Studie

Hirndruck und akute Höhenkrankheit am Everest

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Erhöhter Hirndruck gilt als einer der Faktoren für die akute Höhenkrankheit (AMS) und das Höhenhirnödem (Schwellung des Gehirns). Über die Rolle des Hirndrucks bei leichter bis mittelschwerer akuter Höhenkrankheit ist jedoch noch wenig bekannt.

Britische Wissenschaftler wollten hier Klarheit schaffen. Sie untersuchten daher den Durchmesser der Sehnervenscheide an 13 Bergsteigern (10 Männer und 3 Frauen im Alter von 23–52 Jahren). Die Untersuchung erfolgte während einer Expedition auf den Mount Everest beim Aufstieg von Meeresspiegelniveau auf 6.400 m. Die Messung von Veränderungen beim Durchmesser der Sehnervenscheide ist eine nützliche, nichtinvasive Methode, die Aussagen über den Hirndruck ermöglicht. Ein größerer Durchmesser der Sehnervenscheide weist auf einen erhöhten Druck hin. Der Durchmesser der Sehnervenscheide wurde jeweils in einer Höhe von 0 m, 2.000 m, 3.700 m, 5.200 m und 6.400 m gemessen. Die Wissenschaftler verglichen die Ergebnisse mit den gleichzeitig gemessenen Werten der Sauerstoffsättigung und der Herzfrequenz.

Folgende Untersuchungsergebnisse lassen sich festhalten:

- Die statistische Analyse zeigte, dass der Durchmesser der Sehnervenscheide sich mit zunehmender Höhe über NN veränderte. Pro 1.000 m Höhenzunahme verlängerte sich der Durchmesser der Sehnervenscheide um 0,1mm.

- Die Verlängerung des Durchmessers der Sehnervenscheide ist umgekehrt proportional zur Sauerstoffsättigung. Pro 10 % Abnahme der Sauerstoffsättigung verlängerte sich der Durchmesser um rund 2 mm.

- Außerdem erhöhte sich bei zunehmendem Durchmesser der Sehnervenscheide der AMS-Wert. Pro 0,12 mm verlängerten Durchmesser stieg der AMS-Wert um einen Punkt.

Die Forscher zogen die Schlussfolgerung, dass „der Durchmesser der Sehnervenscheide in großer Höhe zunimmt und es aufgrund dieser Erhöhung zu einer gefährlicheren AMS-Symptomatik kommt“. Somit könnte dieses Messverfahren ein hilfreiches Instrument für die Beurteilung individueller Reaktionen auf die jeweilige Höhe darstellen, mit denen besonders gefährdete Personen identifizieren werden können.
 

British Journal of Sports Medicine, 2008

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