Fußball

Fußballtraining: Der Zusammenhang von "aus dem Tor rauskommen" und Selbstvertrauen

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Selbstvertrauen geben, hinter dem Schützling stehen - das sind wichtige Eigenschaften eines guten Fußballtrainers

Die hohen Bälle beim Fußball sind schwierig zu meistern, der Torwart muss aus dem Tor rauskommen. Doch bedeutet ein sicherer Umgang mit Flanken auch ein allgemeiens Selbstbewusstsein im Spiel - und dieses ist für Fußballer sehr wichtig.

Bei den hohen Bällen - Flanken jeglicher Art – wird der Unterschied zwischen guten und sehr guten Torhütern am deutlichsten sichtbar. Die Strafraumbeherrschung ist durch das heutige moderne Torwartspiel im Fußball mindestens genauso wichtig geworden, wie das Agieren auf der Linie. Und es kann so einfach sein – wenn das Timing stimmt.

Da beim (Torwart)-Training aber die hohen Bälle zu selten in die Übungen integriert werden, kann der Torhüter auch keine Routine und Sicherheit für diese Spielsituationen entwickeln. Das wiederum ist die Basis für ein selbstbewusstes und sicheres Auftreten. (Torwarttraining: Koordinationsübungen sind wichtig für unbekannte Spielsituationen)  

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Geschichte aus meiner Jugend-Torhüter-Zeit erzählen: Mit 14 Jahren stand ich auf dem Schwelle in die U15-Jugendnationalmannschaft. Hierzu wurden auf der Sportschule Duisburg-Wedau Sichtungsspiele der einzelnen Landesverbände durchgeführt. Ich hatte das irrsinnige Glück, einen ehemaligen Bundesliga-Torhüter als Verbandstrainer zu haben (Jörg Daniel, Bundesliga-Torhüter bei Fortuna Düsseldorf, heute Chef-Jugendkoordinator beim DFB). Er sagte zu mir vor dem 1. Spiel: „Komm bei hohen Bällen raus. Das wollen DIE hier sehen.“ Und: „Es macht gar nichts, wenn du eine Flanke mal nicht kriegst oder unterläufst, aber komm aus deinem Tor raus“.

Dieses Gespräch ist mir bis heute in Erinnerung geblieben und ich habe mir damals schon gesagt, wenn ich je eine Mannschaft trainiere, mache ich es ganz genau so. Mir hat diese Aussage sehr viel Selbstvertrauen und Sicherheit gegeben. Ich bin in den Sichtungsspielen nahezu bei jedem hohen Ball (wenn ich Erfolgsaussichten hatte, ihn auch zu bekommen) raus gekommen, habe auch den einen oder anderen nicht bekommen, aber ich habe mich genau mit dieser Spielweise von den anderen 16 Torhütern unterschieden – und wurde in den U15-DFB-Jugendnationalmannschaftskader berufen. EIN TRAUM WURDE WAHR.

Diese Anekdote soll alle Trainer und Torwarttrainer dazu ermutigen, ihren jungen Torhütern genau diesen „Freibrief“ auszustellen und ihnen damit zu zeigen, dass sie zu 100 % hinter ihnen stehen. Bei den talentierten und ambitionierten Torhütern setzt das immense Kräfte frei.

Gleiches gilt im übrigen auch für die Frage, wer Nr. 1 wird. Oft ist es ja so, dass man zum Start einer Saison 2 oder gar 3 gute Torhüter hat, sich aber nicht gleich (oder gar nicht) festlegen will, wer Nr.1 ist. Auch hier bin ich der Ansicht, dass ein frühes Festlegen auf eine Nr. 1 durchaus sinnvoll ist, da ich dem Torhüter dadurch signalisiere, dass ich voll auf ihn baue und zu 100 % hinter ihm stehe. Mir tat das als kleiner 14-jähriger Micky Maus wahnsinnig gut und ich wollte dieses in mich gesetzte VERTRAUEN auf keinen Fall enttäuschen.

Heute versuche ich als Tortwarttrainer genau das auch zu vermitteln. Mit Selbstvertrauen und entsprechender Körpersprache möchte ich meine „Mädels“ auf den Platz laufen sehen. Ich will ihnen in die Augen schauen und nur eines sehen: Den absoluten Willen zu gewinnen zu.

AUCH DAS IST TORWARTTRAINING. Gebt euren Schützlingen Selbstvertrauen, Selbstvertrauen, Selbstvertrauen. Übt hohe Bälle, Flanken, aus unterschiedlichen Winkeln, verschieden hart/weich getreten, lang, kurz, alle erdenklichen Spielsituationen kann man im Techniktraining mit hohen Bällen gut nachstellen.

Und dann stimmt der Spruch von meinem Coach Jörg Daniel wieder: „KOMM AUS DEINEM TOR RAUS.“

 

Frank Tübbing

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