Physiologie

Selbstverteidigung: Anatomie für Kampfsportler (Teil I) - Der Kopf

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Guter Kampfsport und auch Selbstverteidigung setzen Grundkenntnisse der menschlichen Anatomie voraus.

Jeder Kampfsportler muss sich mit der menschlichen Anatomie und den körperlichen Schwachstellen auseinandersetzen. Nur so wird es einem gelingen, seine Schläge und Tritte zu verstehen und sie richtig auszuführen.

Wenn es um Sparring, Selbstverteidigung oder Freikampf geht, muss jeder Angriff nicht nur punktgenau das Ziel treffen (Trefferfläche), sondern auch mit dem richtigen Körperteil (Angriffsfläche) und in der richtigen Haltung und Bewegung ausgeführt werden. Aus diesem Grund muss sich jeder Kampfsportler (z. B. Taekwondo) zwangsweise mit der menschlichen Anatomie und den körperlichen Schwachstellen auseinandersetzen. Nur so wird es einem gelingen, die Schläge und Tritte zu verstehen und sie richtig auszuführen.(Selbstverteidigung ohne Hilfsmittel (Teil I))

  

Der Kopf

Der Schädel ist die knöcherne Basis des Kopfes und sitzt direkt auf der Wirbelsäule. Er ist aus 28 Knochen zusammengesetzt. Jeweils 3 befinden sich im Mittelohr (Hammer, Amboss und Steigbügel). Das Kopfskelett soll sicherstellen, dass dem empfindlichen Gehirn kein Schaden zugefügt wird. afür spielt nicht zuletzt die Gehirnflüssigkeit eine sehr große Rolle. Sie ist ein internes Dämpfungssystem gegen Erschütterungen. Der Schädel weist außerdem eine beachtliche Verformbarkeit bei Krafteinwirkung auf. Bei einer seitlichen Quetschung oder einem Aufschlag kann sich der Durchmesser um 3 bis 4 mm verkleinern und anschließend wieder ausgleichen. Dieses "federn" nimmt einen Großteil der Energie auf.

Im Allgemeinen gilt: je größer die Angriffsfläche, desto besser kann der Druck verteilt werden. Sollte es zu einem Bruch kommen, hängt er von der Angriffsfläche am Schädel ab.

Schwachstellen im Kopfbereich

- Schädeldach

- Schläfe

- Nasenbein

- Augapfel

- Nase

- Kiefergelenk

- Philtrum

- Lippen

- Kinnspitze

- Hinter den Ohren

- Unterkiefer

- Kieferknöchel

 

Erklärung

Schädeldach

Das Schädeldach ist der obere Teil des Kopfes. In der Mitte des Kopfes verläuft eine Kranznaht, durch die die Kopfplatten zusammengewachsen sind. Die Schädelbasis bildet den Boden des Hirnschädels und das Dach des Gesichtsschädels. Kommt es zum Schädelbasisbruch treten oft Blutung an Ohr und Nase und Blutergüsse im Augenbereich auf.

 

Schläfe

Die Kopfregion zwischen Auge und Ohr nennt man Schläfe. Sie ist als flache Grube deutlich zu erkennen. Da das Gehirn genau hinter der Schläfe liegt, sind Treffer in dieser Region sehr wirksam. Nach einer stumpfen Gewalteinwirkung kann es deshalb zu Übelkeit, Brechreiz, Kreislauf- und Atemstörungen und Sehkraftbeeinträchtigung kommen. Schlimmstenfalls kommt es zur Bewusstlosigkeit und zum Erinnerungsverlust.

 

Nasenbein

Das Nasenbein ist Teil der äußeren Nase. Es ist sehr schmal und nicht besonders stabil gegen Schläge von vorne, von der Seite und vor allem von oben.

 

Augapfel

Um uns richtig orientieren zu können, sind wir Menschen auf unsere Augen angewiesen. Damit der Augapfel gut geschützt ist, ist er in die Augenhöhle eingebettet. Das Auge selbst hat keine besonderen Schutzmechanismen und ist äußerst anfällig gegen alle Arten von Gewalteinwirkung wie Stiche, Flüssigkeiten oder sogar Licht

 

Nase

Die Nase ist in "äußere Nase" und in die "Nasenhöhlen" gegliedert. Die äußere Nase besteht aus Nasenwurzel, Nasenrücken, Nasenspitze, Nasenflügel, Nasenbein.

Die Nase hat mehrere Funktionen im Kampfsport. Sie kann z. B. dazu benutzt werden, um den Kopf des Gegners zu drehen. Auch ein Schlag direkt auf die Nase kann für starke Schmerzen und Blutungen sorgen. Ein Nasenbruch kann schwere und sogar lebensbedrohliche Folgen haben.

 

Kiefergelenk

Ein Schlag auf das Kiefergelenk kann sofort für einen K. O. sorgen - besonders wenn die Zähne im Moment des Schlags nicht zusammengepresst sind.

 

Philtrum

Das Philtrum ist zwischen Nase und Oberlippe zu erkennen. Es ist Trefferpunkt beim mittleren Faustschlag bei fast allen Kampfsportarten. Hierbei ist es wichtig, dass man als Angreifer den Punkt richtig trifft, denn Abweichungen nach unten können zu Schnittwunden an den Fingerknöcheln sorgen. Beim direkten Schlag auf das Philtrum bekommt das Gehirn die Treffereinwirkung zu spüren.

 

Lippen

Die Lippen sind sehr stark durchblutet, daher auch die rote Farbe. Bei einem schweren Schlag kommt es sofort zum Aufplatzen der Lippen. Man sollte keine Tritte auf die Lippen zielen, denn es ist sehr schwierig, exakt die Lippen zu treffen.

 

Kinnspitze

Ein Schlag oder Tritt auf die Kinnspitze kann den Unterkiefer brechen. Viel effektiver ist es, einen Kinnhaken auszuführen bei dem der Kopf zurückschnappt. Dabei tritt eine Wirkung vor allem im Gehirn auf. Bei solchen Angriffen sind Halswirbelschäden oder ein Kieferbruch nicht auszuschließen.

 

Hinter den Ohren

Ein Tritt oder Fingerstich auf diesen Punkt sorgt direkt für Kurzzeitlähmungen im gesamten Körper.

 

Unterkiefer

Ein Schlag auf den Unterkiefer führt zu einem Kieferbruch, der kaum zu behandeln ist. In einer Notsituation ist der Unterkiefer ein primäres Angriffsziel.

 

Kieferknöchel

Er ist Teil des Unterkiefers. Ein oft angewandter Drehkick oder Drehschlag führt sofort zu einem Kieferbruch.

 

Vahab Yektapour

 

Literatur:

1. Hapkido – The Korean Martial Art of Self Defense 1998 1. Auflage

2. Hapkido - Korean Art of Self-Defense by Bong Soo Han Kubayamashi-Do

3. „Nahkampf- und Selbstverteidigungstechniken" (des Taekwon-Do) 1995

4. www.taekwondo.de

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