Trainingsvideo zum Campusboard

5 Stunden Hardcore Campusboard-Workout!?

+
„Kaffee aufgekocht... 2 Stunden trainiert... langsam sind wir warm... jetzt können wir dann mal losstarten!“

Ein extremer www.trainingsworld.com-YouTube-Film und was Sie daraus für Ihre Klettertrainingseinheiten lernen können (Teil 1 von 3).

Auch dank der Unterstützung des www.trainingsworld.com-Teams darf ich Ihnen hiermit ein Amateurvideo präsentieren, welches in fast identischer Form als „Intermezzo-Sequenz“ bisher nur auf meiner Peak-Days-DVDs zu sehen war. Ich bitte Sie, sich diese fast 6 Filmminuten zu gönnen, noch bevor Sie weiterlesen. Der Film bildet quasi den „locker, motivierenden Auftakt“ zum eigentlichen, teils sehr wohl auch faktischen und ernsten, Inhalt dieses Artikels sowie der 2 Folgekolumnen.

100% HARDCORE Trainingslagertag mit Jürgen Reis & Co. in Kempten

Campusboard-Action, Boulderwand-Attacke and more!

Kletterer: Jürgen Reis, Marco Moosbrugger und Michael Gunsilius

Produktion & Regie: Simon Konrad

Endabmischung: Marco Moosbrugger

Musik: Mark Protze – www.markprotze.com

Kostenlose Artikel & Co. zu Kletter- Campus-Training & more findest du direkt auf www.trainingsworld.com

Aus dieser Sequenz erahnen Sie somit auch den Stil meines DVD-Projekts, welches zwar in HD-Qualität, jedoch mit teilweise nicht weniger „hardcorigen“ Sequenzen aufwartet. Peak-Days bildet hierbei keine Ausnahme. Aber ist es nicht vielleicht nur „ein verrückter YouTube-Kletterfilm von zigtausenden“, wie wohl mancher, auf der „sicheren Seite“ referierende Kletterlehrer mit erhobenem Zeigefinger warnen würde. Stimmt’s?

Eins ist klar: Weder mein eigener Film, noch die allermeisten der unzähligen „durchgeknallten“ YouTube-Movies sind „Fakes“. Egal ob in „Progression“ (DVD) Ex-Weltmeister Patxi-Usobiaga von mehreren Monaten (!) mit täglichen 8 Trainingsstunden berichtet und mit der Gewichtsweste quasi vor der Boulderwand vor Erschöpfung niederbricht, ob Weltklasse-Boulderer Bernd Zangerl in seinen Filmen haushohe „Highballs“ bezwingt, oder ob eben im „trainingsworld.com-YouTube-Film“, den Sie soeben sahen, Michael Gunsilius (s.o.) meint: „Kaffee aufgekocht ... 2 Stunden trainiert ... langsam sind wir warm ... jetzt können wir dann mal losstarten!“.

Alle diese verfilmten Dokumentationen haben eines gemeinsam: Entweder handelt es sich um persönliche Bestleistungen von Profis, oder um die meist nicht minder „hardcorigen“ Vorbereitungen auf selbige. Denn für die meisten absoluten „over the Tops“, also die Athleten im Klettersport, die speziell in meiner Disziplin, dem Kraftausdauerklettern, Geschichte schreiben, gilt nach wie vor: So qualitativ wie möglich, jedoch auch so viel wie eben individuell verkraftbar zu trainieren. Für die Trainingsfilme bedeutet dies also in den allermeisten Fällen generell sehr wohl: Ja, dies sind die „legendären Trainings-Rezepte“, mit welchen Topkletterer sich seit den 1980er-Jahren immer wieder in Topform bringen um dann Höchstleistungen zu „zaubern“.

Doch was bedeutet dies nun für Sie, vor allem wenn Sie als mäßig fortgeschrittener Sportkletterer oder gar als Einsteiger diese Kolumne lesen, das Video gesehen haben und möglichst rasch den nächsten Kletterlevel „toppen“ wollen? Ich fokussiere mich in den nun folgenden Ausführungen speziell auf die XXL-Trainingstage der Kletterer, die, wie angedeutet, natürlich nicht nur in diesem Film, sondern vielerorts bei YouTube & Co. auffindbar sind.

 

Alles was verboten ist ... macht stark!?

Sollten Sie es mir, Patxi Usobiaga oder Michael Gunsilius gleichtun? Nun ebenfalls den Zeigefinger zu heben wäre ein Leichtes, speziell wenn Sie als Leser ein Neuling im Klettersport sind. Doch Sie kennen das Kinderspiel: „Was verboten ist....“, welches auch bei Erwachsenen immer noch seinen Reiz hat. Ich möchte Sie, statt den „Warnprediger“ zu mimen, lieber anhand des Films in die „hohe Kunst“ der XXL-Trainingstage, die zwar manchmal mit einem leichten Übertraining, aber dennoch mit viel Spaß und vor allem verletzungsfrei, enden, einführen.

Das Wichtigste „Hardcore-Trainingsgeheimnis“ lüfte ich anhand eines Zitats des eigentlichen Weltcupsiegers des Leistungszentrums in Kempten, welcher am Filmtag leider verhindert war:

Typische Szene in der ersten Trainingsstunde, denn der Schein des „Extremen“ trügt. Während ich an sehr großen Campus-Leisten mehrere Aufwärmsätze absolviere, nutzt Weltcupsieger Andreas Bindhammer eine Satzpause für leichte Stretchingübungen.

Ich wärme mich oft bis zu einer Stunde spezifisch auf. Die gesamte Einheit dauert nicht selten 5 Stunden – 4- bis 5-mal wöchentlich. Richtig: Dies bedeutet, sich Zeit zu nehmen, bzw. entsprechend zu planen. Es gibt kein Grund, in notwendigen, ausgiebigen Satzpausen nur die Wand anzustarren. Stretching oder sich mental mit dem, was nach der Satzpause folgt, zu beschäftigen, ist eine Art des Autogenen Trainings für mich. Doch Arbeit und Co. gehören nicht in den Trainingsraum. Ein professionelles Umfeld, welches diese Einstellung teilt, kann hier helfen, 100 % der Energie aufs Workout zu bündeln.“ Andreas Bindhammer, Weltcupsieger und Unternehmer in GOLD-Podcast 190 und PLATIN Podcast 341

 

Vergessen Sie Uhr und das Zählen - Qualität zählt

Hier wird, nicht nur manchem Einsteiger in den Klettersport bereits klar: Qualität zählt und nicht etwa „Abspulen“ einer bestimmten Anzahl von Kletterzügen oder Trainingsstunden. Das ist auch bei dem in diesem Fall zugegeben enorme Zeitfenster einer einzelnen Haupteinheit von gut 5 Stunden das Résumé. Der „Gruppenspirit“ und das hohe Belastungsniveau aller Anwesenden (dazu mehr in Teil 2 dieser Kolumne) hatten am Ende nun einmal zu diesem Umfang geführt.

Trotz der hohen Intensität und Qualität des Krafttrainings!? Nun, was die generelle Belastbarkeit über mehrere Stunden angeht, bzw. davon, wie auch Sie sich Schritt für Schritt daran herantasten können, lesen Sie vor allem noch in Teil 3 in allen Details. Doch schon in meinen Campus-Board-Artikel mit Tauporns Workouts (trainingsworld.com Kolumnen 13 und 14: Campusboard-Training: Muskelaufbau) schrieb ich von der hohen Verletzungsgefahr und vor allem der langen Adaptionszeit an diesem extrem intensiven Trainingsgerät: „Ich selbst fühlte mich erst nach einem vollen Jahrzehnt (!) leistungsmäßig betriebenem Sportklettern reif für anspruchsvolle Campusboard-Trainingseinheiten.“

Und dies bedeutete anfangs garantiert nicht, dass ich, trotz noch so perfekten Aufwärmens und ausreichenden Satzpausen, mit Negativ-Doppeldynamos & Co. wie Sie es im Film sahen, über mehrere Stunden und sogar an mehreren Wochentagen am „Brett“ war. Vielmehr waren damals gut 90 Minuten nach ausgiebigem Warmup in einer Haupteinheit, welche primär aus vorsichtigen Halteübungen und einzelnen kontrollierten Zügen über kurze Griffdistanzen bestand, das Maximum. Und zwar höchstens 1-mal pro Woche!

Mehr zu den Details der schrittweisen Adaption ans „Hardcoretraining der Profis“ erfahren Sie in der nächsten und übernächsten Kolumne hier auf www.trainingsworld.com

Ihr Jürgen Reis

 

Anmerkung: Den von Gunsilius am Ende des Films erwähnten Podcast finden Sie unter http://www.Power-Quest.cc (Podcast #351)

Auch interessant

Kommentare