Ausdauertraining

Sportmedizinische Aspekte des Laufens

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Laufen ist Volkssport Nr. 1.

Das Laufen bzw. Joggen ist Volkssport Nummer 1 in Deutschland. Rund 17 Millionen Menschen schnüren regelmäßig die Schuhe. Sportmediziner haben die gesundheitlichen Aspekte untersucht und sich auf einem Symposium intensiv mit dem Thema befasst.

Zum 3. Mal in Folge wurde das Sportmedizinische Symposium in Hessen ausgerichtet. Nach dem Odenwald und Egelsbach war 2013 die Metropole Frankfurt am Main Gastgeber der Veranstaltung. Der Austausch von Sportmedizinern, Ärzten, Sportwissenschaftlern und Trainern brachte praxisrelevante Empfehlungen und wissenschaftliche Fortbildung zusammen. Wir möchten Ihnen zu den wichtigsten Beiträgen einen kurzen Überblick geben. 

Bereits im ersten Vortrag des Tages ging es um eines der brandaktuellen Themen in der Sportmedizin und der Trainingspraxis. Neben Muskeln und den Anpassungen auf der Ebene der Energiebereitstellung oder der Sauerstoffaufnahme steht derzeit das Bindegewebe im Fokus vieler Fragestellungen. Trainingsmethoden wie das Foam Rolling zeigen, dass das Bindegewebe viel mehr ist als einfach ein passives Stützgewebe. 

Myofasziale Verbindungen beim Laufen 

Diplom Sportwissenschaftler Torsten Schröder widmete sich in seinem Vortrag den sehr wichtigen Faszien. Aus molekularer, biomechanischer und auch aus klinischer Sicht kommt der Rolle der Faszien eine ganz neue Bedeutung zu. Die Strukturen verfügen über ein weites Netz an Rezeptoren und Lymphflüssigkeit. Eine Besonderheit des Bindegewebes ist, dass es über eine enorme Anpassungsfähigkeit verfügt und so auch trainierbar ist. Das Netz der Faszien muss zudem in seiner Gesamtheit betrachtet werden. Ähnlich wie die Muskelschlingen, scheint es auch beim Bindegewebe „Schlingen“ zu geben, die in Ihrer Wirkung zusammen beschrieben werden müssen. In der Bearbeitung und Behandlung der faszialen Strukturen versucht man insbesondere sehr lange Verbindungen zu bearbeiten. Zu diesen Verbindungen gehören beispielsweise die „Superficial Backline“ oder die „Superficial Frontline“, die jeweils relativ große Teilbereiche beschreiben. Torsten Schröder zeigte in seinem Vortrag die enge Verzahnung der Muskeln und der bindegewebigen Strukturen auf. Probleme, wie Schmerzen oder Reizungen beim Laufen oder anderen sportlichen Belastungen, müssen nicht unbedingt auf muskuläre Probleme hindeuten. Verletzungen und Überlastungen sind hingegen sehr häufig auf die Faszien zurückzuführen. Auch Fehlstellungen wie instabile Beinachsen und damit verbundenes „Einknicken“ beim Laufen in eine Valgus-Position kann auf fasziale Probleme zurückzuführen sein. Zusammenfassend kam in diesem Vortrag die enorme Bedeutung der Muskelfaszien in der Gesamtbewertung von Bewegungen heraus. Auch in der Therapie kann die Beeinflussung der faszialen Strukturen, beispielsweise durch sensomotorische Einlagen oder Faszientraining sehr erfolgversprechend sein. 

Back to sports nach Meniskusläsionen des Läufers 

Meniskusverletzungen sind bei Läufern häufig. Problematisch erscheint vor allem der undifferenzierte Einsatz der arthroskopischen Operation. Vor der Operation soll durch eine ausführliche Untersuchung und bildgebende Diagnostik (MRT, Röntgen) die Erfolgsaussicht einer Arthroskopie abgeschätzt werden. Als Therapiemaßnahmen stehen Meniskusteilresektion, -naht oder ggf. Meniskusersatz zur Verfügung. Meniskuswurzelläsionen müssen erkannt und ggf. refixiert werden. Jedoch sollte vor einem Griff zum Messer zunächst eine konservative Therapie durchgeführt werden. Neuere Studien zeigen, dass auch degenerative Risse mit einem konservativen Vorgehen identische Ergebnisse aufweisen, ohne dass dabei das Operationsrisiko in Kauf genommen werden muss. Nach adäquater Nachbehandlung ist eine Rückkehr zum Laufsport meist problemlos möglich. 

Inverse Dynamik - Gelenkbelastung messbar machen 

Der Sportwissenschaftler Dr. Felix Stief leitet das Bewegungsanalyselabor der Orthopädischen Universitätskliniken Friedrichsheim in Frankfurt. In seinem Vortrag stellte er zunächst das Bewegungsanalyselabor der Orthopädischen Abteilung des Universitätsklinikum vor. Anhand von Motion-Capturing-Systemen, Kraftmessplatten und einer Gangstrecke können die wirkenden Kraftvektoren bestimmt werden. Die Kräfte, die in einem Gelenk wirken, können so exakt gemessen werden. Am Beispiel einer 15-jährigen Patientin mit einem ausgeprägtem Varus zeigte Dr. Stief die Möglichkeiten der Bestimmung der wirkenden Kräfte. Aufgrund der in der Haltungsanalyse stark ausgeprägten O-Bein-Position bestand die Überlegung bei der Patientin eine operative Varus-Korrektur durchführen zu lassen. So sollen die Knie langfristig entlastet und degenerativen Veränderungen vorgebeugt werden. Im Bewegungsanalyselabor werden die wirkenden Kräfte bestimmt und die operative Korrektur vorbereitet. Bei der Betrachtung der Patientin im Gang wurde jedoch ein deutliches Abkippen in den Valgus erkennbar! Aus dem O-Bein wurde aufgrund funktioneller Schwächen beim Gehen ein X-Bein. Entsprechend war die Gelenkbelastung eine vollkommen andere, wie zunächst aus der Haltungsanalyse abgeleitete.

Lesen Sie weiter Laufen, Walken und Nordic Walking im Vergleich.

Literatur: 

1) J Appl Biomech. 2008 Nov;24(4):351-9.

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