Spendenlauf

3-Tages-Lauf von Köln nach Stuttgart für knochenmarkserkrankte Kinder

Philippe Geuer beeindruckte die Redaktion mit seiner Aktion: 3 Tage lang lief er von Köln nach Stuttgart um Spenden für knochenmarkserkrankte Kinder zu sammeln. Lesen Sie hier seine Erlebnisse.

Eigentlich war es nur ein Aktion "just for fun", als ich Ende letzter Woche, also um den 04.08.2012 herum, beschloss, Fotos von Sportschuhen unserer Freunde auf Facebook zu sammeln. Womit ich nicht gerechnet hatte: Neben vielen tollen Sportschuhfotos (über die ich mich alle freue, und ich hoffe es kommen noch ganz viele!) erreichte mich auch dieses eine, besondere, quietschgrüne Paar von Phillipe Geuer - und zusammen mit dem Foto ein Bericht von seiner Aktion, wie er in diesen Schuhen 3 Tage lang trotz überstandener Sportverletzung von Köln nach Stuttgart lief, und das alles für Kinder, die am Knochenmark erkrankt sind. Alle in der Redaktion waren zutiefst beeindruckt - und so beschlossen wir, diesen Bericht niemandem vorzuenthalten, sondern Philippes Bericht und Aufruf allen zugänglich zu machen:   

 

Freitag, 11.5.2012, 1. Tag

Nach einer kurzen Nacht, die meiner Aufregung zur Folge recht unruhig war, stand ich um 7 Uhr auf.

Was war dies für ein Tag. An diesem Tag sollte ich nun endlich zu meinem 3 Tages-Lauf von Hürth nach Stuttgart für eine Kinderknochenmarksstiftung aufbrechen.

Endlich, weil ich lange daraufhin gearbeitet habe. Sei es durch einen 50 km-Lauf ins Bergische, dortiger Übernachtung und einen 40 km-Lauf am nächsten Tag zurück, als 2-Tagesbelastung und Test, oder dem Wienmarathon am 15.4.2012.

Endlich, da ich durch eine Sportverletzung nach dem Wienmarathon gezwungen war, meinen, eben diesen Lauf für den ich nun bereit war, eine Woche nach hinten zu schieben.

Zweifel kamen auf. Hatte ich genug trainiert? Hält meine Hüfte, die ja immer noch schmerzte? Habe ich an alles gedacht? So ein Lauf ist kein lockerer Trainingslauf mal eben um die Ecke, kein mentaler Hügel, den es gilt zu bezwingen.

Diese Schuhe liefen 3 Tage lan von Köln nach Stuttgart für kranke Kinder

Lars Fiß und Sandra Bugyi von der Hardtseemafia (Triathlonverein) erwarteten mich am Rathaus von Hürth. Die Beiden wollten die ersten 10 km mitlaufen und ein wenig für Kurzweil sorgen. Um 10 Uhr schickte uns dann der Bürgermeister von Hürth, Herr Boecker, und Herr Pütz auf die Reise nach Stuttgart. Es lief super, Kilometer um Kilometer legten wir zurück. Leider begann es kurz nach dem Start zu regnen. Kurz vor Wesseling drehten Lars und Sandra dann um. Alleine setzte ich meinen Lauf fort. Ein Laufrucksack und Verpflegung von GU-Sports waren nun meine Begleiter. Nach 3 Stunden war ich dann in Bonn und erwartete meinen nächsten Mitläufer Thorsten Michels, der von Bonn bis Remagen Strecke, Regen und Navi-Route teilte. Unterdessen fuhr meine Freundin mit dem gesponserten Begleitfahrzeug Berlingo in Hürth los. Der Wagen war gepackt mit Energygels, Cola, Wasser und diversen Notwendigkeiten für die Versorgung während des Laufs. Wir waren beide mit dem gleichen Navigationsgerät ausgestattet, um auf dem gleichen Stand zu sein. Mein Begleitfahrzeug sollte ich bei Sankt Goar treffen. Bis dahin lief ich alleine an Koblenz vorbei.

Die dort sich angekündigten Mitläufer wurden in dieser Phase des Laufs von mir nicht angenommen, da ich seit über 8 Stunden im Regen laufend, erstmal ein paar Meter für mich alleine sein und mich neu fokusieren wollte auf das was noch folgte. Ich hoffe, das dies für die Jungs der Hardtseemafia ok war.

Weitere 6 Stunden auf der Straße bis ins Ziel in Bingen an der Jugendherberge. In Sankt Goar lief ich an einem Imbiss vorbei und beschloss, meine leeren Energiereserven dort mit einem Chickenburger wieder aufzufüllen. Von dort wurde ich begleitet von meiner Freundin im Begleitfahrzeug. Es lief super bis zur Jugendherberge, an der ich nach 14 Stunden durchnässt ankam. Nun galt es die Zeit sinnvoll zu nutzen. Nasse Sachen aus, Immunbiest genommen, heiß duschen, stretchen, Emails checken und danach ab ins Bett. Allerdings war die Nacht ebenso unruhig wie die davor. Ich wusste nicht wie ich liegen sollte, da mir alles weh tat. So musste man sich fühlen wenn man gegen die Klitschkos geboxt hatte. Ich konnte nicht schlafen, also stretchte ich noch ein wenig, bevor es dann um 7 wieder los ging.

 

2. Tag

Ich zog mich um, frühstückte noch etwas und freute mich, als ich meinen Mitläufer für die ersten 25 km sah, Bernhard Beisheim. Wir und unser Begleitfahrzeug setzten sich in Bewegung. Bernhard, der erstmal die ersten 15 km mitlaufen wollte, verlängerte seinen Einsatz nochmal um 11 km. Er ist vorher noch nie mehr als 21 km gelaufen und überbot dies heute um 5 km. Davor kann ich nur den Hut ziehen. Am zweiten Checkpoint dann wurde er schon von seiner Frau und den beiden Kindern in Empfang genommen und schickte mich allein weiter Richtung Etappenziel Speyer. Der zweite Tag zog sich, obwohl es nur 90 km waren. Dennoch mussten immer mehr GU-Sports-Gels verputzt werden, das Navi zählte die Kilometer für meinen Geschmack viel zu langsam runter und die Füße zeigten mir auch die weiße Fahne. Doch die Option war nicht in meinen Gedanken: Aufgeben….niemals…. Die Gels taten ihre Wirkung und die kleinen Pausen an den Checkpoints gaben neue Energie für die nächsten Meter. 2 Jungs, Markus Klein und Andreas Vierling kamen noch ein paar Meter zur mentalen Unterstützung mit. Leider waren sie, von einer Trainingsausfahrt kommend, mit ihren Triathlonrädern unterwegs. Leider, da mein Navi schon nach wenigen Kilometern einen Feldweg anzeigte, den die Jungs nicht fahren konnten.

Wir verabschiedeten uns also und ich nahm ihre guten Wünsche mit auf die letzten Kilometer nach Speyer. Als ich das Ortsschild von Speyer erblickte, dachte ich nur: So das war der zweite von drei Tagen. Morgen das schaffst du auch noch. Ich beschloss am nächsten Tag jedes Ortsschild zu feiern und jeden Schritt zu genießen, der mich näher an Stuttgart bringen sollte. Vorbei am Dom von Speyer, lief ich zur dortigen Jugendherberge und wurde dort von meiner Freundin mit dem Begleitfahrzeug in Empfang genommen. Sie hatte schon in der Herberge eingecheckt und alles vorbereitet. Super! Als ich die Herberge betrat wurde ich angeschaut, als käme ich von einem anderen Stern. Nein… ich kam doch nur zu Fuß aus Bingen…. Vielleicht war dies ein anderer Stern für die Gäste. Alles lief wie in Bingen…. Klamotten aus… Immunbiest genommen, duschen, stretching, essen. Ich ließ den Tag nochmal Revue passieren. Heute war alles bestens. Tolles Wetter, nette Begleitung, tolle Gegend, meine Beine fühlen sich ok an und meine Zehen haben nur eine Blase. Also ab ins Bett und hoffen, dass das Schlafen besser läuft. Oje, wieder laufen, nein schlafen.. Also gute Nacht!

 

Tag 3.

Aufstehen. Oh Gott ist das früh. Wo sind meine Beine… ach hier. Also erstmal im Halbschlaf die guten Compressports an die Beine, Immun Biest eingeworfen, mental auf gute Laune programmiert und ab zum Frühstück. Am Frühstückstisch saß ein nettes Ehepaar aus Bayern, die wissen wollten, was wir hier machen und ob wir uns hier in Speyer das Technikmuseum anschauen werden. Ich antwortete: Nein, ich breche gleich auf, um zu Fuß nach Stuttgart zu laufen. Auf ein anfängliches Schmunzeln, folgte ein Nachdenken des Ehepaares und ein verwundertes Nachfragen. „Stuttgart…..zu Fuß…..???Nach einer kurzen Erklärung des Laufes und dessen Zweck verabschiedeten wir uns und ich machte mich fertig, um gegen 8 Uhr loszulaufen. Waren es am ersten Tag noch 14 Stunden und am zweiten Tag 12 Stunden, sollten es heute am letzen Tag erneut 12 Stunden werden, bei tollem Sonnenschein.

An der Jugendherberge wartete schon Alex Walch von der Rc vorwärts Speyer und Jochen Martin, der mich auf den ersten zwei Teilabschnitten begleiten wollte. Wir starteten pünktlich um 8 Uhr. Nach circa 10 km überholten uns 2 Radfahrer, die uns fragten, wo es denn hinginge: „Nach Stuttgart“, war unsere Antwort. Die beiden Radler entgegneten nur: „Ja klar, sicher…. Und jetzt nochmal, wo geht’s hin?“ Ich glaube, die haben uns für völlig bekloppt gehalten.

Die Verpflegungspunkte hatten wir am heutigen Tag von 15 km auf 8-10 km verkleinert um eine bessere Kontrolle über den Läuferzustand zu gewährleisten und um eine höhere Aufnahme von GU-Gels und Flüssigkeit zu erreichen. Kilometer um Kilometer näherte ich mich nun dem Kraichgau. Supergefühl. Doch plötzlich streikten die Beine und am nächsten Verpflegungspunkt entschlossen ich und meine Freundin, dass ich für 10 km die Laufschuhe gegen das Auto tauschen sollte und sie den Zehner lief. Danach ging es für mich wieder weiter und schließlich kam ich kurz vor 20 Uhr am Killesberg bei Stuttgart an und blickte über die Stadt, die ich 3 Tage lang als Ziel vor Augen hatte. Mit feuchten Augen nahm ich die letzen Kilometer in Angriff und beendete diesen Lauf um 20 Uhr vor dem Stuttgarter Schloss, wo mich meine Freundin und Martin Killinger (Hardtseemafia) in Empfang nahmen.

Und plötzlich war alles vorbei, alles wofür man trainiert hatte. Innerhalb von Sekunden. Aber dieses Erlebnis bleibt für immer!

Jetzt nach dem Laufen war aber erstmal die Jobsuche im Fokus.

Würde ich es nochmal machen? Für die Kinder immer… Momentan nein, morgen vielleicht und in einer Woche… Ja, würde ich es wieder machen.

Es ist wichtig für solche Organisationen und vor allem für Kinder solche Strapazen auf sich zu nehmen um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es Kinder in direkter Umgebung gibt, die Hilfe brauchen.

Es braucht gar nicht so extrem zu sein… eine Spende reicht schon.. Und dafür braucht jeder einzelne nicht 325 km nach Stuttgart zu laufen, sondern nur zur Bank oder an den Rechner zum Onlinebanking. Auch diese Aktionen sind extrem…. Extrem wichtig für die Arbeit der Fanconistiftung für knochenmarkserkrankte Kinder.

Dank an: Autohaus Milz & Lindemann, GU-Sports, Compressport, Erdinger Alkoholfrei, Garmin, United Navigation, Die Flocker, Hardtseemafia, Bürgermeister Boecker, Immun Biest, Sport Jochum,CCR-Racing

 

Philippe Geuer

Rubriklistenbild: © Phillipe Geuer

Auch interessant

Weitere Themen

Kommentare