Capello widerspricht: Terry soll Kapitän bleiben

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John Terry soll Kapitän bleiben

London - Der englische Fußball-Nationaltrainer Fabio Capello ist nach der Absetzung von Kapitän John Terry im Rassismus-Skandal auf Konfrontationskurs zu seinem Verband gegangen.

London (SID) - Der englische Fußball-Nationaltrainer Fabio Capello steht nach einem Machtkampf mit seinem Verband FA offenbar vor dem Rauswurf. Capello war nach der Absetzung von Kapitän John Terry im Rassismus-Skandal auf Konfrontationskurs zu seinem Verband gegangen und wurde nun zu Gesprächen über seine persönliche Zukunft zitiert.

"Die FA nimmt diese Sache sehr ernst. Es kann sein, dass Capello Vertragsbruch begangen hat", sagte FA-Direktor David Davies und drohte dem Italiener schon indirekt mit der Trennung. Präsident David Bernstein habe in der vergangenen Woche mit dem Entzug der Kapitänsbinde von Terry "nicht gezögert, und er würde es auch diesmal nicht tun", sagte Davies. Man müsse sich vor allem fragen, "was seine Motivation ist. Normalerweise denkt man, er will verhindern, dass John Terry vor der EM zurücktritt, aber diese Sache hat weitere Ausmaße".

Capello hatte dem italienischen Fernsehen gesagt: "Ich bin mit der Entscheidung nicht einverstanden. Ich denke, Terry sollte die Kapitänsbinde behalten. Ich habe mit dem Präsidenten gesprochen und ihm gesagt, dass Terry meiner Meinung nach nicht bestraft werden kann, bevor ein Zivilgericht darüber entschieden hat, dass er das auch getan hat, was ihm vorgeworfen wird."

Die Staatsanwaltschaft hat aufgrund von Videoaufnahmen bereits ein Verfahren gegen Terry eingeleitet. Die Hauptverhandlung soll aber erst am 9. Juli und damit nach der EM in Polen und der Ukraine stattfinden. Nach Capellos Forderung müsste Terry damit England als Kapitän zur Endrunde führen.

Genau um dies zu verhindern, hatte der englische Verband FA erklärt, "aufgrund der hohen moralischen Verpflichtung des Amtes" werde der Innenverteidiger des FC Chelsea als Kapitän abgesetzt, bis die Vorwürfe gegen ihn entkräftet seien. Der 31-Jährige soll seinen dunkelhäutigen Gegenspieler Anton Ferdinand von den Queens Park Rangers während eines Spiels in der Premier League am 23. Oktober 2011 rassistisch beleidigt haben.

Im Internet ist der angebliche Wortlaut der Beleidigungen zu lesen. Terry bestreitet die Vorwürfe vehement und bezeichnet den Vorgang als Hetzkampagne gegen seine Person. "Ich werde mit Klauen und Zähnen kämpfen, um meine Unschuld zu beweisen", hatte er zuletzt stets betont.

Bereits vor der WM 2010 war Terry als englischer Kapitän abgesetzt worden, nachdem bekannt wurde, dass der verheiratete Familienvater eine Affäre mit der Ex-Freundin seines ehemaligen Teamkollegen Wayne Bridge hatte. Damals hatte Capello ihm die Binde entzogen und Rio Ferdinand, Bruder des angeblichen Rassismus-Opfers, zum Kapitän ernannt. Dieser erklärte nun bereits via Twitter, nicht wieder zur Verfügung zu stehen.

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