Fußball EM

Fußball EM 2012: Portugal, der erste Gegner für die deutsche Mannschaft

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Portugal ist der 1. Gegner für die deutsche Mannschaft in der Fußball EM 2012. Was sind Stärken und Schwächen der Portugiesen?

Die portugiesische Auswahl um ihren Superstar Cristiano Ronaldo ist der erste Kontrahent des deutschen Teams bei der Fußball EM 2012. Am Samstagabend ist es dann soweit, was aber haben die deutschen Fans von Portugal zu erwarten? Wo liegen die Stärken, wie kann Löws Team die Portugiesen knacken?

Portugal

Portugal – die Nation der Flügelspieler. Seit Luis Figo spielen die portugiesischen Stars auf den Flügeln. Dribbelstark, schnell und torgefährlich – so sind sie, die Flügelspieler der ehemaligen Seefahrernation. Mit Cristiano Ronaldo haben sie den torgefährlichsten Flügelspieler der Welt in ihren Reihen. Er ist der absolute Star und Führungsspieler des Teams. Nani komplettiert die spielstarke und brandgefährliche Flügelzange. Vergleicht man diese Mannschaft mit der der Fußball WM 2010, so hat sich nicht viel verändert. Einen entscheidenden Unterschied gibt es jedoch und dieser betrifft die Trainerposition. Hier wurde Carlos Queiroz, der zugunsten einer sehr disziplinierten und starken Abwehrarbeit die Offensive komplett vernachlässigte, vom jungen Paulo Bento abgelöst. Seit er im Amt ist, versucht er seinem Team eine attraktivere und offensivere Gangart zu vermitteln.

  

Die Stärken, Schwächen und Besonderheiten des Teams

Das Spielsystem

Bento lässt ein verkapptes 4-3-3 spielen, wobei die Betonung im Offensivspiel auf den Außen liegt.

 

Die Viererkette

Die Aufstellung der Mannschaft Portugal zur Fußball EM 2012

Die Innenverteidiger Pepe und Bruno Alves sind international sehr erfahrene Spieler, die ihren Mann schon etliche Male gestanden haben. In der Luft sind beide extrem stark, insgesamt spielen sie sehr robust. Manchmal neigen sie auch zum überharten Spiel. Technisch und in der Spieleröffnung sind sie nicht die Besten. Zudem ist Alves nicht mehr der Schnellste. Über rechts spielt Pereira, ein Spieler, der sehr solide seine Arbeit verrichtet. Er spielte eine gute Saison, wechselt im Sommer in die spanische Primera Division zum FC Valencia. Über links kommt der offensiv deutlich auffälligere Coentrao. Er war bei der WM 2010 eine der Entdeckungen und einer der besten Linksverteidiger. Sein Zusammenspiel mit Ronaldo in der Offensive ist glänzend. Defensiv offenbart er aber allzu oft Mängel, weswegen er bei Real Madrid des Öfteren in der Kritik stand. Gerade über diese linke Seite ist das Team anfällig für Konter.

Die Aufstellung der Mannschaft Portugal zur Fußball EM 2012

 

Kreativität im Zentrum, der portugiesische Spielmacher? Fehlanzeige!

Betrachtet man Veloso, Moutinho und Mereiles, so sind sie ohne jede Frage gestandene internationale Profis. Jedoch versprüht keiner von ihnen Spielwitz oder Kreativität. Veloso ist der defensivste Spieler im zentralen Mittelfeld, er ist aber kein klassischer Abräumer. Mit Moutinho hat Bento einen sehr intelligenten und talentierten Fußballer im Zentrum. Seine Stärken sind sein präzises Passspiel und sein gutes Auge. Doch auch er kann das Spiel nicht machen, spielt häufig horizontal und lässt den letzten Druck nach vorne vermissen. Mereiles sprüht vor Energie, ein Spieler, der seinen Aktionsradius von Sechzehner zu Sechzehner hat. Aber ebenso wie Veloso und Moutinho ist er kein Spielmacher. Einen Spielertypen wie sie ihn vor ein paar Jahren mit Rui Costa oder Deco noch hatten, einen Kopf im Spiel mit dem Ball, einen klassischen Spielmacher in der Zentrale haben die Portugiesen bei der EM 2012 nicht im Kader. Deshalb laufen so gut wie alle Angriffe über die Flügel.

 

Das Sturmzentrum

Helder Postiga oder Hugo Almeida? Das ist die Frage, die sich Bento bei der Nominierung der einzigen Spitze stellt. Große Namen sind auch auf der 9 eine Fehlanzeige. Auch hier mangelt es an Klasse. Postiga ist eher ein mitspielender Stürmer, Almeida der robuste Stoßstürmer, wie man ihn aus seiner Bremer Zeit kennt. Großen Schrecken bei den Gegnern verbreiten beide nicht.

 

Die Flügelzange

Das Prunkstück: Ronaldo und Nani haben die Fähigkeit, Spiele alleine zu entscheiden. Beide stehen aber in diesem Team vor einer enorm schweren Aufgabe. Sie müssen nicht nur über ihre Flügel ein Feuerwerk abbrennen, von ihnen wird erwartet, dass sie Portugals Defizite auf der 10 und auf der 9 ausgleichen, auch für einen Spieler wie Cristiano Ronaldo kein einfaches Unterfangen. Zu oft hat ihn dieser Druck im Nationalteam schon gehemmt und das obwohl seine herausragenden Fähigkeiten hinlänglich bekannt sind. Kreativität, Druck über die Flügel und die entscheidenden Tore, drei Dinge, für die Nani und vor allem Ronaldo bei Portugal nahezu die alleinige Verantwortung tragen. Geht das gut, sind sie die Helden. Was aber, wenn beide abgemeldet sind? Dieses Problem kann dieser Kader nicht lösen.

 

Fazit

Bei den Portugiesen gibt es wenig Überraschendes, wenig Neues. Sie halten den Ball gut in ihren Reihen und versuchen meist über die Flügel zum Erfolg zu kommen. Außer Ronaldo und Nani fehlt ihnen in der Offensive aber die Klasse, Teams wie Deutschland oder Holland zu gefährden. Die Basis für einen Erfolg muss wieder eine gut funktionierende Defensive sein.

 

Deutschlands Schlüssel zum Erfolg

Vor den Portugiesen müssen wir uns sicher nicht verstecken (Fußball EM 2012: Team Deutschland und die „Todesgruppe“). Bekommt das deutsche Team die linke portugiesische Seite um Ronaldo und Coentrao in den Griff und nutzt deren schlechte Rückwärtsbewegung aus, sollte es zum Auftaktsieg reichen. Ronaldo jedoch muss aus dem Spiel genommen werden. Geht Portugal in Führung, steht Deutschland vor einem Bollwerk. Dann stellt Bentos Team das kreative Angriffsspiel um Özil auf eine harte Probe.

 

Benjamin Götz

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