Klettertraining

Do you understand climbing? Fachchinesisch für Kletterer von K bis Z

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Wie in Teil 1 dieses „Kletterwörterbuchs“ angekündigt, hier die noch ausstehenden Vokabeln für Ihren souveränen Umgang (nicht nur) in Sportkletter-Insiderkreisen!

Ob Profi- oder Hobbykletterer – die Kenntnis und sichere Verwendung der wichtigsten Begriffe und Kommandos ist in der beliebten Sportart unerlässlich. Im Anschluss an den ersten Teil unseres Lexikons möchten wir unsere Übersicht vervollständigen!

Lesen Sie auch den ersten Teil des Artikels: Do you understand climbing? Fachchinesisch von A bis I

 

Karabiner

ein etwa ovaler, gebogener, metallener Haken mit Verschluss. Mit diesem hängt man u.a. das Sicherungsseil in die Haken.

 

Klettergurt

aus robustem Bandmaterial gefertigter Gurt zur Sicherung, meist an Oberschenkel/Hüfte getragen, es gibt aber auch Brustgurte.

 

Kletterschuh

Passende und hochwertige Kletterschuhe sind aus meiner Sicht absolut jeden Euro wert. Schließlich ist der „grippige Gummi“ das einzige, was ein Kletterer neben Magnesium an den Fingern wirklich „tunen“ kann (und soll), um den Weg ans Top zu erleichtern!

speziell fürs Klettern designter Schuh mit profilloser Sohle und hartem Rand, meist ohne Socken und für besseres Gefühl sehr eng getragen. Ein guter Schuh muss einen Kompromiss zwischen Stabilität/Festigkeit, aber auch Gefühlsvermittlung zwischen Fuß und Fels darstellen.

 

Kommandos

Auch wenn (teils unliebsam) an militärischen Befehlston erinnernd, manchmal doch zur raschen unmissverständlichen Kommunikation erforderlich: „Stand“: Damit gibt der Vorsteiger dem Sicherer an, dass er einen Standplatz erreicht und sich selbst gesichert hat. Dann und nur dann erfolgt: „Seil frei!“: Nachricht des Sicherers an den Vorsteiger, sobald dieser einen Standplatz und sich selbst gesichert hat, dass das Sicherungsseil ab sofort durch kein Sicherungsgerät mehr läuft (z.B. s. Grigri). „Seil!“: Kommando des Vorsteigers an den Sicherer, mehr Seil zu geben. Wichtig, egal, ob in der Kletterhalle oder am Fels: Den (Vor-)Namen des Angesprochenen bitte vor dem „Kommando“ nennen. Also z.B. „Robert, Seil frei!“. Besonders im alpinen Sportklettergelände konnten so schon oft (lebensgefährliche) Verwechslungen bei der nebenan kletternden Seilschaft vermieden werden.

 

Kraft

ist nicht alles im Klettern, aber dennoch fundamental. Sportklettern lebt nun mal von der Kraft, vor allem von der Maximalkraft (größtmögliche, willentlich aufbietbare Kraft). Von ihr (t.w.) abhängig sind Kraftausdauer (Ermüdungswiderstandsfähigkeit) und Schnellkraft (die Fähigkeit, möglichst viel Kraft in kurzer Zeit erzeugen). Alle drei Kraftaspekte müssen im Hochleistungssport Klettern gezielt und t.w. separat entwickelt werden.

 

No Hand Rest

Stelle in einer Route, an der man ohne Einsatz der Hände stehen kann. Im Sportklettern meist nur der Einstieg.

 

„Piazen“, Piaz-Technik

eine raffinierte Gegendrucktechnik, die Hände und Beine üben gegengleich Druck und Zug aus, an Rissen und Schuppen. Benannt nach dem italienischen Bergsteiger Tita Piaz.

 

Pinch-Grip, Zangengriff

der oft konische oder zapfenförmige Griff wird zwischen Daumen und Fingern eingeklemmt (to pinch = einklemmen) gehalten.

 

Projekt

ist eine bereits ausgecheckte/-geboulderte Route, entweder überhaupt noch nie begangen, dann wäre es bei Erfolg eine Erstbegehung, oder Wiederholung einer von anderen schon erschlossenen Route als eine persönliche Herausforderung, die man für sich erstmals meistern möchte.

 

Rotpunkt

ist die sturzfreie On-sight-Begehung einer Route im Vorstieg ohne Verwendung technischer Hilfsmittel (Sicherung natürlich erlaubt!).

 

Routen schrauben

das Einschrauben von Wechselgriffen an künstlichen Wänden, um Wettkampf- oder (individualisierte) Trainings-Routen zu kreieren.

 

Schwierigkeitsgrad

spricht für sich selbst. Routen und Wände werden nach Schwierigkeitsgraden eingeteilt, wobei z.B. bei Erstbegehungen die erfolgreichen Kletterer selbst die Einordnung durchführen. Es gibt mehrere Systeme und Einteilungen. Bei uns im deutschsprachigen Raum ist besonders die UIAA-Skala, sowie die französische Bewertungsskala verbreitet. Eine rasche Orientierung samt Vergleichstabelle finden Sie auf Wikipedia.

  

Slacklining

Seiltanzen auf dem Schlappseil: eine effektive Methode, um das Balancegefühl zu verbessern.

Seiltanzen auf einem niedrigen Schlappseil, von vielen Kletterern zur Verbesserung des Balancegefühls und zur Abwechslung durchgeführt.

  

Speedclimbing

Wettkampfdisziplin des Sportkletterns auf Tempo, meist im Duellsystem durchgeführt.

 

Traverse

kurzer Quergang in einer Route.

 

Überhang/Dach

(felsiger) Vorsprung, den man mit ausgefeilter Klettertechnik bewältigen muss, z.B. mit Fußhaken oder Zugstemmen (Mantle).

 

Schlüsselstelle oder Crux

die schwierigste Stelle der Route oder Passage. Wenn man diese schafft, ist der Rest meist nur mehr Form- oder Ausdauersache. Crux heißt „Kreuz“, wenn Sie sich also nach wiederholtem Scheitern sagen hören: „Es ist ein Kreuz mit dieser Stelle“, haben Sie meist die Schlüsselstelle identifiziert.

 

Top, das

offizielles Ende einer Route und damit Ziel aller Träume. Meist durch Einhängen des Sicherungsseils am letzten Haken erreicht.

 

Toprope

das Sicherungsseil kommt von oben und läuft über Umlenkung zum Sichernden, der z.B. beim Wettkampf am Boden steht. 

 

Vorstieg-Klettern, Lead-Disziplin auch Difficulty oder Schwierigkeitsklettern

eine der drei Wettkampfdisziplinen des Sportkletterns. Der Athlet steigt On-sight durch die Route und hängt das Sicherungsseil selbst an den Haken (mittels Karabiner) ein. Bei den meisten Wettkämpfen muss der Athlet vor dem eigenen Versuch in die Isolation (s. ebd.).

 

Vorsteiger/Nachsteiger

übliche Seilschaft im Klettern, der Vorsteiger bildet ihr oberes, der Nachsteiger ihr unteres Ende.

 

Zug, Move

Bewegung(ssequenz), um den nächsten Griff zu erreichen.

Also, keine Angst, Vokabeln lernen, müssen sie natürlich nicht! Sie werden sehen, mit dauerndem Gebrauch wird auch Ihnen der Kletterer-Slang in Fleisch und Blut übergehen, außerdem bringen Sie diese Begriffe dem Klettern an sich noch näher, weil Sie damit bestimmte kletterspezifische Handlungen, Situationen und Bilder assoziativ in Ihrem Gedächtnis wachrufen! – Fast schon so was wie ein Mentales Training! Also verwenden Sie die Ausdrücke, die gehören eben dazu, um ein vollständiger Kletterer zu werden.

Somit von A bis Z „gewappnet“, wünsche ich Ihnen endgültig viel Spaß bei der absolut fachlich perfekten Fachkommunikation – egal ob in der Kletterhalle, am Fels oder beim gemütlichen „Insider-Stammtisch“ nach vollbrachten Taten!

 

Ihr Jürgen Reis mit Nikolai Janatsch

 

Studieren Sie auch den 1. Teil unseres Kletterlexikons!

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