Interview mit Wrestling-Experte Sebastian Hackl

"Im Wrestling muss alles stimmen: Technik, Look und Entertainment"

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Die Technik bei gefährlichen Aktionen muss sehr genau sein.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Wrestling Experte Sebastian Hackl über die Wichtigkeit des richtigen Trainings, die Kondition und darüber was einen guten Wrestler ausmacht: die Einstellung und die Fähigkeit, Leute zu unterhalten.

trainingsworld.com: Wie groß ist das Risiko, sich beim Wrestling zu verletzen? 

Sebastian Hackl: Es ist schon ein hohes Risiko. Schließlich führen schon kleine Ungenauigkeiten zu Verletzungen. Daher wird auch so viel Wert auf die Technik gelegt. Die Athleten der WWE absolvieren im Jahr ca. 250 Shows, die können sich keine Verletzung erlauben. Daher werden sie jahrelang von der WWE im Performance Center ausgebildet. Rückblickend betrachtet habe ich jahrelang falsch trainiert – mehr auf Aussehen und nicht funktionell. Ich habe mir zwei Mal das Kreuzband gerissen, was ich mit richtigem Training, z.B. an freien Gewichten, und einer besseren Bewegungsausführung eventuell hätte vermeiden können.

Es braucht schon eine ganz spezielle Art von Athlet

trainingsworld.com: Manche Matches dauern bis zu einer Stunde, wie wichtig ist da die Kondition? 

Herausragender Athlet: Brock Lesnar.

Sebastian Hackl: Natürlich auch sehr wichtig. Aber da braucht es auch schon eine spezielle Art von Athlet, der das Publikum auch eine Stunde unterhalten kann. Dwayne „The Rock“ Johnson zum Beispiel ist ein solcher Superstar. Der macht im Ring die unglaublichsten Dinge und unterhält zudem das Publikum. Das kann definitiv nicht jeder. Wie gesagt, das ist eine besondere Art von Athlet. Brock Lesnar zum Beispiel wiegt 130 kg, macht Kniebeugen mit 1000 Pfund und schafft locker einen Dunking beim Basketball. Der hat eine so brutale Athletik.

Es muss alles stimmen: Technik, Look und Entertainment

trainingsworld.com: Wie wichtig ist die Fähigkeit gute Promotions, also Interviews und Ansprachen abzuliefern? 

Sebastian Hackl: Enorm wichtig. Wenn ein Wrestler kräftig ist und eine gute Technik hat, aber das Publikum bei einem Interview oder eine Promo nicht innerhalb von ein bis zwei Minuten begeistern und in seinen Bann ziehen kann, wird er es nicht in das professionelle Wrestling oder gar bis an die Spitze schaffen. Nicht umsonst heißt es World Wrestling ENTERTAINMENT. Es muss alles stimmen: Technik, Look und die Fähigkeit, Leute zu unterhalten. Man kann das auch gut mit dem Fußball vergleichen, die populärsten Spieler, sind diejenigen, die neben der sportlichen Klasse auch in der Öffentlichkeit gut ankommen, wie David Beckham oder Christiano Ronaldo. Im Wrestling sind es Athleten wie The Rock, Hulk Hogan, Triple H, Bret Hart, Steve Austin, oder aktuell John Cena, The Miz.

Die Einstellung ist der Schlüssel 

trainingsworld.com: Können Sie Sportlern, die über eine eigene Wrestling Karriere nachdenken, einen Tipp geben, wie sie am besten starten sollen? 

Sebastian Hackl: Auf jeden Fall muss man sich körperlich gut vorbereiten. Aber viel wichtiger ist: Dedication, also die Einstellung. Man muss Respekt dem Sport gegenüber haben und den unbedingten Willen: „Ich will Profi-Wrestler werden!“ Das muss man leben. Man muss zudem einen eigenen Charakter ausbilden und diesen dann auch glaubhaft transportieren. Das ist viel komplexer, als viele meinen.

Lesen Sie auch Teil 1 "Wrestling sieht hart aus - und ist es auch!".

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