Taktikanalyse Dänemark gegen Deutschland

EM 2012: We are red, we are white, we are danish dynamite!

1992 kamen sie aus dem Urlaub zum Turnier und wurden im Endspiel gegen unsere Jungs Europameister. In diesem Jahr wurden sie in die Todesgruppe B mit Portugal, Holland und Deutschland gewählt.

So wird Dänemark voraussichtlich spielen.

Keinerlei Chancen auf das Viertelfinale, so die einhellige Meinung der Fußballfachwelt. Und wieder überraschten sie, diesmal mit ihrem 1:0 Auftaktsieg gegen die Niederländer. Die Dänen werden von ihren eigenen Fans als Danish Dynamite besungen und diese Bezeichnung trifft genau zu. Sie können explodieren, nur wann, in welchem Spiel, das kann niemand so richtig voraussagen. Dänemark ist und bleibt ein Überraschungsteam, die Wundertüte der Gruppe B.

Die voraussichtliche Aufstellung

Morten Olsen lässt im 4-2-3-1-System spielen. Auf rechts muss er umstellen, mit Dennis Rommedahl fällt der etatmäßige Rechtsaußen verletzt aus. Bei Zimling, einem der beiden Sechser, ist der Einsatz noch ungewiss. Einzige Spitze ist der international erfahrene Bendtner, Eriksen versucht das Offensivspiel von der Zehn aus zu gestalten.

Der Sieg gegen Holland

Das 1:0 gegen die Jungs von Oranje war eine kleine Sensation. Allerdings ist dieser Sieg nicht auf die Spielweise der Dänen in den ersten 70 Minuten zurückzuführen, sie hielten sich bis dahin eher raus aus dem Spiel. Die Holländer waren diejenigen, die vorne ihre Tausendprozentigen reihenweise versiebten und hinten ein ums andere haarsträubende Fehler produzierten. Von extrem starken Skandinaviern konnte man beim besten Willen nicht sprechen. Defensiv waren die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen teilweise enorm groß, offensiv agierten sie sehr verhalten. Das einzige Attribut, dass sie in dieser Phase auszeichnete, war das Glück, das sie hatten. Und davon hatten sie, gepaart mit dem Unvermögen der Elftal, reichlich. In den letzten 20 Spielminuten hingegen verteidigten sie gegen die komplette holländische Offensivgarde mit van Persie, Hunterlaar, Sneijder und van der Vaart exzellent und ließen bis auf eine Chance des „Hunters“ von Schalke 04 nichts mehr zu.

Taktisch gesehen kann man aus diesem Spiel mehrere Schlüsse über die dänische Spielweise ziehen:

In Ballbesitz spielten sie in Halbzeit im 3-3-1-3, wobei sich ein Sechser zwischen die Innenverteidiger fallen lässt, beide Außenverteidiger spielen sehr hoch. Im zweiten Durchgang agierten sie aufgrund der Führung deutlich reservierter, die Außenverteidiger hielten auch in Ballbesitz die Positionen in der Kette.

Gegen den Ball war 70. Minute aufällig, dass sich vor allem Rommedahl und Bendtner überhaupt nicht an der Defensivarbeit beteiligten. So entstanden immer wieder große Lücken, die die beiden disziplinierten Sechser Kvist und Zimling zu stopfen versuchten, hier allerdings desöfteren überfordert waren. Besser wurde es nach der Auswechslung von Rommedahl, ab diesem Zeitpunkt verteidigten sie kompakt und sehr gut. Rommedahl wird gegen Deutschland fehlen, defensiv tut das den Dänen sicher gut.

Das unbelohnte Comeback gegen die Portugiesen

Dieses Spiel war geprägt vom Flügelspiel. Beide Teams neutralisierten sich im Zentrum, Kvist und Zimling interpretierten ihre Rolle auf der Doppelsechs wie gegen Holland sehr konservativ und positionierten sich stets sehr defensiv. Eriksen, der Mann auf der 10 wurde von Veloso in Manndeckung genommen und war weitestgehend aus dem Spiel. Die offensiven Außen (vor allem wieder Rommedahl auf dänischer und Ronaldo auf portugiesischer Seite) verteidigten schlecht bzw. gar nicht, was hier extrem große Räume bot. Alle fünf Tore dieser Partie, die mit 3:2 für die Südländer endete, entstanden aus diesen Räumen über die Flügel.

Eines jedoch hat jeder Zuschauer in hier gesehen und das sollte man nicht unterschätzen: die Dänen kamen nach einem 0:2 Rückstand zurück ins Spiel, erkämpften sich ein 2:2 und mussten sich letztendlich unglücklich geschlagen geben. Das Herz hat dieses Team am rechten Fleck, der Wille ist vorhanden.

Der Hoffnungsträger

Vor dem Turnier galt Christian Eriksen als der Hoffnungsträger von Morten Olsen. Der 20jährige Spielmacher von Ajax Amsterdam ist hochtalentiert, doch bei dieser Europameisterschaft konnte er sich noch nicht wirklich ins Rampenlicht spielen. Gegen Holland nahm er sich viele Auszeiten, obwohl der Raum für ihn vorhanden war, gegen Portugal wurde er von Veloso auf Schritt und Tritt verfolgt. Vielleicht ist diese internationale Bühne noch ein Stück weit zu groß für den Jungen, der seine Karriere in Odense begann. Ein Spiel hat er noch, um alle vom Gegenteil zu beweisen. Das Zeug dazu hat er allemal.

Der Torjäger

Mit Nicklas Bendtner haben sie einen wahren Sturmtank in der Spitze. Der 1,91 große Spieler von Sunderland AFC (er ist vom FC Arsenal ausgeliehen) ist aber auch technisch sehr begabt. Er beteiligt sich wenig am Spiel, ist aber immer gefährlich und für Tore gut, wie vor allem das Spiel gegen Portugal gezeigt hat. 

Der „Rest“

Die restliche Elf sticht nicht wirklich heraus. Die Viererkette spielt ein weitgehend ordentliches, keinesfalls aber ein überragendes Turnier, die Doppelsechs agiert wie schon erwähnt sehr defensivorientiert und schaltet kaum mit ein. Die Defensivschwäche von Rommedahl ist durch seine Verletzung aus dem Spiel, Mikkelsen wird konzentrierter verteidigen.

Fazit aus deutscher Sicht

Zu erwarten sind kompakte und sehr defensiv eingestellte Dänen, die ihr Heil im Konterfußball suchen werden. Sie wissen genau um die deutschen Stärken, sie werden versuchen, das Kreativspiel um Özil zu stören. Mit einem Sieg qualifiziert sich Dänemark für das Viertelfinale und deshalb werden sie alles in dieses Spiel investieren, was sie bieten können.

Unser Team geht als klarer Favorit in die Begegnung, spielen Jogis Mannen genauso konzentriert wie zuvor, werden wir auch dieses Spiel gewinnen und als Gruppensieger im Viertelfinale in Danzig auf Griechenland treffen. Personell müssen Löw und Flick definitiv umstellen, Boateng ist gesperrt. Für ihn wird wohl Bender verteidigen. Ob das Trainerteam dem einen oder anderen Reservisten eine Chance gibt, bleibt abzuwarten, Lukas Podolski täte eine Pause wohl gut. Mit Reus, Schürrle und Götze warten starke Alternativen auf ihre Einsatzzeiten.

Schweinsteiger und seine Jungs werden sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen, dazu ist der Qualitätsvorteil gegenüber den Dänen zu hoch. Das warnende Beispiel der Russen gestern gegen die Griechen wird zusätzlich allen Übermut im Keim erstickt haben.

Benjamin Götz

Rubriklistenbild: © trainingsworld.com - Benjamin Götz

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