Olympia 2016 in Rio

Regeln im Fechtsport

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Die Grundregeln und die wichtigsten Regelverstöße im Fechten

Die Olympischen Sommerspiele in Rio sind das sportliche Highlight diesen Sommer. Die Fechter starten mit als erste in den Kampf um die Goldmedaillen. Hier erfahren Sie alles über die Grundregeln im Fechtsport, die Planche und Regelverstöße von Trainingsworld-Sportexpertin Caroline Trautmann.

Die Regeln im Fechtsport werden vom Dachverband aller nationalen Sportverbände für den Bereich Fechten, der Federation Internationale d‘Escrime (FIE), festgelegt. Ähnlich wie im Fußball gibt es beim Fechten Verwarnungen/Strafen, die der Obmann (Schiedsrichter) mithilfe von unterschiedlichen Karten (gelbe, rote und schwarze Karte) ahndet. Aufgabe des Obmanns ist es, insbesondere bei Florett und Säbel über das Treffervorecht zu entscheiden.

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Grundregeln

Egal in welcher Disziplin gefochten wird: Ein Gefecht geht immer auf 5 Treffer bei einer Kampfzeit von 3 Minuten (Rundengefecht) oder auf 15 Treffer (Direktaussscheidung) bei einer Zeit von 9 Minuten, dabei unterbricht ein Treffer das Gefecht. Nach je 3 Minuten gibt es eine Pause von je 1 Minute. „Derjenige Fechter, der zuerst die Trefferzahl von 5 bzw. 15 Treffern erzielt hat oder die meisten Treffer bei Ablauf der Kampfzeit hat, gewinnt“.(1) Sollte es nach der Kampfzeit zu einem Unentschieden kommen (z. B. 3:3), wird die Kampfzeit um eine Minute verlängert und der nächste gültige Treffer entscheidet.

„Im Degenfechten gibt es sogenannte Doppeltreffer, sprich in einer einzigen Aktion fällt auf beiden Seiten ein Treffer innerhalb von 1/20 bis 1/25 Sekunde. In diesem Fall werden beide Treffer gewertet“.(3) Doppeltreffer, die bei einem Stand von 4:4 oder 14:14 fallen, werden nicht mehr gezählt. In der Altersklasse der Schüler werden die Gefechte auf 4 Treffer ausgerichtet.(2)

Abb. 1: Die Fechtbahn ist unterteilt in Mittellinie, Startlinie, Warnlinie und Endlinie

Gefochten wird in allen Disziplinen auf einer Planche (Fechtbahn) mit einer Länge von 14 m und einer Breite von 1,5-2 m. Die Fechtbahn (Alu- oder Metallbahn) ist aus elektrisch leitendem Material (Kupfer), das mit einer Meldeanlage für Trefferanzeigen verbunden ist. Seit einiger Zeit gibt es Fechtbahnen mit einer sehr leichten Bauweise (Gummigewebe), die für Turniere interessant sind, da diese leicht zu installieren sind. Die Fechtbahn ist unterteilt in Mittellinie, Startlinie, Warnlinie und Endlinie (siehe Abb. 1).

Zu Beginn des Gefechts und nach jedem gültigen Treffer stellen sich die Fechter hinter den Startlinien (rote Linie) auf. Gültige Treffer werden durch eine rote oder grüne Lampe auf der Seite des Fechters angezeigt, ein ungültiger Treffer (Florett) wird durch eine weiße Lampe gekennzeichnet. Das Anzeigen der roten bzw. grünen Lampe entsteht durch die Verbindung eines Kabels vom Fechter (Weste und Waffe) mit der elektronischen Meldeanlage.

 

Verlassen der Fechtbahn (rote und gelbe Karte)

Das Verlassen der Fechtbahn nach hinten über die Endlinie (orangene Linie) mit beiden Beinen zieht einen Straftreffer nach sich (rote Karte), d. h. der Gegner bekommt einen Treffer zugesprochen. Sollte der Fechter während des Gefechts die Bahn seitlich verlassen, erhält der Betreffende eine Verwarnung (gelbe Karte); dabei kommt es zum Bodenverlust von 1 m.

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Regelverstoß (rote und gelbe Karte)

Im Fechtsport kann der Obmann durch 3 unterschiedliche Karten gegen einen Fechter ermahnen, wenn der Fechter gegen eine Regel verstoßen hat. Dabei wird zwischen folgenden Sanktionsmaßnahmen unterschieden:

- Verwarnung (Gelbe Karte)

- Straftreffer (Rote Karte)

- Disqualifikation (Schwarze Karte)

 

Zusätzlich werden die Verstöße in vier Gruppen eingeteilt.

1. Gruppe:

In der ersten Gruppe werden Verwarnungen (gelbe Karte) und Straftreffer (rote Karte) erteilt. Zu nennen sind:

- das Verlassen der Fechtbahn

- Ungehorsam

- dem Gegner den Rücken zuwenden

- das Aufsetzen der Waffe auf die Planche, um die Klinge gerade zu biegen

- das Anfassen von elektronischen Teilen

- das Abdecken der gültigen Trefferfläche

 Sollte das Vergehen ein wiederholtes Mal im Gefecht vorkommen, ist dies ein zweiter Verstoß, der mit einem Straftreffer (rote Karte) geahndet wird.

 

2. Gruppe:

Sollte ein Fechter absichtlich gegen die Regeln verstoßen, wie z. B.:

- das Fehlen des Namens auf dem Rücken

- das Fehlen der Kontrollmarke

- Vortäuschung einer Verletzung um eine Pause zu erhalten,

werden der erste und der zweite Verstoß jeweils mit einem Straftreffer (rote Karte) bestraft.

 

3. Gruppe:

Ein schwerwiegendes Vergehen wird, wie in Gruppe 2, mit einem Straftreffer bestraft, allerdings muss der Fechter aufpassen, kein weiteres Vergehen in dieser Gruppe zu begehen. Ein weiteres Vergehen zieht in Gruppe 3 die Disqualifikation nach sich. Die Disqualifikation (schwarze Karte) ist im Fechtsport die höchste Bestrafung. Der Athlet wird vom Wettkampf ausgeschlossen und erhält eine Sperre von Minimum zwei Monaten. Aktionen für die schwarze Karte sind unter anderem:

- unfairer Kampf

- Verstoß gegen die Werbevorschrift

- Ordnung auf der Bahn stören.

 

4. Gruppe:

Die schlimmsten Verstöße werden der Gruppe 4 zugewiesen. Der Fechter wird mit sofortiger Wirkung disqualifiziert, so dass der Gegner automatisch gewonnen hat.(4) In diese Kategorie gehören:

- Doping

- Brutalität

- Verweigerung des Fechtergrußes (vor oder nach dem Gefecht)

- Verwendung von Kommunikationsmitteln, womit der Fechter während des Gefechts Anweisungen vom Trainer erhält.

 

Caroline Trautmann

 

Quellenangaben:

1. www.fechten.org

2. http://www.ta7.de/txt/sport/spor0012.htm

3. http://www.tc-hameln.de

4. http://de.wikipedia.org

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