“, wie müssen „Frauen-Produkte“ aussehen?

KJ: Wie bereits erwähnt, sollten Sportartikel sich in Funktion und Aussehen an den speziellen Bedürfnissen von Männern und Frauen orientieren. Zudem wird mittlerweile auf die unterschiedliche Anatomie Rücksicht genommen. So sind Laufschuhe – genauso wie Wander- und Skischuhe – heute individuell an die Besonderheiten des weiblichen bzw. männlichen Fußes angepasst. Ähnliches gilt beispielsweise auch für die ergonomische Form von Rucksäcken, bei Skiern oder Tennisschlägern bis hin zu Schlafsäcken.

 

trainingsworld.com: Wie hat sich der Laufmarkt in den letzten 10-20 Jahren verändert?

KJ: Der Laufmarkt ist in den vergangenen Jahren um mehr als die Hälfte gewachsen. Im Jahr 2012 haben wir weltweit ein Wachstum von etwa 10 % beobachtet. Diese positive Entwicklung wird sich mit moderaten Zuwächsen in den kommenden Jahren fortsetzen.

 

trainingsworld.com: Welche Trends sehen Sie im Laufsport in den kommenden Jahren?

KJ: Das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung wird immer größer. Mehr und mehr Menschen haben erkannt, wie wichtig Sport für ihre Gesundheit ist und möchten proaktiv durch Bewegung und sportliche Betätigung Krankheiten vorbeugen. Dafür ist Laufen ein sehr geeignetes Mittel, gerade weil keine örtlichen Einschränkungen oder Altersgrenzen bestehen. Dabei geht es den meisten nicht darum, Rekorde zu brechen – das Lauferlebnis an sich steht im Vordergrund. Deshalb wird der Laufsport weiter wachsen.

 

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