Interview mit Sabrina Mockenhaupt

„Unter die ersten zehn bei Olympia wäre ein Traum“

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Zieleinlauf von Sabrina Mockenhaupt bei Ihrem Sieg im Köln-Marathon 2009.

Die großen deutschen Stadtmarathons stehen an: Berlin, Köln, München Frankfurt – und mit dem Beginn der Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele in London 2012 sind die Zeiten für die Athleten von besonderem Interesse. trainingsworld sprach mit der deutschen Top-Läuferin Sabrina Mockenhaupt über ihr Training, die Top-Duelle beim Berlin Marathons, Ihre Ziele für den Halbmarathon in Köln, den Marathon in Frankfurt und natürlich das große Ziel: die Olympischen Spiele 2012 in London.

trainingsworld: Sie haben Anfang des Jahres den Trainer gewechselt, arbeiten nun mit Thomas Eickmann und Bundestrainer Ronald Weigel zusammen. Was haben Sie seitdem im Training verändert?
Sabrina Mockenhaupt: Trainer sind Menschen, und jeder Mensch ist anders. Ich habe in den vergangenen Jahren bei Heinz Weber wirklich hart gearbeitet und ich laufe mittlerweile seit so vielen Jahren, dass ich weiß, welches Training mir gut tut. Im Trainingslager in Südafrika Anfang des Jahres habe ich gleich mal meine Technik überarbeiten müssen. Zuvor habe ich nicht sehr viel Wert darauf gelegt. Es ging nur um das schnelle Laufen.

Zwei Laufeinheiten am Tag und abends Massage

trainingsworld: Unsere Sportler interessiert natürlich besonders: Wie sieht eine normale Trainingswoche von Sabrina Mockenhaupt aus?
Sabrina Mockenhaupt: Ich trainiere täglich ca. 4 Stunden. Die erste Einheit von 10 bis 12 Uhr, dann noch mal nachmittags von 16 bis 18 Uhr. Dazu kommen mindestens dreimal die Woche 20 Minuten Kraftübungen für den Oberkörper zur Rumpfstabilisation. Damit keine Langeweile aufkommt, trainiere ich manchmal mit einem Flexi-Bar. Abends steht dann oft noch eine Massage auf dem Programm.

trainingsworld: Sie sind im besten Marathon-Alter. Was glauben Sie, welche Steigerungen sind noch möglich?
Sabrina Mockenhaupt: Ich möchte mich in Zukunft weniger auf die 10.000-Meter-Distanz, dafür mehr auf den Marathon konzentrieren. Der wichtigste Wettkampf in nächster Zeit ist für mich der Marathon in Frankfurt am 29. Oktober. Da möchte ich Vollgas geben, meine Bestzeit von 2:26 Stunden unterbieten und damit die Qualifikation für die Olympischen Spiele nächstes Jahr in London schaffen.

„Ich habe mein Potenzial noch nicht ausgeschöpft“

trainingsworld: Wo sehen Sie Ihr größtes Potenzial?
Sabrina Mockenhaupt: Im Marathon und ich bin mir sicher, dass ich mein Potenzial noch nicht ausgeschöpft habe.

trainingsworld: Nun zu dem bevorstehenden Rennen: Wie schätzen Sie Ihren Chancen ein, Ihre persönliche Bestzeit beim Halbmarathon in Köln zu unterbieten?
Sabrina Mockenhaupt: Köln ist eine sehr schnelle Strecke. 2008 bin ich hier 68:51 Minuten gelaufen – meine zweitbeste Zeit überhaupt. Der Lauf ist aber diesmal eher als Testlauf angedacht, wo ich mich nicht ganz so unter Druck setzen werde. Ich möchte mindestens unter 1:10 h/min bleiben.

trainingsworld: Was rechnen Sie sich für den Frankfurt Marathon aus, denn das Erfüllen der Olympia-Norm von 2:32:00 wird ja eher ein Nebeneffekt sein?
Sabrina Mockenhaupt: Die Strecke in Frankfurt liegt mir. Was die Zeit angeht: das ist schwierig vorherzusagen. Ich denke, dass eine Zeit um 2:25 Stunden möglich ist – vielleicht auch knapp darunter. Aber im Marathon kann so viel passieren. Es gehört auch etwas Glück dazu. Ich werde alles dafür tun, dass ich im Oktober die Form für eine solche Zeit habe.

trainingsworld: Apropos Olympia. Welche Ziele haben Sie mit Blick auf die Spiele 2012 in London?
Sabrina Mockenhaupt: Ein Riesen-Erfolg für mich wäre eine Top-Ten-Platzierung. Ich war 2004 in Athen 15., 2008 in Peking 13 – jeweils über 10.000 Meter. Im Marathon unter die ersten zehn zu kommen, wäre ein Traum.

trainingsworld: Beim London Marathon 2011 wurde Irina Mikitenko trotz guter Zeit von 2:24:24 lediglich siebte. Sind Sie beeindruckt von den starken Leistungen der Konkurrenz?
Sabrina Mockenhaupt: Nein, ich konzentriere mich auf mich selber und vergleiche mich nicht mit anderen. Jedes Rennen ist anders und es hängt sehr viel von der Tagesform und auch den äußeren Bedingungen ab.

Das Training wird extra umgelegt, um den Berlin Marathon anzuschauen

trainingsworld: Beim Berlin-Marathon treffen Mikitenko und Paula Radcliffe aufeinander. Werden Sie sich das Rennen (es starten mit Haile Gebreselassie und Patrick Makau ja auch die wohl zwei weltbesten Männer) anschauen?
Sabrina Mockenhaupt: Auf jeden Fall, ich lege meinen langen Dauerlauf extra auf Samstag, damit ich mir Sonntag in aller Ruhe die Duelle anschauen kann. Ich bin sehr gespannt!

trainingsworld: Glauben Sie, das Paula Radcliffe nach fast zweijähriger Wettkampfpause wieder die „Alte“ ist und trauen Sie ihr beim Heimrennen in London noch einmal ein Highlight als Krönung der Karriere zu?
Sabrina Mockenhaupt: Ich denke, dass Paula Radcliffe noch genauso ist wie vorher. Sie hat zwar in letzter Zeit ein paar gesundheitliche Rückschläge in Kauf nehmen müssen, wird ihr Ziel, die Qualifikation für Olympia aber nicht aus den Augen verlieren. Olympia im eigenen Land, da muss sie einfach dabei sein!

„Ein deutscher Läufer wird die Olympia-Norm schaffen“

trainingsworld: Während Sie und Irina Mikitenko in der Marathon-Weltspitze mitlaufen, gibt es bei den Herren derzeit keinen, der annähernd an die Olympia-Norm von 2:12:00 heran kommt. Was glauben Sie, warum ist der Rückstand der Herren so viel größer als bei den Frauen und wird es in absehbarer Zeit ein Läufer in die Weltspitze schaffen?
Sabrina Mockenhaupt: Bei den Männern sind die Weltbesten Marathonläufer auf einem Spitzenniveau und die Zeiten sind wirklich sehr schnell. Da sollten die 2:12 Stunden nicht nur eine Anschlussleistung für die Athleten sein, da gehört man mit 2:15 Stunden bereits nicht mehr dazu. Ich denke schon, dass es bei den deutschen Herren einer schaffen wird. Warten wir mal ab, wer sich im Oktober qualifiziert.

 

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