Kampfkunst

Anatomie für Kampfsportler (Teil 2) – Der Oberkörper

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Der Oberkörper bietet zahlreiche Angriffspunkte für Kampfsportler. Die Chancen und Gefahren, die diese mit sich bringen, sollte er genau kennen.

Für den Kampfsportler ist es wichtig, jede Schwachstelle des Körpers - speziell die des Oberkörpers - zu kennen, um sowohl den Gegner erfolgreich angreifen als auch um Angriffe bestmöglichst abwehren zu können.

Der Oberkörper des Menschen besteht aus sehr vielen vor allem auch kleinen Muskeln. Lebenswichtige Organe, wie z. B. das Herz und die Lunge, befinden sich im Oberkörper. Für den Kampfsportler und in der Selbstverteidigung ist es wichtig, Schwachstellen des Körpers - speziell die des Oberkörpers - zu kennen, um den Gegner erfolgreich anzugreifen und um Angriffe abzuwehren. Außerdem kann das eigene Training auf die Muskulatur abgestimmt werden, die diese wichtigen inneren Organe schützt.

Als Angriffsziel im Sparring eignen sich lediglich Schwachstellen mit großen Angriffsflächen, weniger die einzelnen Punkte des Oberkörpers. Auf diese zielt man in der Selbstverteidigung ab, z. B. ist es möglich, sich mit diesem Wissen aus verschiedenen Griffen zu befreien.

Die einzelnen kleinen Angriffspunkte des Oberkörpers befinden sich bei jedem Menschen millimetergenau an den gleichen Stellen, ganz egal, von welcher Statur der Körper ist. So ist es möglich, auch einen überlegenen Gegner hart zu treffen. Hierbei ist die Technik noch vor dem Kraftaufwand entscheidend. Aber vorsicht: Schon Angriffe aus kurzer Distanz können schlimme Wirkungen haben. 

Im Folgenden werden die einzelnen Angriffspunkte des Oberkörpers unterschieden.

 

Kieferknöchel

Der Kieferknöchel ist ein Teil des Unterkiefers und stellt keine anatomische Besonderheit dar. Trifft man diesen Knochen mit einem Schlag oder Tritt, kann der Unterkiefer brechen, was mit einer langwierigen Behandlung verbunden ist. Deshalb wird empfohlen, diesen Punkt nur in Gefahrensituationen als primären Angriffspunkt zu nutzen. Effizienter ist es, mit den Fingern neben den Kieferknöcheln Druck auszuüben oder mit den Fingern unter die Kieferknöchel zu stechen. Hierdurch entsteht kein Bruch des Knochens, aber das Schmerzempfinden des Gegners ist sehr hoch.

Tipp für Kampfsportler: Es sowohl im Sparring als auch in der Selbstverteidigung wichtig, während des Kampfes die Muskulatur um die Kieferknöchel herum anzuspannen, um einem Brechen des Unterkiefers vorzubeugen.

 

Oberer Nacken

Der Nacken bezeichnet den hinteren Teil des Halses und ist für die Beweglichkeit des Kopfes und großer Teile des Oberkörpers verantwortlich. Die empfindliche Halswirbelsäule kann durch Tritte und Schläge verletzt werden was im schlimmsten Fall zu einem Genickbruch oder Lähmungen führt. Trifft man den Hinterkopf kann es zu Bewusstlosigkeit kommen. Deshalb soll auch auf diese Stellen nur in Gefahrensituationen gezielt werden. Im Kampfsport sind Schläge auf den Nacken-/Halsbereich verboten.

 

Adamsapfel

Der Adamsapfel ist ein Teil des Kehlkopfes (Schildknorpel) und ist beim Mann sichtbarer als bei der Frau. Über Knorpelstücke stützt der Adamsapfel die Luftröhre. Der ganze Kehlkopf ist also ein Teil des Atemtrakts und bildet den Übergang vom Rachen zur Luftröhre an der Vorderseite des Halses. Durch einen Schlag oder Tritt drückt man den Kehlkopf ein und schnürt so die Luftröhre zu. Es ist deshalb sehr gefährlich direkt auf den Kehlkopf zu zielen, da die Gefahr besteht, dass der Gegner erstickt.

Tipp für Kampfsportler: Es ist wichtig, das Kinn an den Hals heranzuziehen, um Schläge und Tritte zu blocken. Zielt man (nur!) in einer Gefahrensituation auf den Adamsapfel, so ist ein Angriff mit wenig Kraft bereits effektiv.

 

Handgelenk

Das Handgelenk ist ein Kugelgelenk und besteht aus vielen kleinen Nebengelenken. Das macht das Handgelenk sehr instabil. Deshalb sollte ein Fall zur Seite oder nach vorne niemals mit dem Handgelenk oder dem Handballen abgefangen werden. Schläge mit dem Handgelenk zu blocken ist deshalb tabu. Allerdings kann man nach einem erfolgreich geblockten Schlag das Handgelenk des Gegners durch eine Hebelbewegung umleiten und ihm seiner Bewegungsfreiheit berauben.

 

Daumenballen

Der Daumenballen ist der untere Teil des Daumens an der Handinnenfläche und besteht vor allem aus einem Muskelschwulst. Es ist möglich, sich aus einem Griff zu befreien - egal aus welcher Position heraus –, indem man mit dem Zeige- oder Mittelfinger in den Daumenballen des Gegners hineindrückt und diesen nach Außen dreht.

 

Schultergelenk

Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk, welches sich bei Gesundheit zwischen dem Schulterblatt und dem Oberarm befindet. Ein Kugelgelenk kann luxieren (auskugeln), was es zu einer Schwachstelle des Körpers macht. Bei Schlägen, die von Oben auf das Schultergelenk treffen, kann das Schlüsselbein leicht brechen. Deshalb sollten Kampfsportler darauf achten, im Training ihre Muskulatur um das Schultergelenk herum sehr gut zu trainieren.

 

Brust und Brustwarze

Die Brust ist der vordere Teil des Oberkörpers. Tritte von vorne auf den Burstkorb können diesen eindrücken und so die inneren Organe verletzen. Vor allem bei Verletzungen des Herzens und der Lunge kann es zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen. Die Brustwarzen genau zu treffen ist sehr schwierig, aber nötig, um einen Effekt zu erzielen. Deshalb ist es nur sinnvoll auf die Brustwarzen zu zielen, wenn kein anderer Angriffspunkt als Primärziel dienen kann.

 

Fazit

Der Oberkörper hat viele sehr unterschiedliche Angriffspunkte für Taekwondo-Kämpfer. Welcher als Ziel wirklich Sinn macht ist immer von der Situation abhängig. Deshalb ist es wichtig, sich sehr genau mit den Techniken und Schwachstellen auseinander zu setzen. Außerdem ist es wichtig, die eigene Muskulatur zielgerichtet zu trainieren, damit auch diese für den eigenen Körper Schutz bieten kann.

 

Vahab Yektapour

 

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