Leistungsdiagnostik

Laktattest im Fußball - Laufleistung optimieren!

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Wie werden Laktattests im Fußball durchgeführt und was können sie aussagen?

In der Vorbereitungsphase im Fußball werden in den meisten Fußball-Clubs Laktattests gemacht. Was ein solcher Leistungstest bringt und wie die Ergebnisse optimal genutzt werden, ist jedoch nicht jedem Trainer klar.

Im Fußball bietet es sich an, einen Laktatstufentest in Form eines so genannten „Feldtests“ durchzuführen. Auf dem Feld lassen sich die Trainingsbereiche sehr exakt bestimmen und sind gut auf das fußballspezifische Lauf- und Ausdauertraining übertragbar.(1) Feldtests können auf einer 400 m-Leichtathletikbahn im Freien ebenso durchgeführt werden, wie in einer Leichtathletikhalle mit 200 m-Laufbahn. In der Halle können vor allem die Einflüsse z. B. durch Wind und Wetter ausgeschlossen werden. Die Testergebnisse lassen sich so bei Folgetests besser vergleichen, da die Bedingungen gerade für Fußballer eine grundlegende Alternative zu einem Test auf dem Laufband darstellen. In einem Feldtest kann die komplette Mannschaft in 8er-Gruppen innerhalb weniger Stunden getestet werden.

 

Die Anstrengung steigt

Genau wie auf dem Laufband wird im Feld die Geschwindigkeit von Stufe zu Stufe erhöht. Während des Testablaufs wird die Zeit für die 100 m jeweils kürzer und die Geschwindigkeit steigt demnach von Stufe zu Stufe. Nach jeder Stufe wird die Herzfrequenz notiert und die Laktatkonzentration aus dem Kapillarblut, z. B. aus dem Ohr, bestimmt. Durch die ansteigende Belastung zeigen die Messwerte, was bei einem Spieler auf der jeweiligen Intensitätsstufe passiert.

 

Die Unterschiede zwischen Laufband und Feldtest

Die Argumente für oder gegen ein Laufband bzw. Feldtest sind vielfältig und müssen mit dem Trainer gemeinsam abgewogen werden.

Grundsätzlich können die Trainingsbereiche zwischen Feldtest und Laufband erheblich variieren. Das gilt jedoch nicht für die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max). In Untersuchungen zeigte sich kein Unterschied zwischen der VO2max bei Feldtest- oder Laufbanduntersuchungen.(2)

Das koordinative Verhalten und das Abdruckverhalten beim Laufen im Freien ist nicht mit dem Laufen auf einem Laufband vergleichbar. Der Abdruck auf einem Laufband ist etwas geringer einzuschätzen, da das Bein durch das Band passiv unter dem Körper durchgezogen wird und weniger Vortriebsleistung nötig ist. Gleichzeitig erhöht das Band die Koordinationsleistung, so dass Fußballer, die eher selten auf Laufbändern unterwegs sind, bei höheren Geschwindigkeiten durchaus Gefahr laufen, zu stürzen.

Auf der anderen Seite kann das Laufen auf einer Laufbahn vor allem Spieler der unteren Leistungsklassen schon auf den ersten Stufen überfordern. Das liegt daran, dass die Stufenlänge insgesamt wesentlich länger ist als unter Laborbedingungen. Während Sie auf einem Laufband Stufen von 3–5 Minuten laufen würden, dauert die 1. Stufe über 1200 m auf der Laufbahn bei niedrigem Einstieg um die 7 Minuten. Dafür hat die Bahn allerdings den Vorteil, dass auch hohe Geschwindigkeiten ohne koordinative Schwierigkeiten zu laufen sind.

 

Was bringt dem Trainer ein Feldtest?

Ein Laktatstufentest im Fußball ist kein Kontrollinstrument. Es geht nicht darum, die Leistung der Spieler an der individuellen anaeroben Schwelle zu vergleichen. Leider ist dies jedoch immer noch eine verbreitete Art, den Laktatstufentest zu nutzen. Schon aufgrund der unterschiedlichen Laufwege von Verteidigern und Stürmern ist ein Verlgeich der Schwellenleistung ohne Nutzen. Bei einem Laktatstufentest geht es vielmehr darum, ein Hilfsmittel für das Trainerteam zu haben, um die indivudellen Trainingsintensitäten zu erfassen. Stärken und Schwächen eines Spielers lassen sich so über längere Zeiträume verfolgen und im Training berücksichtigen. Informationen zu den Intensitäten in den verschiedenen Intervalltrainingsformen können ebenfalls aus einem Laktattest gelesen werden. Gerade die spielspezifischen Intervallformen wie 4 x 4 lassen sich im Nachgang über die Pulswerte der Spieler auf ihre Effektivität hin überprüfen.

 

Hilfestelltung statt Kontrolle!

Bislang besteht die Auswertung eines Laktattests im Fußball sehr häufig immer noch darin, dass die Laufgeschwindigkeiten an der individuellen anaeroben Schwelle betrachtet werden. 4 Meter pro Sekunde (m/s) werden dabei oftmals als guter Referenzwert gesehen. Diese Sichtweise ist jedoch bezogen auf die Zielsportart Fußball vollkommen nutzlos.

Ob ein Spieler schnell laufen kann oder nicht, bzw. ob ein Spieler auch nach 85 Minuten noch schnell laufen kann, sollte ein erfahrener Trainer im Spiel erkennen können. Die wichtigste Leistungsdiagnostik ist auch im Fußball das Spiel selber. Ein Laktatstufentest im Fußball kann nur dann Sinn machen, wenn die individuellen Längsschnittdaten eines Spielers analysiert werden, um dann an Stärken und Schwächen gezielt zu feilen. Auch das Ausschließen des Überlastungssyndroms (Unexplaned Under Performance Syndrome - UUPS) kann ein möglicher Grund für das Durchführen einer Laktatdiagnostik sein.

Arbeitet ein Verein mit der individuellen Auswertung und der intelligenten Interpretation der Kinetik und der Daten, kann auch das gezielte Heranführen der Nachwuchsspieler hin zum Profikader spannend sein. Zukünftig sind hier komplexe Herangehensweisen und das Auswerten von Sprint-, Sprung- und Laktatests denkbar. Das ausschließliche Betrachten von Tabellen der Schwellengeschwindigkeiten einer Mannschaft sollten jedoch der Vergangenheit angehören.

 

Lesen Sie auch: Spezifisches Ausdauertraining: Intervalltraining für Ballsportler

  

Dennis Sandig

 

Quellenangaben:

1. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 2006, Bd. 57 (5), S. 147–148.

2. European Journal of applied Physiology 2003, Bd. 88 (4), S. 387–389.

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