Interview mit Wrestling-Experte Sebastian Hackl

„Wrestling sieht hart aus – und ist es auch!“

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Nicht nur Show: Wrestling ist hartes Training und viel Technik.

Am 14. und 15. November gastiert World Wrestling Entertainment in Braunschweig und Frankfurt. Sebastian Hackl, ehemaliger Wrestler und WWE-Kommentator, im Gespräch über das Wrestling-Training, die Faszination und seinen ersten Mattenkontakt.

trainingsworld.com: Hallo Herr Hackl. Sie moderieren die WWE im TV und waren selbst aktiver Wrestler. Was macht die Faszination der Sportart aus? 

Sebastian Hackl: Wrestling ist mehr als nur Kraft oder einen starken Körper aufbauen. Es erfordert ein komplettes Paket von Kraft, Technik und vor allem Show-Talent. Zum Beispiel als ich in den 90ern Hulk Hogan gesehen habe, fand ich schon faszinierend, wie muskulös er war und wie er seine Matches bestritten hat. Aber so richtig fasziniert war ich von den Interviews bzw. Promos und wie die Zuschauer schier ausgerastet sind, wenn er sein T-Shirt zerrissen hat. Da habe ich jedes Fußballspiel für sausen lassen.

Kraft, Körperbeherrschung und Beweglichkeit sind wichtig

trainingsworld.com: Wie und wo kann man denn die Grundlagen des Wrestling erlernen? 

Sebastian Hackl: Am besten lernt man es von ehemaligen Wrestlern. Es gibt viele lokale Schulen. Diese schauen zunächst einmal, ob die grundlegende Kondition und Konstitution für das Wrestling ausreicht. Und dann lernt man die Technik und alles weitere Step by Step. Die WWE hat ein eigenes Performance Center in dem Sie ihre Athleten ausbildet.

trainingsworld.com: Welche Grundvoraussetzungen sollte man mitbringen? 

Sebastian Hackl: Kraft ist natürlich erforderlich. Dazu verschiedene Fähigkeiten, wie Körperbeherrschung, Beweglichkeit und Bewegungen schnell zu antizipieren. Da ist es natürlich von Vorteil, vorher einen anderen Sport betrieben zu haben. Nicht umsonst sind in der WWE viele ehemalig Footballspieler, Ringer oder andere Athleten aktiv. Sie vereinen das Beste aus verschiedenen Welten.

Das Krafttraining ist eher funktionell

trainingsworld.com: Welche Inhalte stehen denn zu Beginn des Trainings im Mittelpunkt? 

Sebastian Hackl, ehemaliger Wrestler und aktuell Kommentator für die WWE.

Sebastian Hackl: Es wird natürlich auch Kraft trainiert, wenn auch eher funktionell. Es werden also viele freie oder dynamische Übungen, wie zum Beispiel an Dips oder Klimmzüge an den Ringen oder Übungen mit Seilen und Kettlebells trainiert. Dazu Übungen, in denen mehrere Aspekte verbunden werden und klassisches Gewichtheber-Training, wie Reißen und Stoßen. Im Wrestling werden schließlich viele Moves von unten heraus ausgeführt, indem man den Gegner hochhebt. Es ist etwas spezielles, einen 150 kg schweren Menschen hochzuheben. Das muss komplex trainiert werden. Darüber hinaus wird natürlich die Technik geschult. Es gibt eine „Fallschule“, die verschiedenen Aktionen werden immer und immer wieder wiederholt. Das ist letztendlich Präzisionsarbeit. Jede Übung wird in den Trainingscamps bis zu 1000 Mal wiederholt. Es kommt dabei auf kleine Details an, da ich mit einem falschen Griff oder einer etwas ungenau ausgeführten Aktion einen Gegner schwer verletzen kann. Dazu ist tägliches Training im Ring notwendig.

Beim ersten Bump dachte ich, ich könnte nie wieder atmen

trainingsworld.com: Wrestling wird oft als Show-Sport abgetan. Auch wenn natürlich viel Entertainment dabei ist, tut es nicht weh, wenn man auf dem Ringboden aufschlägt? 

Sebastian Hackl: Natürlich. Es sieht oft hart aus – und das ist es auch! Als ich in der Wrestlingschule bei Alex Wright (ehemaliger WCW-Star, der heute in Nürnberg Nachwuchsathleten trainiert) erstmals nach einem Snap Suplex – das ist nur der schnell ausgeführt und flach gezogene – mit dem Rücken im sogenannten Bump aufkam, hat s mir die ganze Luft aus meinem Körper gestoßen. Der Schmerz ging bis in die Zehenspitzen. Ich dachte, dass ich nie wieder im Leben einatmen würde können. Aber es ist unglaublich, wie sich der Körper an diese Aktionen gewöhnt. Mit jeder Trainingseinheit wurden die Schmerzen geringer – auch wenn sie nie ganz weggehen. Zudem bildet man natürlich auch ein entsprechendes Muskelkorsett aus. Man lernt seinen Körper besser kennen und sich immer um Nuancen anders zu bewegen. Am Ende ist es also immer noch schmerzhaft, aber bei weitem nicht mehr so wie zu Beginn.

Lesen Sie weiter in Teil 2 "Im Wrestling muss alles stimmen: Technik, Look und Entertainment".

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