Climbin’ U.S.A. (Teil 1)

Wozu es sich lohnt, in die Ferne zu schweifen

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Klettern in den USA - es lohnt sich!

Climbin’ U.S.A. (Indoor)-Kletterland der unbegrenzten Möglichkeiten

Es war ein mal vor langer Zeit (in den „guten alten“ 1980er-Jahren), da galten die Vereinigten Staaten von Amerika als „gelobtes Land“, bzw. wurden von Redakteuren der damaligen Klettermagazinen als solches bezeichnet. Kein Wunder: Denn speziell im europäischen Winter boten Gebiete wie das Yosemite Valley, Joshua Tree oder die Red Rocks ideale Bedingungen. Zudem beherrschten US-Kletterprofis wie Jim Karn, Ron Kauk doch vor allem bei den Damen Robyn Erbesfield und Lynn Hill, neben der Fels- auch die Wettkampfleistungsspitze. Auch Weltcupbewerbe fanden regelmäßig auf dem neuen Kontinent statt. Somit galt es, auch für noch so heimatverbundene Alpenkalksportkletter, quasi als ein „must have“, zumindest einmal an US-Gestein Hand angelegt zu haben.

 

Wie sieht die Sache im Jahr 2013 aus?

Ich behaupte nicht, dass die US-Gebiete etwas an deren Flair verloren haben. Doch kenne ich aus meinem Kletterbekanntenkreis niemanden, der noch, wie eben damals in den 80ern, mit Schlafsack und ein paar Dollar in der Tasche wochenlang ins „Camp 4“ des Yosemite National Park übersiedelt, um sich an Bigwalls zu versuchen. Auch die Weltcupszene verlagerte sich in den letzten Jahren zu über 90 % zurück nach Europa. Last but noch least: Dass der US-Topstar schlechthin, Chris Sharma, samt spanischer Freundin mittlerweile in ihrem Heimatland lebt, und Robyn Erbesfield-Rabatou in Frankreich glücklich wurde, beweist mir: Das Mekka des Klettersports liegt hier bei uns – auf dem „alten Kontinenten“. Selbst Sasha DiGiulian, ihres Zeichens die wohl derzeit stärkste „Felsfrau“ und Gesamtweltmeisterin, berichtet über die Gründe ihres Erfolges:

„Ich lebe und trainiere in den Staaten – Nähe Washington D.C. Ich denke, ich habe es mir hier mit Freunden und dem Boulderraum ganz gut "geregelt", was das Umfeld an meinen fünf Trainingstagen angeht. Doch Jürgen: Im Vergleich zu Österreich bzw. eurer Infrastruktur ... ich schätze diese wäre wohl hundertmal besser. Fazit ist: Ich mache zuhause das Beste draus, doch Ausflüge und Reisen nach Europa haben zweifelsohne die letzten Jahre mein Kletterniveau noch gewaltig gepusht.“ Sasha DiGiulian (19), Gesamtweltmeisterin (Vorstieg-, Speed-, und Boulder-Disziplin Sportklettern), Arco 2011, per E-Mail

Also wozu überhaupt in die Ferne schweifen? Und noch dazu in fremdem Gefielden zu Kunstwänden mit gewöhnungsbedürftigen US-Griffelementen greifen?

 

Plastic-Climbing in the USA?

Nun noch einmal: US-Felsgebiete sind, Zeit und entsprechende Vorbereitung vorausgesetzt, nach wie vor, vor allem für „Klassiker-Fans“, empfehlenswert. Vor allem landschaftlich sind die Wüsten-Kletterturm-Weiten Utahs, genau wie das Yosemity, sicherlich nach wie vor mehr als attraktiv.

Führerliteratur zu diversen Boulder- und Klettergebieten erschien dazu in den vergangenen Jahren auch im Web en masse. Doch greife ich in dieser Kolumne sowie in den Fortsetzungsteilen, welche über das gesamte Jahr verteilt folgen werden (Teile 2 bis 4 sogar in Kürze), ein anderes, ein neues und laut meinen Recherchen überhaupt noch nie im Detail beschriebenes Thema auf: Indoorklettern in den Staaten, bzw. zahlreiche generelle Tipps in Bezug auf Hallenklettern für Auslandsreisende.

Doch zurück in die Staaten: Sind viele Felsgebiete nicht mehr en vogue, so gilt schließlich auch für US-Hallen: Eher klein, „anders“ und vor allem routenbautechnisch niemals auf europäischem Niveau. Klar: Deutlicher Beweis liefert auch die Ergebnisliste des US-Weltcups in Atlanta 2012. Die meisten Amerikaner scheiterten bereits an der Qualihürde. „Moment“ sage ich und auch die www.trainingsworld.com-Redaktion stimmte mir zu. Wozu reisen denn die Allermeisten in die USA? Richtig: (Familien)-Urlaub und/oder Geschäftsreisen. Mir selbst gelang es in den 17 Jahren meiner Profikarriere 6-mal (!), vor allem während der europäischen Wintermonate, in den sonnigen US-Gefilden trainieren zu dürfen. Ich kletterte dabei, nicht nur aufgrund meiner Wettkampffokussierung, in den USA ausschließlich am Plastik. (Was muss das ideale Seil fürs Indoorklettern können?)

  

Gründe dafür

6-mal zum Kunstwandklettern in den USA in den letzten 10 Jahren? Es gibt sehr gute Gründe, die absolut dafür sprechen!

Hauptgrund war der Organisations- und Zeitfaktor. Ich reiste normalerweise ohne Kletterpartner und besuchte, meist auch für meine Buchprojekte, Coaches, Mentoren und US-Experten an den Ruhetagen oder interviewte diese direkt vor Ort für mein Podcastportal www.Power-Quest.cc. Richtig: Ich liebe es, auch im Ausland, jede Minute bzw. jeden Tag so wertvoll wie möglich nutzen zu dürfen. Sie können dies nachvollziehen? Auch Sie wollen beispielsweise den Wunsch Ihrer Sprösslinge erfüllen, Mickey Mouse im Disneyland Resort die Hand geben zu dürfen? Oder sollen für Ihren Chef in Portland einen wichtigen „Business-Fisch“ an Land ziehen? Oder... wie wäre es mit dem Sport- und Surfurlaub in Huntington Beach (die „Surf City U.S.A.“ direkt an der Pazifikküste)... UND nebenbei wollen Sie eben auch klettern oder bouldern, vor allem, um die in Europa eisern erarbeitete Form nicht zu verlieren? Gratuliere! Sie lesen den richtigen Artikel.

 

Familytrip oder Businessreise und dennoch Zeit zum Klettern, das geht 

Denn in meinen Augen: Mit Felskletter-Trips dürften Sie, mit den eben genannten Hauptzielen Ihres Aufenthalts, nicht glücklich werden. Doch mit ein wenig Bereitschaft zu Kompromissen, und ich meine hier Indoorklettern, können Sie Ihre Family beim „Disney Land – Universal Studios – Beach – Seaworld & Co. – Traumtrip“ in Kalifornien oder Ihren Chef beim Messebesuch in Albuquerque rundum glücklich sehen UND trainieren bzw. Klettern und/oder Bouldern. Ich verspreche: Weder peinlicher Checkin vor dem versammelten Unternehmensvorstand via Crashpad, noch hunderte Kilometer Autofahrt von Annaheim ins „Valley-Mekka“, welche den Urlaub, zumindest aus Sicht der Familie, völlig ruinieren, sind notwendig. Sie sehen es am letzten Bild dieser Kolumne: Auch ich kombinierte und fokussierte mich sogar als Vollprofi primär aufs Klettern – und zwar bei jedem meiner 6 US-Aufenthalte – mit vollem Erfolg. Des Rätsels Lösung erfahren Sie in wenigen Tagen hier auf www.trainingsworld.com – Bleiben Sie dran!

Ihr Jürgen Reis

 

 

Der Winter 2007 war für mich der Beweis, dass Kombination möglich ist

Der Winter 2007 war für mich der Beweis, dass Kombination möglich ist: Trotz perfekter (Indoor-Workouts) konnte ich an den Ruhetagen unikate, wertvolle und vor allem bislang nicht publizierte Trainingsdokumente für mein 3. Buch „Peak-Time“ ergattern. Carl Miller, seines Zeichens langjähriger Coach des U.S. Nationalteams im Gewichtheben (Bild mitte), durfte ich ebenso in den USA persönlich kennenlernen wie Mr. Past 40 und Bestsellerautor Clarence Bass (links im Bild). Deren Einflüsse bewirkten binnen weniger Stunden für mein gesamtes zukünftiges strategisches Trainingsdenken einige wertvolle „Fast-Wunder“.

Auch für Sie gilt: Schöpfen Sie speziell im Ausland aus dem Vollen Ihrer begrenzten Zeit. Diese Kolumenserie zeigt Ihnen, wie es geht!

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