Traumberuf Fußballprofi

Der erste Eindruck, den der Trainer hat, ist oft entscheidend

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Viele Kinder und Jugendliche träumen den Traum vom Fußballprofi - doch neben Training und Talent gehört auch Glück dazu.

Es gibt derzeit scheinbar so viele Talente im deutschen Fußball, wie lange nicht. Das DFB-Team, das bei der EM 2012 an den Start ging, hatte mit 24,4 Jahren den jüngsten Altersdurchschnitt aller Mannschaften. Aber der Weg in den Profi-Fußball ist hart – und nur wenige schaffen den Sprung.

Man sieht es jeden Tag auf den Bolzplätzen in Deutschland. Jugendliche spielen in den Trikots Ihrer Idole und versuchen in die Rolle von Lionel Messi, Mario Götze, Bastian Schweinsteiger und Co. zu schlüpfen. Nahezu jeder Nachwuchskicker träumt davon, Fußballprofi zu werden. Oder zumindest stellt er sich vor, wie es wäre, einmal in ein ausverkauftes Stadion einzulaufen und vor rund 80.000 Zuschauern zu spielen. Die ernüchternde Bilanz ist allerdings, dass über 99 % dies niemals erleben werden.

 

Woran entscheidet sich, ob man den Sprung in den Profi-Fußball schafft?

Das ist nicht leicht zu beantworten und hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die Grundvoraussetzungen sind natürlich eine gute Grundausbildung, Ehrgeiz und technische und taktische Fähigkeiten. Aber das haben im Jugendbereich viele Spieler. Doch auch aus den Förderprogrammen von Fußballinternaten und Verbandszentren schaffen es letztendlich nur 5 % in den Profi-Fußball.

Selbst Timo Heinze schaffte es nicht. Dabei schien der Weg vorgezeichnet: Er durchlief beim FC Bayern seit dem 12. Lebensjahr alle Nachwuchsteams, war Kapitän der Bayern-Amateure und absolvierte 23 Junioren-Länderspiele. Doch nach einer Verletzung kam das Aus. „Man merkt früh, dass ein bestimmtes Talent da war“, sagt der 25-Jährige heute. „Was daraus wird ist allerdings schwer vorauszusagen.“ Bei ihm kam es unerwartet, da der Weg erst kurz vor dem Ziel zu Ende war. Die meisten Spieler schaffen es nicht bis dahin. Heinze: „Jedes Jahr mussten Spieler das Team verlassen. Am Ende waren nur noch 2 Spieler übrig, mit denen ich bei Bayern in der D-Jugend angefangen habe.“

Die Jugendabteilung des FC Bayern durchlief auch Mats Hummels, hier spielte er noch mit Timo Heinze zusammen. Und auch er schaffte den Sprung zum Bundesliga- und Nationalspieler erst nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund. Er stand zwar im Kader Profis, war aber gefühlt nur „Innenverteidiger Nummer 6 oder 7“. Daher sagt er heute auch relativ offen:„Mein Eindruck ist, dass die erste Meinung, die sich der Trainer bildet, wichtig ist. Der Trainer mag die Art eines Spielers oder nicht. Wichtig für einen Spieler ist, dass der Trainer einen mag. Man muss das Vertrauen spüren, gerade auch dann, wenn man als Spieler mal in ein Loch fällt.“

Kurz gesagt also: Gefällt einem Trainer die Spielweise, ist man dabei. Tut sie das nicht, hat man oft Pech gehabt.

 

Spaß am Spiel - auch beim Scheitern

Will man Fußballprofi werden, ist es wichtig, seinen Traum mit totaler Motivation zu verfolgen – ohne dabei die Möglichkeit des Scheiterns außer Acht zu lassen. Prof. Dr. Jens Kleinert vom Institut für Kognitions- und Sportspielforschung der Deutschen Sporthochschule Köln findet es daher auch wichtig, „dass man lernt, damit umzugehen, dass sich der Traum nicht erfüllt. Es ist letztendlich nichts besonderes, dass man es nicht schafft.“ Das Scheitern ist eher die Regel. Der Rückhalt aus der Familie und von Freunden ist wichtig. „Man muss den Trainern helfen. Die haben viel zu tun, auch in den Jugendbereichen, und sind mit der sozialen Funktion oft überfordert.“

Wichtig für jeden Nachwuchskicker ist vor allem aber der Spaß am Spiel. „Man sollte Fußball spielen als was Tolles empfinden“, sagt Prof. Kleinert. Und das sollte letztendlich auch das Wichtigste sein. Spaß am Fußballtraining, an der Weiterentwicklung – ob der Erfolg dann kommt und die Karriere in die Bundesliga führt, hängt dann ein wenig von der richtigen Chance (und etwas Glück) ab.

 

Thomas Spöring

 

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