Die letzten Infos zum Duell Portugal – Spanien

EM Halbfinale: Die Iberische Halbinsel hält den Atem an

+
Das erste Halbfinale der Fußball EM Spanien gegen Portugal wird mit Spannung erwartet

Heute um 20:45 Uhr findet das erste Halbfinale der EM 2012 in Donezk statt. Die Portugiesen um ihren Superstar Cristiano Ronaldo treffen auf das spanische Starensemble um Pique und Xavi. Wäre noch vor ein paar Wochen die Rollenverteilung in diesem Duell klar gewesen, so hat sich das nun gewandelt. Benjamin Götz analysiert das iberische Duell.

Ronaldo hat seine Topform rechtzeitig erreicht und beflügelt damit sein Team zu Höchstleistungen, Spanien hingegen tut sich schon das komplette Turnier über schwer, auch wenn der Viertelfinalsieg gegen Frankreich mehr als verdient und souverän war. Den letzten Tick, die letzte Besessenheit, vermisst man bei „La Seleccion“ noch.

Wir klären die Schlüsselfragen der Partie und geben einen Ausblick.

Spielt Ronaldo wieder in Weltklasseform?

Vielleicht die zentrale Frage des Matches: Wie kommt Ronaldo ins Spiel? Kann er seine Weltklasseform halten und Portugal mit seinen Toren ins Finale führen? Nach einem mäßigen Start ins Turnier, in den ersten beiden Spielen wirkte er noch müde und überspielt, steigerte er sich enorm. Sein Ziel ist ganz klar der Titel, nicht nur, weil er dadurch in Portugal zum absoluten Helden aufsteigen würde. Auch das ewige Duell mit Lionel Messi um den Preis des Weltfußballers des Jahres und um die Frage nach dem Besten der Besten treibt ihn an.

Der Vorteil der Spanier: Seine Teamkollegen von Real Madrid kennen Ronaldo in- und auswendig, in Spanien ist seine Spielweise genauestens bekannt. Das erschwert ihm seine Aufgabe ungemein, er muss sein Spiel etwas variabler gestalten. Dass Ronaldo überall auf dem Feld auftauchen kann, bewies er aber gegen Holland und Tschechien. 

Eines ist ganz sicher: Ronaldo muss eine wahre Glanzleistung zeigen, um sein Team zu einem Sieg gegen den Welt- und Europameister zu führen. Ohne seine genialen Momente wird es für Portugal nicht reichen.

Kann die Furia Roja ihr gefürchtetes Tiqui Taca aufziehen?

Gegen Frankreich war es wieder zu sehen, die Spanier spielten ihr Tiqui Taca perfekt. Ihre Philosophie ist einzigartig, Ballbesitz bedeutet für sie nicht nur Offensive, auch ihr Defensivkonzept fußt auf Ballbesitz. Haben sie den Ball in ihren Reihen, kann der Gegner dem spanischen Tor logischerweise nicht gefährlich werden. Zu oft aber stotterte der spanische Motor in der Gruppenphase. Man hat das Gefühl, dass der absolute Wille und die Gier nach Erfolg aus den Jahren 2008 und 2010 nicht mehr so vorhanden sind. Der Ball läuft zwar gut, aber zwingende Aktionen und kreative Spielzüge sind Mangelware, zumindest für spanische Verhältnisse. Die Gegner sind nun viel besser auf das iberische Spiel durchs Zentrum eingestellt, verengen dort die Räume extrem. Dies macht es del Bosques Truppe sehr, sehr schwer. Einen Plan B gibt es in dieser Philosophie nicht, sie verfolgen ihr Spiel konsequent. Zudem fehlt ein Typ wie David Villa mit seinem Torriecher ungemein.

Nichtsdestotrotz haben die Spanier 2012 noch kein Spiel verloren und gehen als Favorit ins Halbfinale Nummer eins. Können sie die Leistung gegen Frankreich noch steigern, werden sie den Spielverlauf wieder diktieren.

Spielt mit Fernando Torres eine richtige Spitze?

Es ist die Streitfrage schlechthin in den spanischen Medien. Spielt del Bosque mit einem Stürmer oder lässt er erneut nur Mittelfeldspieler ran? Mit Francesc Fabregas spielt ohne Frage ein internationaler Topspieler auf der zentralen, offensiven Position. Er ist aber eher ein zentraler Mittelfeldspieler als ein Stürmer. Die spanische Nationalelf versucht hier, den FC Barcelona ein bisschen zu kopieren, Fabregas spielt sozusagen den spanischen Messi. Er hat beweisen, dass er das kann. 

Ebenso hat Fernando Torres gezeigt, dass er für Torgefahr sorgen kann, wenn er spielt. Er ist der Typ Stoßstürmer, schnell, zielstrebig, eiskalt vor dem Tor – kurz, ein Knipser, der jeder Mannschaft gut tut.

Hier stellt sich eine Philosophiefrage, die jedoch auch bis zu einem gewissen Grad gegnerabhängig ist. Beide Systeme funktionieren, für welches sich das spanische Trainerteam entscheidet, wird sich zeigen. Gegen die starke portugiesische Innenverteidigung könnte del Bosque erneut auf Fabregas setzen. Pepe und Alves würden so keinen direkten Zugriff auf den Gegner bekommen.

Fazit

Allein schon der Erfolge wegen geht der amtierende Weltmeister und Titelverteidiger als Favorit ins Spiel. Vieles wird auf portugiesischer Seite von Ronaldo abhängen. Geht Portugal in Führung, wird es ein offenes Duell. Schießen die Spanier den ersten Treffer, könnte es laufen wie gegen die Franzosen. Dann wären die Mannen um Iniesta nicht aufzuhalten. Ronaldo gegen Spanien, ein Superstar gegen eine gewachsene Philosophie. Spannend, aber mit Vorteilen für den Europameister.

Benjamin Götz

Auch interessant

Weitere Themen

Kommentare