Athletiktraining im Fußball (Teil 1)

Einführung in das Athletiktraining im Fußball

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Diese Zielsetzungen hat ein Athletiktraining in Fußball und Profifußball

Begriff und Anwendung des Athletiktrainings haben insbesondere in den letzten Jahren im (Profi-)Fußball vermehrt Einzug erhalten. Dabei werden die inhaltliche Definition und die Anwendungen wie Auslegungen aller betroffenen sportmotorischen Disziplinen sehr frei und unterschiedlich interpretiert.

Bevor man allgemein über Athletik im Fußball spricht, sollten die Disziplinen und deren Zielsetzungen thematisiert sowie eine Abgrenzung vom allgemeinen Fitnesstraining vollzogen werden.

Der Begriff Athletik meint in diesem Zusammenhang den gezielten Einsatz wie die spezifische Steuerung der sportmotorischen Disziplinen, zum einem zur „Steigerung der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit“ und zum anderen zur „verbesserten Verletzungsprophylaxe“.

In der Praxis werden die Disziplinen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination mit unterschiedlichen Methodiken und differierenden Gewichtungen eingesetzt. Umgangssprachlich ausgedrückt soll dies die Explosivität, Ermüdungswiderstandsfähigkeit, Spritzigkeit, Gewandtheit, Technik und Verletzungsresistenz steigern bzw. verbessern.

Im Gegensatz zum Fitnesstraining, welches im Allgemeinen gesundheitlichen oder ästhetischen Zielsetzungen folgt und in der Regel auch die Hauptbelastungsform des Sportlers darstellt, muss beim Athletiktraining das sportartspezifische Belastungsprofil in den Fokus gestellt und die Reizsetzung und -wirkung des Athletiktrainings damit und danach abgestimmt werden. (Lesen Sie dazu auch: Athletiktraining: Trainieren Sie Ihre Muskulatur spezifisch!)

  

Zielsetzungen der Athletik im Fußball

In Anlehnung an die Sportart Fußball werden primär folgende Zielsetzungen definiert:

 

1. Steigerung der physischen Leistungsfähigkeit

- Verbesserung der Kraftfähigkeit für den Transfer auf:

eine Verbesserung der Antrittsschnelligkeit

eine Verbesserung des qualitativen und quantitativen Sprintvermögens

eine Verbesserung der Sprungkraft

 

- Verbesserung der Ausdauer/Schnelligkeitsausdauer

 

2. Verbesserung des technischen Leistungsvermögens

Was allerdings meistens fälschlicherweise nicht dem Athletiktraining zugeordnet wird. In diesem Kontext muss beachtet werden, dass mit einer erhöhten physischen Leistungsfähigkeit auch und unbedingt eine koordinativ-technische Anpassung trainiert werden muss.

 

3. Steigerung der Verletzungsresistenz (Präventiv wie rehabilitativ)

 

4. Optimierung der internen und externen Wettbewerbsfähigkeit

- Mehr gesunde und leistungsfähige Spieler im Saisonverlauf

 

Studien

Auf der Grundlage dieser inhaltlich zielgebundenen Definition des Athletiktrainings soll nun die Bedeutung eines systematischen und professionell gesteuerten Atheltiktrainings anhand aktueller Studien, welche im Januar 2013 auf dem Wissenschaftskongress des DFB vorgestellt wurden, verdeutlich werden.

Die UEFA hat eine Verletzungsstudie (nach Jan Eckstrand, Linköping) durchgeführt und hierbei über 16.000 Verletzungen über einen Zeitraum von 12 Jahren gesammelt. Die Daten wurden bei 27 Teams aus der Champions League und bei weiteren Teams aus den meistens ersten- und zweiten europäischen Ligen erfasst. Als sichere Erkenntnis für das Athletiktraining wird aufgeführt, dass ein wesentlicher Faktor zu Vermeidung von Verletzungen, eine in der Jugend beginnende und bis ins Toplevel geführte und gehaltene systematische athletische Ausbildung ist. Ein Vortrag von Herrn Jörg Teichmann, Kuala Lumpur, hat die Bedeutung eines plyometrischen Krafttrainings mit Störgrößen auf die Rückkehrquote von Sportlern nach einem Kreuzbandriss behandelt. Auch hier war das Ergebnis eindeutig. Mithilfe eines solchen athletischen Krafttrainings wurde die Rückkehrer-Quote um 22% von 63% auf 85% innerhalb von nur 3 Jahren gesteigert.

Weitere 4 Studien mit Nachwuchsmannschaften und Mannschaften aus der ersten und zweiten Bundesliga haben unabhängig von einander und über einen Zeitraum von 2 Jahren nachgewiesen, dass durch ein 2-mal wöchentlich durchgeführtes Krafttraining ab der U15 signifikant pro Spieler und im Mannschaftsdurchschnitt die Verletzungsquote reduziert und die Maximalkraft, Sprungkraft und Sprintschnelligkeit verbessert werden.

 

Fazit

Zusammenfassend kann somit die hohe Relevanz des Athletiktrainings für die Sportart Fußball, sowohl für die Leistungssteigerung als auch für die Verletzungsprävention wie für die Rehabilitation bestimmt werden.

In den nächsten teilen dieser Artikelreihe sollen nun die einzelnen sportmotorischen Disziplinen und ihr Einsatz in der Trainingssteuerung besprochen werden.

 

Jörn Menger

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