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Sportmedizin: Das Läuferknie

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Eine häufig auftretende Überlastungsverletzung bei Läufern ist das Läuferknie auch Runnersknee, Tractus Iliotibialis Syndrom)

Mit der zunehmenden Beliebtheit des Ausdauersports kam es in den letzten Jahren auch zu mehr Überlastungsverletzungen. Neben Verletzungen der Achillessehne und Schienbeinkante ist das Läuferknie ein typisches Beschwerdebild und tritt bei ca. jedem vierten Läufer bzw. Jogger auf.

Was ist der Tractus Iliotibialis?

Der Tractus iliotibialis bildet das Bindeglied zwischen Knie und Hüfte. Seinen Ursprung hat er an dem Musculus (M.) tensor fascie latea und im cranialen Bereich am M. gluteus maximus, sowie indirekt am M. gluteus medius und M. vastus lateralis. Er verläuft dann lateral am Oberschenkel über die laterale Femuscondyle und setzt am seitlichen Schienbeinknochen (Condylus lateralis tibiae) an.

Der Tractus ist ein Fascienstreifen, den man sich als breitausgedehnte sehnenartige Hülle vorstellen kann. Um die Funktion des Tracus ilioibialis näher zu erläutern ist zunächst die Anatomie und die Biomechanik der Hüfte sowie des Kniegelenks wichtig.

Die Hüfte ist ein sogenanntes Nussgelenk. Das Acetabulum, die tiefe Gelenkpfanne, umschließt den Oberschenkelkopf komplett. Dadurch ist das Gelenk hauptsächlich knochengeführt und bandgesichert. Die 4 wichtigsten Bänder – Zona orbicularis, Ligamentum (Lig.) iliofemorale, Lig. pubofemorale, Lig. ischiofemorale – sind schraubenartig angelegt. Sie hemmen die Beinbewegung und sorgen dadurch dafür, dass der Oberschenkelkopf in der Pfanne bleibt. Zudem sichern sie die Rumpf- und Beckenstellung. Die Beckenmuskeln sind unterteilt in:

- ventrale Muskulatur: M. iliopsoas, M. tensor fascie latea (TFL), M. rectus femoris, M. sarorius

- mediale Muskulatur: M. pectineus, M. adductor longu, M. gracilis, M. adductor brevis, M. adductor magnus

- laterale Muskulatur: M. gluteus medius und minimus

- dorsale Muskulatur: M. gluteus maximus, M. semitendinosus, M. semimembranosus, M. biceps femoris

 

Das Kniegelenk ist zusammengesetzt aus einem bikonvexen, inkongruenten Gelenk zwischen den Oberschenkelkondylen (Femurcondylen) und dem Tibiaplateau, sowie dem Gelenk zwischen Femur und Kniescheibe (Patella). Die Bewegungen beider Gelenke sind gekoppelt.

Das Hüftgelenk liegt nicht ganz axial zum Oberschenkelschaft, daher kommt es zu einer Krafteinwirkung, die ebenfalls nicht ganz axial einwirkt. Dies nennt man auch exzentrisch einwirkende Kräfte. Am Oberschenkel kommt es zu einer Biegebelastung, das heißt es kommt zu Druck auf der lastzugewandten Seite und Zug auf der lastabgewandten Seite. Die Biegebelastung ist umso höher, je größer die Intensität ist, mit der das Bein den Boden berührt. Während der sportlichen Betätigung variiert die Belastung in kurzer Zeit sehr deutlich.

Um diese Biegebelastung auszugleichen, bzw. so gering wie möglich zu halten, arbeitet der Körper in dem Fall mit dem Prinzip der Zuggurtung. Zuggurtung ist eine feste Verspannung auf der lastabgewandten Seite. Hier kommt der Tractus iliotibialis ins Spiel. Er bildet den Zuggurt am Oberschenkel und hält somit die Biegebelastung auf einem erträglichen Niveau. Durch seine direkte Verbindung zum TFL und dem M. gluteus maximus wird die Spannung des Tractus durch die Muskulatur gesteuert. Der Tractus ist also der Stabilisator, der durch die Muskulatur gesteuert wird.

 

Was sind die Symptome des Läuferknies?

Der Schmerz fängt nach der Bewältigung einer individuellen Distanz meist erst dumpf an. Er wird stärker bis zu einem stechenden, brennenden Schmerz, der vom Epicondylus ausgeht und zur Knieaußenseite oder dem Schienbeinkopf zieht. Das Laufen wird nahezu unmöglich. Meist ist auch das Treppen auf- und absteigen schmerzvoll.

 

Was sind die Ursachen?

Die häufigste Ursache ist das Reiben des Tractus an der Femurkondyle, über die er verläuft. Diese Reibung ist am größten bei der Knieflexion zwischen 20 und 30 Grad wie beispielsweise beim bergauf Laufen. Seltener tritt eine Überlastung in dem Bereich auch bei Sprints auf. Zyklische Sportarten wie Laufen und Radfahren sind häufiger betroffen als azyklische Sportarten wie beispielsweise Badminton.

Der Tractus selber ist nicht Schuld an der erhöhten Spannung, die zu den Reibungen führt. Die Muskulatur steuert die Spannung, somit sind dort die Probleme zu suchen. Häufige Ursachen sind:

- Funktionsstörungen wie Verkürzungen der Muskulatur

- Muskuläre Dysbalancen

- Schwache Abduktoren auf betroffener Seite

- Schwache Beuge- und Streckmuskulatur des Beins

 

Weitere Ursachen dieser Sportverletzung können sein:

- Starke Pronation im Rückfuß, Übersupination im Vorfuß oder Beinlängendifferenzen

- Varische Beinachse (O-Beine)

- Zu häufige Traininseinheiten

- Zu schnelle Trainingssteigerung

- Bergaufläufe

- Laufen auf unebenen Flächen

- Zu starke Innenrotation des Beines

 

Wie kann man ein Läuferknie behandeln?

Bei akut auftretenden Problemen gilt die PECH-Regel: Pause, Eis, Kompression und Hochlegen, sowie das Nutzen von entzündungshemmenden Salben. (Knieprobleme – und was Sie dagegen tun können) Zur Funktionstherapie zählt die Dehnung des Tractus, die Kräftigung der Beckenstabilisatoren, der Beinachse sowie der Rumpfstabilisatoren. In 3–6 Wochen sollte die Entzündung ausheilen. Ein zu früher Wiedereinstieg reizt die Strukturen wieder auf.

In manchen Fällen sind Cortisonspritzen auch eine gute Option. Eine der letzten Optionen ist die Operation. Viel wichtiger ist die Optimierung der Trainingsgegebenheiten, wozu auch Einlagen bei O-Beinen, gute Laufschuhe, sowie ein Warm-up und Cool-down zählen. Das Verhältnis zwischen Belastung und Regeneration muss ausgeglichen sein.

Beim Wiedereinstieg sollte beachtet werden, dass der Tractus gut aufgewärmt sein sollten, also z. B. zusätzlich zu einem guten Warmup der gesamten Beinmuskulatur mit wärmenden Salben arbeiten. Nach dem Sport sollte dann gekühlt werden.

Zur Selbstbehandlung zählt neben dem Dehnen der gesamten Bein- und Gesäßmuskulatur das Kühlen und Einreiben mit Arnikasalbe.

Wichtige Dehnübung für den Tractus:

- Beine im Stand überkreuzen, wenn das rechte Bein betroffen, rechtes Beins übers linke stellen, Oberkörper mit Arm über Kopf nach rechts neigen, halten.

- Hartschaumrolle: Oberschenkelaußenseite (wenn rechts betroffen, dann Seitlage rechts) über die Rolle bewegen. Alternativ auch mit Tennisball möglich.

Angi Peukert

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Quellenangaben:

1. www.sportgesundheit.eu/lauferknie.htm

2. http://www.sportordination.com/laeuferknie_itbs.htm

3. http://sportphysiotherapie-hamburg.de/tractus-iliotibialis-syndrom/laeuferknie-symtpome-behandlung-dehnuebungen.php

4. http://www.czwengel.de/blog/wp-content/uploads/2009/10/Hausarbeit.pdf, Das Prinzip der Zuggurtung am Beispiel des Tractus-Iliotibialis Syndroms unter Berücksichtigung von Therapie- und Präventionsmöglichkeiten

5. http://www.knie-schulter.com/downloads/IN150-Laeuferknie.pdf

6. Hochschild, Jutta: Strukturen und Funktionen begreifen. Funktionelle Anatomie - Therapierelevante Details. Stuttgart: Thieme, 2002

7. Zalpour, Christoff: Anatomie Physiologie. 2. Auflage, München/Jena: Urban & Fischer

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