Die Top 3 Hallenseile für den Indoor-Kletterwinter 2012/13

Die ersten Siegerseile fürs Indoorklettern: Edelrid Tower und Beal Wallmaster

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Intervalltraining mit Gewichtsweste meisterten besonders die ersten zwei in diesem Artikel empfohlenen „Hallen-Kletterseile“ souverän.

8 Indoor-Kletterseile wurden, wie in Teil 1 erwähnt, von Jürgen Reis auf Herz und Nieren getestet. Die 3 „Winner“ erwarten Sie in diesem und dem nächsten Beitrag hier auf trainingsworld.com.

(Lesen Sie hier Teil 1: Was muss das ideale Seil fürs Indoorklettern können?)

Um den Testseilen eine noch raschere Abnutzung zu „gönnen“ und so die drei in dieser 3-teiligen Kolumne beschriebenen „Sieger-Seile“ zu ermitteln, hieß es „an die Last“. Klettern als Intervalltraining mit Gewichtsweste, wie hier im Bild an meiner Heimwand, der K1 Kletterhalle Dornbirn, war eine meiner „Gemeinheiten“, welche besonders die ersten 2 in diesem Artikel empfohlenen „Hallen-Arbeitstiere“ souverän meisterten. 

 

Edelrid Tower

Die eben benutzte Wortschöpfung stammt übrigens von Edelrid-Marketingleiterin Anne Leidenfrost: "Wir schicken dir ein 50 m Tower – das ist unser absolutes „Arbeitstier“ für die Halle.", so ihr O-Ton einer E-Mail, welche der Edelrid-Seilschachtel des Paketdiensts vorausging.

In zwei Farben erhältlich: Das Edelrid „Tower“ 50 m zu 170,- Euro unverbindlich empfohlenem Verkaufspreis des Herstellers (UVP).

Doch alles der Reihe nach: Der deutsche Bergsportartikelproduzent Edelrid ist Outdoor-Kennern, welche auf Qualität aus Deutschland „stehen“, seit Jahren nicht nur unter der trendigen grün/schwarzen Ausrüstungslinie ein Begriff. Denn Edelrid entwickelte 1953 das weltweit (!) erste Kernmantelseil und kann somit zu Recht als deutsche Wiege des Alpinismus und des Klettersports bezeichnet werden.

Um mit einem „Extra“ des Tower-Indoorseils zu starten: „Thermo Shield“ wurde via Edelrid vor über 20 Jahren initiiert und kontinuierlich weiterentwickelt. Hierbei handelt es sich um einen thermischen Veredelungsprozess, bei dem die Schrumpfung der Kern- und Mantelgarne gleichmäßig und dauerhaft vorweggenommen wird. Das Resultat: Das Seil fühlt sich, trotz seiner an sich „dicken“ 10,5 mm, im Handling sowohl für den Sicherer am Boden als auch für den Kletterer angenehm dünn und vor allem sehr flexibel an. Auch ist das Seil, selbst im Vergleich zu dem „Ultraleichtgewicht“, welches ich Ihnen in Teil 3 dieser Kolumne vorstelle, sehr leicht: Mit 69 Gramm/Meter hat es nur exakt 6 „Meter-Gramm“ und ist somit wohl vernachlässigbar „schwerer“.

Das Tower ist absolut für den Halleneinsatz ausgelegt und geeignet. Ein hoher Mantelanteil von 39 % machte sich speziell bei meinen „Hardcore-Intervalltrainings-Tests“ bemerkbar: Insbesondere Kletterneulinge, welche wie ich beim „intervallen“ besonders häufig im Toprope, also mit Seilsicherung von oben, klettern, werden begeistert sein. Trotz des im Vergleich zu den anderen beiden Siegerseilen gehobenen Preises: Top-Qualität aus deutschen Landen, die, meiner Schätzung nach, bei 2 bis 3 Indoortrainings-Einheiten pro Woche, evtl. sogar zwei volle „Hallen-Winter“ verlässliche Dienste liefern sollte.

 

Beal Wallmaster

An unterschiedlichen Kletterwänden durfte das hier noch nagelneue Wallmaster-Seil zeigen, ob die Herstellerversprechen zutreffen.

Auch Beal ist, genau wie Edelrid, dem Kletterseil im wahrsten Sinne des Wortes sehr verbunden. Das seit 1991 von den USA aus agierende Unternehmen verschrieb sich von vornherein einem primären Produktfokus: Dem Sportkletterseil. Diese inzwischen über zwei Jahrzehnte an Produktentwicklung und -weiterentwicklung bekam auch das „Wallmaster“ positiv zu spüren und setzte das Seil sehr souverän auf die „Top 3“ Liste.

Gleich in drei Varianten und farbenfroh gibt sich auch der französische Seilspezialist BEAL mit seinem Wallmaster. Der vom Hersteller empf. VK für die 50 m-Ausführung: 144,95 Euro.

Wie das eben beschriebene Tower wird auch dieses Seil vom Hersteller ausschließlich für den Hallenbetrieb empfohlen. Was das Handling betrifft: Sowohl beim Einhängen von Zwischensicherungen jedoch auch beim Sichern machte sich der griffige Seilmantel angenehm bemerkbar. Selbiger ist übrigens, via des sog. „Unicore-Prozesses“, bei welchem die 32 Flechtfäden des Seilkerns fest mit dem Mantel verbunden werden, quasi auch „Hallen-Arbeitstier-gesichert“. Denn Mantelverschiebungen sind so, auch bei langfristiger Benutzung so gut wie ausgeschlossen. Mit 10,5 mm Durchmesser und 71 „Seilmeter-Gramm“ liegt es in sehr ähnlichen Dimensionen wie das Tower-Seil. Preislich platziert sich das Kletterseil in der „goldenen Mitte“ des Testfelds.

Unser Fazit nach ca. 500 gekletterten „Intervall+Gewichtswesten-Trainingsmetern“: Auch Beal stellt eines der widerstandsfähigsten Seile, das ich in meiner gesamten Kletterlaufbahn testen durfte. Einziger Wermutstropfen im Vergleich zum Edelrid Tower: Kleine Mantel-Faserbüschel waren nach Testabschluss sichtbar. Jedoch zeigten sich, auch in den Wochen bis Redaktionsschluss, keinerlei „Symptomverschlimmerung“ oder weitere Abnutzungserscheinungen. Somit klares zweites Top-Seil und eine unverbindliche Kaufempfehlung meinerseits.

 

Somit ...

Auf ins nächste Bergsportfachgeschäft oder via Internet-Fachhandel zu einem dieser zwei würdigen Sieger-Seile? Oder doch noch warten auf den Siegerseil-Bericht Nr. 3, der hier in wenigen Tagen, samt einiger Spezialtipps für den richtigen Umgang mit dem wertvollsten Sicherheitsgut im Sportklettern, erscheint?

Mein Tipp: Aller guten Dinge sind 3! Unabhängig davon, welchen Hersteller Sie letztlich wählen, doch diese Hallenseil-Kolumne wird im finalen dritten Teil in vielen Belangen Ihren eigenen Beurteilungshorizont noch erheblich erweitern – dafür garantiere ich.

Also bleiben Sie dran hier auf www.trainingsworld.com!

Ihr Jürgen Reis

 

Fotos: (c) Kurt Hechenberger bzw. Archiv Jürgen Reis (www.juergenreis.com) und Jürgen Christmann (www.cuadro-austria.com)

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