Trainerinterviews: 7 Fragen an… Monika Kurath

"Die Kommunikation zwischen Athlet und Trainer ist die Basis"

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Trainerin Monika Kurath mit Juliane Robra bei den Europameisterschaften im April dieses Jahres

Im folgenden Interview erzählt Monika Kurath von ihrer Inspiration als Judo-Trainerin und ihrer Sichtweise über den pädagogischen Auftrag eines Trainers. Weiter nimmt sie Stellung zu trainingswissenschaftlichen Fragen und zur Kommunikation zwischen Athlet und Trainer.

Monika Kurath, selbst einst erfolgreiche Judoka, mehrfache Medaillengewinnerin internationaler Wettkämpfe und Meisterschaften, war noch vor einigen Wochen als Trainerin von Juliane Robra an den Olympischen Spielen in London anzutreffen. Seit Julianes Jugend betreut Monika Kurath die erfolgreiche Athletin schon, zuerst als Nationalkadertrainerin und seit einigen Jahren als Personalcoach. Hauptberuflich engagiert sich Monika Kurath für die Judotrainer‐Ausbildung in der Schweiz und arbeitet als Dozentin der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen. Juliane Robra konnte mit Monika Kurath als Trainerin inzwischen 2 Bronzemedaillen bei Europameisterschaften für die Schweiz gewinnen und qualifizierte sich 2012 als einzige Schweizerin direkt für die Olympischen Spiele in der Sportart Judo.

 

1. Warum bist du Trainerin? Was treibt dich an? Was oder wer inspiriert oder hat dich als Trainerin inspiriert?

Ich bin Trainerin, weil ich einerseits eine Leidenschaft für Judo habe und andererseits mein Wissen, basierend auf vielen Erfahrungen und Ausbildungen, gerne weitergeben möchte. Mir macht es Spaß mit Menschen zu arbeiten und ich bin immer neugierig, wie weit man mit einer Gruppe oder einem Athleten kommen kann. Dasselbe hat mich schon als Athletin angetrieben. Natürlich haben mich auch meine eigenen Trainer von früher geprägt, von ihren jeweiligen Stärken und Schwächen konnte ich viel lernen. Ich finde es beeindruckend, wie stark ein Trainer Einfluss auf einen Athleten haben kann. Ich habe es selber erlebt, welchen Effekt es hat, wenn sich ein Trainer engagiert und sich entsprechend einbringt. Dieser Prozess des Weiterkommens mit einem Athleten, mit dem es auch auf persönlicher Ebene stimmt, ist sehr inspirierend und motivierend.

 

2. Wie gehst du als Trainerin mit der „Gratwanderung zu viel oder zu wenig“ um? Wie gehst du dieses Problem an? (Intensität wie Umfänge)

Es ist ein dauerndes Ausprobieren. Wichtig ist es, seine Athleten zu kennen und zu wissen, was man ihnen zumuten kann und was nicht. Nichtsdestotrotz steht ein Trainer immer wieder vor dem Problem, dass er neue Reize setzen sollte. Wir probieren immer wieder, neue Ideen einzubringen und neue Methoden anzuwenden. Seine Athleten präzise und kontinuierlich zu beobachten, ist von großer Wichtigkeit. Natürlich gibt es verschiedene Messverfahren, welche Belastungs‐ bzw. Ermüdungszustände wiedergeben. Ich persönlich ziehe es jedoch vor, mit Juliane eher über die Beobachtung zu arbeiten, wobei auch die Rückmeldungen der Athletin sehr wichtig sind. Durch diese ständige Kommunikation zwischen Juliane und mir und da die Zusammenarbeit sehr individuell ist, kann ich jeweils gut einschätzen, in welchem Zustand sie sich etwa befindet. Im Großen und Ganzen können auch unsere Trainingspläne inzwischen durch die jahrelange Zusammenarbeit weitgehend wie geplant umgesetzt werden, wobei natürlich kleine Änderungen zum Alltag gehören. Diese Flexibilität ist sehr wichtig.

 

3. Gibt es im Judo geschlechterspezifische Unterschiede, wenn es um Trainingsplanung, die verschiedenen Trainingsbereiche und die Kommunikation geht?

Was die Trainings‐ und Wettkampfplanung im Judo angeht, sehe ich nicht die Notwendigkeit geschlechterspezifische Unterschiede zu machen, viel mehr finde ich es wichtig, individuell zu unterscheiden. Ist ein Athlet eher schnellkräftig oder eher ausdauernd? Wo liegen die Stärken und Schwächen eines Athleten?

Im Bezug auf die Betreuung habe ich den Eindruck, dass Frauen mehr Bedarf an Kommunikation haben. Frauen haben es gerne, wenn alle Schritte erklärt werden und wollen verstehen, was sie tun. Aus meiner Sicht kriegt ein Frauentrainer dann auch mehr zurück, er kriegt ein direktes Feedback. Dafür ist jedoch auch der Aufwand bezüglich der Kommunikation etwas größer.

Sicherlich gibt es auf beiden Seiten Ausnahmen. Man kann nicht generalisieren.

 

4. Wie siehst du den pädagogischen Auftrag eines Trainers im Leistungssportbereich? Vertrittst du als Trainer gewisse Werte? Sollen Trainer gewisse Werte vermitteln?

Ich denke, dass ein großer Anteil der Arbeit eines Trainers ein pädagogischer Auftrag ist. Wichtig ist dabei, dass der Sportler im Mittelpunkt steht und entscheidet, was er will und wo seine Ziele liegen. Die Aufgabe von mir als Trainerin ist es dann, dem Athleten aufzuzeigen, wie er oder sie das Ziel erreichen kann. Es ist jedoch auch meine Aufgabe den Athleten darauf hinzuweisen, wenn die Ziele nicht realistisch gesetzt sind.

Die sportliche Entwicklung ist von der persönlichen Entwicklung schwierig zu trennen, deshalb hat Pädagogik immer seine Berechtigung. Die Frage ist, mit welchem Bewusstsein und mit welcher Art und Weise ein Trainer pädagogisch tätig ist. Aber es steht außer Frage, dass er pädagogisch wirkt. Ich finde es wichtig, bei aller pädagogischen Arbeit die Persönlichkeit eines Athleten zu akzeptieren. Um die Ziele erreichen zu können, sind die Stärken eines Athleten optimal zu fördern und zu fordern. Die Schwächen müssen dem Athleten aufgezeigt und gemeinsam mit dem Athleten aufgearbeitet werden. Ohne die Einsicht und den Willen des Athleten funktioniert es nicht. Ich finde es jedoch nicht gut, wenn dabei ein Athlet bzw. seine Persönlichkeit völlig umgekrempelt wird.

Mein persönlicher Wert in der Zusammenarbeit zeigt sich darin, dass ich dem Sportler gegenüber immer verantworten können will, was ich als Trainer mit meinem Athleten mache.

Dann gibt es gewisse Werte der Zusammenarbeit, die für mich persönlich wichtig sind, aber dann sprechen wir wiederum von einer anderen Ebene, der sogenannten persönlichen und zwischenmenschlichen Ebene, in welcher Respekt, Ehrlichkeit usw. eine große Rolle spielen.

 

5. Im trainingswissenschaftlichen Bereich gibt es immer wieder Innovationen, erneute Hilfestellungen und Möglichkeiten. Inwiefern nimmst du als Judotrainerin diese in Anspruch? Passt du bisherige Trainingsmethoden und –inhalte immer wieder an?

Ich versuche mich immer wieder zu informieren und tausche mich auch regelmäßig mit Trainerkollegen aus. Ich versuche mich auch mit neuen Artikeln, Büchern usw. auf dem Laufenden zu halten. Ich bin offen für neue Ideen und probiere diese gerne aus. Spannend finde ich es, Neues sinnvoll und individuell einzuplanen und trotzdem das Altbewährte nicht zu vergessen. Gerade im Krafttraining haben wir neue Pläne für die nächsten 4 Jahre, wir werden eine Detailmethode anwenden und im Techniktraining haben wir eine neue Organisation vorgesehen. Bei all den Veränderungen werden wir jedoch das Gewohnte und Altbewährte, womit wir Erfolg hatten, weiterführen und weiterentwickeln.

Wir haben hier in Magglingen eine tolle Leistungsdiagnostik und haben über die Jahre schon einige Werte angesammelt, die wir sicherlich noch einmal durchgehen, vergleichen und studieren werden. Das ist ein sehr interessanter Aspekt. Anhand dieser Vergleiche können wir eventuell im letzten Jahr neu gebrauchte Methoden erneut einplanen oder wir probieren in gewissen Bereichen etwas Neues aus.

„Planen, Trainieren, Evaluieren und evtl. Anpassen“ ist ein ständiger Prozess. Notwendig wird natürlich eine Planungsänderung bei Krankheit oder Verletzung. Wird jedoch ein gewisser vorgesehener Entwicklungsschritt nicht gemacht, muss man sich auch hinterfragen, warum es nicht geklappt hat. Einerseits „etwas ausprobieren“ und auf der anderen Seite „an etwas dranbleiben“, an etwas konstant arbeiten, finde ich wichtig. Dies ist meine Überzeugung, ohne Kontinuität geht es nicht. Gewisse Trainingsmaßnahmen brauchen einfach ihre Zeit damit sie wirken, hier braucht es Vertrauen und Geduld. Es gab in der Vergangenheit Inhalte, mit denen Juliane sich nicht anfreunden konnte, und wenn ich nicht gut argumentieren konnte, dann mussten wir auch schon Pläne anpassen. Hier sind wir wieder an derselben Stelle wie vorhin, der Athlet – und wir sprechen hier von einem erwachsenen mündigen Athleten – muss dahinterstehen und überzeugt sein von der Sache. Er oder sie muss die Pläne letztendlich umsetzen. Manchmal ist die Zeit auch nicht reif für gewisse Veränderungen oder neue Maßnahmen, das musste ich als Trainerin auch lernen.

 

6. Welches ist die wichtigste Einsicht aus deiner bisherigen Trainerkarriere?

Grundsätzlich sind Leidenschaft, Engagement und Qualität die Punkte, die sich auf die Dauer auszahlen. Meiner Meinung nach lohnt es sich, mit jedem motivierten Athleten zu arbeiten, mit jedem Athleten, der bereit ist, seine persönlichen Grenzen zu suchen.

 

7. Wie siehst du die Beziehung eines Trainers zum Athleten? Welche Faktoren tragen deiner Meinung nach zu einem erfolgreichen sportlichen Weg bei?

Zuerst möchte ich Erfolg für mich definieren, es geht um einen Weg, auf welchem der Sportler Fortschritte erzielt und diese sehe ich als Erfolg an. Für mich sind auf diesem Weg gegenseitige Offenheit, Ehrlichkeit, regelmäßiger Austausch, volles Engagement von großer Wichtigkeit, weiter müssen beide Verantwortung übernehmen können für das, was sie tun.

 

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Karin Ritler Susebeek

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